- Leben mit Diabetes
15. Diabetes-Charity-Gala: „Zahlen beschreiben nicht unseren Wert als Mensch!“
6 Minuten

Wieder zog es im Oktober viele Menschen nach Berlin: zur Diabetes-Charity-Gala, veranstaltet von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Die Diabetes-Community war gut vertreten, Prominente berichteten aus ihrem Leben. Wissenswertes, Rührendes, Bewundernswertes und viele weitere Empfindungen wechselten sich den Abend über ab.
Tolles ehrenamtliches Engagement – und ein wertvoller Ratgeber für viele Menschen mit Diabetes: Alexander „Sandy“ Kikelj ist der diesjährige Gewinner des Thomas-Fuchsberger-Preises. Verliehen wurde die Auszeichnung im Rahmen der 15. Diabetes-Charity-Gala von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe am 16. Oktober 2026 in Berlin.
In der „Bar jeder Vernunft“ hatte sich die deutsche Diabetes-Welt getroffen, um auch Spenden zugunsten von Projekten für Menschen mit Diabetes und besonders auch Kinder zu sammeln. Die MedTriX Group, unter deren Dach u.a. der Diabetes-Anker erscheint, ist Sponsor des Thomas-Fuchsberger-Preises.
Fuchsberger-Preis: „Mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität“
Laudatorin und Schauspielerin Esther Schweins, deren Mutter vor etwa 50 Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankte und deren Vater Typ-2-Diabetes hatte, würdigte den Preisträger mit seinem YouTube-Kanal „Sandy’s Diabetes Loop“ als Vorreiter in der Diabetes-Technologie. „Was andere Menschen mit Diabetes oder Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes manchmal auch Kopfzerbrechen bereitet, das spornt Sandy an. Nämlich zu verstehen, wie jedes einzelne Medizinprodukt, CGM, Pumpe, in der Diabetologie funktioniert.“
Alexander Kikelj kennt das Leben mit Typ-1-Diabetes seit 30 Jahren. Schweins zitierte den Preisträger: „Durch meine Videos und persönliche Unterstützung ermögliche ich Menschen mit Typ-1-Diabetes mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität.“
Vormerken: Am 6. November erscheint eine Sonderfolge des Diabetes-Anker-Podcasts mit dem Preisträger.
Trotz Rückschlägen nach vorne blicken: „Diese Community, die ist stark!“
Im Mittelpunkt der Gala, die das Motto „Ich steh auf!“ trug, stehen immer die Menschen mit Diabetes. „Diese Community, die ist stark!“, sagte Moderator Dr. Jens Kröger, diabetesDE-Vorsitzender, zu Beginn. Und Moderatorin Nicole Mattig-Fabian, diabetesDE-Geschäftsführerin, konkretisierte:
„Jeder kennt die Ups und Downs bei der Glukose-Einstellung und auch, dass man mitunter genervt oder sogar verärgert ist, wenn der Blutzucker wieder verrücktspielt und ganz andere Dinge macht, als man eigentlich selber will. Und trotzdem haben diese Menschen mit Diabetes gar keine andere Chance, als nach Rückschlägen wieder nach vorne zu blicken und immer wieder aufzustehen. Jede und jeder Einzelne von Ihnen weiß, dass es anderen Menschen mit Diabetes ganz genauso geht und keiner etwas falsch macht.“
„Ich steh auf!“ lautet übrigens auch der Titel eines Song von Sänger Georg Stengel, der während des Programms die musikalische Untermalung bot. Beim gemeinsamen Singen des Refrains stand das gesamte Publikum.
„Großen Respekt – Chapeau!“, was Menschen mit Diabetes jeden Tag leisten
In ihrer Keynote erinnerte die frühere Leistungsschwimmerin Britta Steffen, die heute auch als Gesundheits-Coach tätig ist, noch einmal an die hohen Zahl der Menschen mit Diabetes und die vielen Neuerkrankungen – und sie erinnerte sich an ihre ersten Berührungen mit dem Thema.
Während des Schwimm-Trainings, als sie 12 oder 13 Jahre alt war, hatte sie tewas in der Umkleide vergesen: „Ich riss die Tür auf und Jasmin, eine Schwimmkollegin von mir, saß auf der Bank und hatte eine Spritze in der Hand. Und ich dachte: Was passiert hier? Und dann lächelte sie mich schief an und sagte: ‚Ich habe Diabetes und ich muss mich regelmäßig spritzen, sonst würde es mir schlecht gehen.‘ Damals konnte ich das noch gar nicht so einschätzen“, beschrieb Britta Steffen die Szene.
