Stille Helden

2 Minuten

Stille Helden

Manche Mediziner halten sich für etwas ganz besonders. Doch über Heldentaten prahlt man nicht, findet Dr. Hans Langer in der Kolumne Zum guten Schluss.

Die, die sich für ganz besondere Typen halten …

Manchmal muss ich mich über meine Kollegen schon wundern; da gibt es einige, die sich für ganz besondere Typen halten. Bei unserem Ärztestammtisch letzte Woche, zu dem Kollegen aus allen Fachbereichen in unserer Stadt kommen, sind natürlich meine speziellen Freunde, die Messerhelden, auch Chirurgen genannt, dabei.

Einer von diesen zeichnet sich dadurch aus, dass er ein besonderes Verhältnis zu jungen Frauen hat – und das Geld, das er mit den Nachtdiensten verdient, in gebrauchte Sportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen investiert. Im Sommer sieht man ihn meist mit Sonnenbrille im gelockten Haar, braun gebrannt in der angesagten Eisdiele sitzen. Und wenn man ihn fragt, ist er natürlich ein Held im „Weißen Kittel“. Auch wenn man ihn nicht fragt, gibt er bereitwillig Auskunft über seine Heldentaten.

Tönen von der neuesten „Heldentat“

So tönte er bei besagtem letztem Ärztestammtisch von seiner neuesten Heldentat im Operationssaal: Es ist ihm im letzten Nachtdienst doch glatt gelungen, bei einer Frau, die im Vollrausch durch eine Glastür gefallen war, die spritzende Blutung an der Handschlagader zu stillen; ohne sein energisches Eingreifen wäre die Frau mit Sicherheit verblutet.

Richtig beleidigt war er, als ich dazu nur meinte, dass das ja wohl auch seine Aufgabe als Chirurg sei und dass es sich bei dieser Verletzung doch mehr oder minder um eine medizinische Standardsituation handle. Nun ja, die Diskussion führte, wie nicht anders zu erwarten, ins Nichts.

Welche Heldentaten vollbringen Diabetologen?

Wenn ich mir solche Geschichten anhöre, frage ich mich, was wir eigentlich als Diabetologen für Heldentaten vollbringen? Unlängst habe ich nämlich bei einer Patientin, die im Unterzucker bewusstlos geworden war, Glukose gespritzt, so dass es ihr schnell wieder besser ging. Hätte ich dies nicht getan, hätte sie vielleicht schwere, gesundheitliche Probleme bekommen. Schließlich war es eine alte Dame, die mehrere Herzinfarkte hinter sich gebracht hatte.

Für solche Patienten sind Unterzuckerungen natürlich nicht ungefährlich. Bin ich deswegen ein Held? Und muss ich darüber unbedingt reden? Wenn ich es überhaupt jemandem erzähle, dann allenfalls beiläufig meiner Freundin Gabi, und die sagt manchmal: „Du bist ein Held – aber ein stiller.“


von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (5) Seite 90

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung

Bereits eine kurze, strikt durchgeführte Haferkur mit Kalorienreduzierung kann den Fettstoffwechsel über mehrere Wochen positiv beeinflussen. Darauf weist eine Studie der Universität Bonn hin, die den Effekt einer intensiven Haferzufuhr über zwei Tage auf den LDL‑Cholesterin-Spiegel bei Menschen mit metabolischem Syndrom untersuchte.
Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL‑Cholesterin-Senkung | Foto: sonyakamoz – stock.adobe.com

3 Minuten

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 1 Woche

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände