Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #48 | Vorsorgeuntersuchung (8) – der Darm

4 Minuten

#48: Vorsorgeuntersuchung (8) – der Darm – Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt – MVshop_556354210
Foto: MVshop – stock.adobe.com
Community-Beitrag
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #48 | Vorsorgeuntersuchung (8) – der Darm

Diabetes ist ein sehr komplexes Krankheitsbild, was sich langfristig auf die gesamte Funktionalität des Körpers auswirkt. Daher ist es umso wichtiger, neben einem guten Diabetes Management, auch regelmäßige Vorsorgetermine wahrzunehmen, um eventuelle Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend entgegenwirken zu können. In dieser Beitragsreihe möchte ich Dich durch die verschiedenen Vorsorgebereiche mitnehmen. Mein Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür bei Dir zu schaffen, sodass Du langfristig diese in Dein Diabetes Management etablieren kannst und somit langfristig einem langen Leben (trotz Diabetes) nichts mehr im Wege steht.

Das Wunderwerk im Bauch

Bei der Prävention und Behandlung von Diabetes spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Kein Wunder, dass auch der Darm bei der Vorsorge nicht fehlen darf, denn dieser ist schließlich der Star unseres Verdauungssystems.

Schon zu Schulzeiten fand ich den Darm super spannend. Denn wer sich erinnert — dieses Organ ist einfach 7 bis 8m lang! I mean … wie? Wo? Krass! Beginnend am Pylorus (= unserem Magenpförtner) bis hin zum After, ist unser Darm in zwei Hauptteile, den Dünn- und Dickdarm, gesplittet. In den zwei Teilen gibt es dann noch weitere „Unterkategorien“, wo bspw. der Zwölffingerdarm wahrscheinlich mit am bekanntesten ist. Unser meterlange Verdauungskanal sorgt u. a. für die Zerlegung der aufgenommenen Nahrung, die Resorption der Nahrungsbestandteile sowie die Ausscheidung der Nahrungsreste, die der Körper nicht mehr benötigt. Ebenfalls trägt er zu einem starken und gesunden Immunsystem bei und spielt eine wichtige Rolle in der Regulation unseres Wasserhaushalts.1

48 Vorsorgeuntersuchung (8) – der Darm – Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt
Foto: Andres Ayrton – unsplash.com

Für uns Menschen mit Diabetes beginnt die Blutzucker-Magie im Dünndarm, denn in den Zwölffingerdarm (der erste Abschnitt des Darms) münden die Sekrete von Galle und Bauchspeicheldrüse durch die großen Verdauungsdrüsen. Diese beiden Verdauungssekrete enthalten wichtige Enzyme zur chemischen Spaltung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen. Sprich, wenn wir Nahrung zu uns nehmen, dann wird diese im Magen zerkleinert und angedaut. Im gesamten Dünndarm kommt es dann zur Resorption. Sprich, die Nahrung wird in die einzelnen Bestandteile (K, F, E) aufgeteilt und im Blut aufgenommen.1 Je nachdem, wie viele Kohlenhydrate wir aufgenommen haben, steigt unser Blutzucker entsprechend an. Beziehungsweise je nachdem, welche Nahrung wir zu erst aufgenommen haben, startet unsere Verdauung nach dem Prinzip „first come, first serve“, was den Blutzucker bei der richtigen Reihenfolge langsamer ansteigen lässt. Die optimale Blutzucker-freundliche Ess-Reihenfolge ist: Ballaststoffe, Eiweiß, Kohlenhydrate.2 Alles was der Körper dann nicht verwerten kann, wird später über den Dickdarm ausgeschieden.

Dieser Vorgang findet bei jedem Menschen statt und ist erstmal nichts außergewöhnliches. Doch warum sollten Menschen mit Diabetes besonders auf ihre Darmgesundheit achten? Menschen mit Diabetes leiden tatsächlich häufiger an Magen-Darm-Beschwerden, wie z. B. Sodbrennen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall und neigen eher zu Infektionen oder auch Gallensteinen. Hier spielt auch die Medikation mit entsprechenden Nebenwirkungen eine wichtige Rolle. Verdauungsprobleme können zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, welche langfristig zur Entstehung und Wachstum von Tumoren beiträgt, was heutzutage leider mit die häufigste Todesursache bei Menschen mit Diabetes ist.