Sie fuhr fort: „Erst aus heutiger Sicht weiß ich: Sie war Leistungssportlerin, sie hat sich auf ihr Essen konzentrieren müssen, sie hat Reisen mitgemacht, sie hatte Stress, sie hatte verschiedene weitere Erkrankungen und musste permanent auch den Blutzuckerspiegel im Blick behalten. Deswegen an dieser Stelle noch mal an alle Menschen mit Diabetes: Großen Respekt, was Sie jeden Tag leisten (…)! Chapeau!“
Social-Media-Kampagne: „Die meisten schweigen – das wollen wir ändern“
Spenden gesammelt wurden dieses Jahr für zwei Projekte: Zum einen ist es die laut Nicole Mattig-Fabian „erfolgreichste Social-Media-Kampagne im Gesundheitswesen“ #SagEsLaut #SagEsSolidarisch, auf der Bühne vertreten durch Diabetes-Anker-Community-Autorin Cornelia Doll, die mit Typ-1-Diabetes lebt, seit sie neuen Jahre alt war, und Daniel Lensing, der vor drei Jahren die Diagnose Typ-2-Diabetes erhielt.
Cornelia Doll betonte: „Mit Diabetes ist alles möglich. Das möchte ich zeigen.“ Und Daniel Lensing hebt den Wert der Kampagne hervor: „11 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes. Und die meisten schweigen darüber. Aus Scham, aus Angst vor Vorurteilen, weil sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Genau das wollen wir ändern.“
Spendenprojekt DiaConnect: „Einfach Kinder sein können“
Zum anderen wird das Projekt DiaConnect unterstützt. Psychologin Isabelle Weberling organisiert hierin in Berlin Peer-Treffen für Kinder mit Typ-1-Diabetes und ihre Familien. „Ich bin ein großer Freund davon, dass es nicht immer nur um den Diabetes geht. Die Kinder sollen einfach Kinder sein können.“
Insgesamt kamen von der Industrie dieses Jahr 100.000 Euro zusammen. Die spendenden Unternehmen waren Abbott, Boehringer Ingelheim, Neubourg Skin Care, Insulet, Essity, Healthcare Convention, mylife Diabetes Care und Grünenthal. Die Diabetes-Charity-Gala allgemein unterstützten dieses Jahr die Unternehmen und Krankenkasse Abbott, Boehringer Ingelheim, Dexcom, IKK classic, MedTriX Group, MiniMed, Omnipod und Thieme.
Als Medienpartner begleiteten der „Diabetes-Anker“, „Bunte“ und „Gut leben mit Diabetes“ die Veranstaltung.
Prominente stehen zu ihrem Diabetes: „Du, Diabetes, bist mein Partner“
Einige Prominente, selbst mit Diabetes lebend oder mit einem familiären Bezug, bereicherten die Gala. So sagte zum Beispiel Moderator Jörg Draeger zu seiner chronischen Erkrankung: „Du, Diabetes Typ 2, bist nicht mein Feind – du bist mein Partner.“ Journalistin Anke Harnack berichtete, wie es ihr mit medikamentöser Unterstützung gelungen ist, in 15 Monaten 55 Kilogramm abzunehmen.
Und Skeleton-Olympionikin Anna Fernstädt rief Bewunderung hervor, wie sie es geschafft hatte, zehn Tage nach der Diagnose ihres Typ-1-Diabetes nach China zu reisen und dort an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Die Quintessenz zog gewissermaßen die mit Typ-1-Diabetes lebende Lina Patti mit der letzten Zeile ihres Poetry Slams: „Zahlen beschreiben unseren Stoffwechsel, aber nicht unseren Wert als Mensch!“ Großer Beifall war ihr gewiss!
Dr. med. Katrin Kraatz ist Ärztin, Medizin-Redakteurin und lebt seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit am Diabetes-Anker (vormals Diabetes-Journal) und ist seit 2021 zusammen mit Prof. Haak Chefredakteurin der Zeitschrift. Darüber hinaus schreibt Dr. Kraatz auch für weitere Diabetes-Medien aus dem Hause MedTriX.
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katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 5 Tagen, 1 Stunde
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …florahdo postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 4 Tagen, 8 Stunden
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?




















