Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #28 | Diabetes und Digitalisierung – Teil 1

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Hin und zurück - bis ans Ende der Dia-Welt - 28 - Diabetes und Digitalisierung – Teil 1
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Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #28 | Diabetes und Digitalisierung – Teil 1

Als ich noch im Studium war, hieß es oft, dass wir in mitten eines Digitalisierungsprozesses stecken. Und wenn dieser Prozess nach und nach abgeschlossen ist, so soll es für alle (= Menschheit) vom Handling leichter werden, da ja dann alles miteinander verknüpft ist. Bis heute klingt das wie Musik in meinen Ohren! Doch die ernüchternde Wahrheit ist, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in vielen Teilen der Digitalisierung weiter hinten hängt. Am meisten fällt mir das auf, wenn es bspw. um behördliche Sachen geht. Aber wo ich seit den letzten Jahren einen mega Fortschritt sehe, ist in der Medizin. Und tatsächlich sind diese Änderungen wirklich eine große Unterstützung im Alltag im Leben mit (Typ-2-)Diabetes! Hier ein paar Beispiele…

Beim (Fach-)Arzt

Ich weiß nicht, ob Du das kennst, aber ich bin absolut keine Telefon-Maus. Ich bin eher so Team „WhatsApp-Nachricht“ oder Team „E-Mail“. Schon früher: Allein beim Gedanken irgendwo anrufen zu müssen, habe ich das To-Do bis zum Gehtnichtmehr hinausgezögert. Und wenn es dann soweit war, hoffte ich, dass es auch ganz schnell wieder vorbeiging. Doch das miese daran war, dass meine Methode „Augen zu und durch“ nicht immer funktionierte.

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Gerade bei Terminvereinbarungen bei Ärztinnen und Ärzten erwies es sich als besonders schwer, da viele Praxen – oder zumindest die, die ich besuchte – schwerer zu erreichen waren als der Papst. Hier brauchte man oft einen langen Geduldsfaden. Und wenn ich eins nicht habe, dann ist es wohl Geduld. Gerade auch im Berufsleben empfinde ich es oftmals als lästig, wenn man während der Pause seinen Warteschleifen-Marathon hinter sich bringen muss. Denn sind wir mal ehrlich: Die Pause könnte man definitiv besser nutzen. Und besonders schlimm wird’s dann auch, wenn man selbst am Front-Desk in der Praxis steht und darauf wartet „bearbeitet“ zu werden. Und plötzlich fängt das Telefon an zu klingeln, doch niemand nimmt ab. Ich sag‘s Dir – mein inneres Helfersyndrom schreit da ganz laut und würde am liebsten selbst das Telefon bedienen…

Foto: Andrew Neel – unsplash.com

Doch wie bereits eingangs erwähnt, gibt es hier einen modernen Fortschritt! Und zwar habe ich jetzt schon öfters gesehen, dass man mittlerweile bei vielen Fachärztinnen und -ärzten Termine online vereinbaren kann. Halleluja! Entweder direkt über die Website oder über Portale, wie u. a. Doctolib.

Dieses „Online-Termin-Vereinbarungs-Handling“ ist einfach super easy, weil:

  1. Es super fix geht und mega unkompliziert ist,
  2. Es flexibel für uns Patienten nutzbar ist, egal, wann und von wo.
  3. Und man muss nicht 10-mal lästig am Telefon nachfragen, ob es nicht wann anders einen freien Termin gibt.

Meines Erachtens ist dieser Fortschritt perfekt und effizient für beide Parteien! Und das Beste: Bei manchen Apps kann man sich sogar auf eine digitale Warteliste setzen lassen und wird per Push-Nachricht oder E-Mail benachrichtigt, wenn ein anderer Termin früher frei geworden ist. Ziemlich cool, was? So habe ich es tatsächlich geschafft meinen MRT-Termin binnen von 10 Tagen zu bekommen, obwohl man eigentlich viele Wochen warten muss. Doch jetzt, da ich dieses Wissen teile, ist wohl auch dieser Vorzug demnächst passé, hm? #Späßchen

Das E-Rezept

Laut diverser Nachrichtendienste soll seit dem 1. Juli 2023 das E-Rezept eingeführt worden sein. Wie man dieser Aussage entnehmen kann, bin ich mir da nicht zu 100 Prozent sicher. Aber was ich mit Sicherheit weiß: Wenn es soweit ist, würde es mein Leben enorm bereichern. Stell’ Dir mal folgendes Szenario vor: Einfach nur noch die Krankenversichertenkarte ins Lesegerät bei der Apotheke stecken und wie aus Magie erscheint das Rezept auf dem Screen. Ganz ohne Papier und nerviges Hin- und Herfahren. Natürlich braucht der Arzt auch weiterhin jedes Quartal die Krankenversichertenkarte, was einen kurzen Praxisbesuch auch in Zukunft unumgänglich macht. Aber wie cool wäre es bitte, wenn man zwischenzeitlich die Option hätte, einfach anzurufen und gemütlich zur nächsten Apotheke zu schlendern? Das ist definitiv #nextlevel!

Foto: Neil Soni – unspslash.com

Dokumentations-Apps

Ein weiteres Highlight im Rahmen einer guten Patientin-Unterstützung – besonders im Falle von Diabetes – sind für mich Dokumentations-Apps, wo man bspw. seine Blutzuckerwerte digital eintragen kann.

Viele von Euch werden sich vielleicht nun denken „Wie denn sonst?“. Doch ich kenne es tatsächlich auch noch anders. Nicht von mir selbst, aber von meinen Omas. Diese hatten nämlich Ihre Blutzuckerwerte noch in kleinen Notizbüchern dokumentiert und dieses Büchlein stets mit sich geführt. In diesem Moment wird mir auch klar, warum die Tasche meiner beiden Omas immer so schwer war… Ich meine das Blutzucker-Messtagebuch, Insulin sowie Spritzen, den Diabetes-Pass usw.!

Auch hier: Ein riesiges Lob an die Digitalisierung, die es uns ermöglicht, heutzutage alles im Smartphone zu speichern und somit 24/7 verfügbar zu haben – ganz ohne langfristige Rückenprobleme!

Fazit

Natürlich kann an ganz vielen Stellschrauben noch was gedreht werden. Doch ich bin wirklich froh, dass es überhaupt eine so gute technische Entwicklung gibt. Alle drei oben aufgeführten Punkte sind wirklich patientenfreundlich und eine wahre Unterstützung (sowie ein Zeit-Saver) im Alltag.

Wo siehst Du noch Entwicklungspotenzial? Was würde Dich im Alltag in Bezug auf Deine Diabetes-Erkrankung unterstützen? Schreib‘s gerne in die Kommentare!

Caros Kolumne

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Caros Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!

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von Caro

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • crismo antwortete vor 1 Woche

      Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • thomas55 antwortete vor 1 Woche

      @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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