Im Falle von Darmkrebs gibt es drei Risikofaktoren:

  1. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel fördert Entzündungen und einen erhöhten Glukoseverbrauch, welcher Krebszellen wachsen lässt.
  2. Eine erhöhte Insulinabgabe fördert ebenfalls das Wachstum von Tumorzellen.
Foto: Olena Bohovyk – unspalsh.com

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Menschen mit Übergewicht und einem insulintherapierbaren Typ-2-Diabetes für Darmkrebs am gefährdetsten sind. Aber natürlich spielt auch die Lebensweise eine zentrale Rolle. Ernährt man sich ausschließlich ballaststoffarm mit viel Zucker, Fett, Salz und Alkohol, raucht zu dem on top und bewegt sich wenig — dann steht die Pforte zum maximalen Wachstum für Krebszellen weit geöffnet. Ernährt man sich hingegen ballaststoffreich mit vielen Vitaminen, pflanzlichen Eiweißen, gesunden Fetten und bewegt sich regelmäßig, so lässt man die Quelle versiegen und kann sich an langer Darmgesundheit erfreuen. Und das ist der Schlüssel des Erfolges, der sich nicht nur im Diabetes Management, sondern auch in dieser Vorsorge-Beitragsreihe wie ein roter Faden durch alles ziehen lässt.

Doch was können wir neben einem gesunden Lifestyle noch tun? Na klar, eine Vorsorgeuntersuchung bei der Fachärztin bzw. beim Facharzt. In der Regel finden solche Untersuchungen erst ab dem 50. Lebensjahr statt. Doch gehört man zur Risikogruppe dazu bzw. hat entsprechende Symptome, so kann die Untersuchung auch vor dem genannten Alter gemacht werden. Und das Beste: Die Krankenkasse bezahlt sogar die Vorsorge. Insgesamt gibt es zwei Verfahren: Zum Einen kann ein Stuhltest zur Früherkennung von zu Hause durchgeführt werden, was unkompliziert und schnell ist. Die andere Möglichkeit ist eine Darmspiegelung.3 Ich habe mal gehört, dass sobald man Symptome hat, es bereits zu spät ist. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, doch better safe than sorry, oder? Fakt ist, solltest Ihr andauernde Magen-Darm-Beschwerden haben, wäre das Aufsuchen einer Gastrologin bzw. eines Gastrologens ratsam.

Doch der Darm ist nicht das Einzige, was es zu pflegen gilt. Den höchsten Einfluss hat unsere Darmflora. Doch dazu das nächste Mal mehr …

Quellen:
1 https://www.netdoktor.de/anatomie/darm/
2 Buch: Der Glukose-Trick von Jessie Inchauspé (2022)
3 https://www.gk-bonn.de/gkbn/aktuelles-termine/dialog/diabetes-und-darmkrebs.php#:~:text=den%20Darm%20aus%3F-,Prof.,einem%20schwer%20einstellbaren%20Blutzuckerspiegel%20führen

Caros Kolumne

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Caros Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!

alle Kolumnen-Beiträge von Caro


von Caro

Avatar von sweet-caromell-type2
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Spezielle Schuhe und Sohlen beim Diabetischen Fußsyndrom: Welcher Patient wird wie versorgt?
Menschen mit einem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) benötigen spezielle Sohlen und/oder Schuhe, damit keine Wunden an den Füßen entstehen oder entstandene Wunden abheilen können. Was für wen sinnvoll und hilfreich ist, hängt vom Risiko für eine Wunde ab. Folgende Beispiele zeigen, wann was empfohlen wird.
Spezielle Schuhe und Sohlen beim Diabetischen Fußsyndrom: Welcher Patient wird wie versorgt? | Foto: Elizaveta – stock.adobe.com

8 Minuten

Michael Krauser im Interview: Reisen als Leidenschaft – und dankbar auf das Leben blicken
Sein Typ-1-Diabetes hat Michael Krauser viel über Dankbarkeit gelehrt. Ob auf seiner Leidenschaft, dem Reisen, oder im Alltag – er lässt sich nicht aufhalten. Seine Botschaft im Interview: Sei stolz auf dich und das, was du jeden Tag leistest.
Michael Krauser im Interview: Dankbar auf das Leben blicken | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

14 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • hexle antwortete vor 2 Tagen

      @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • hexle antwortete vor 2 Tagen

      @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • diahexe antwortete vor 2 Wochen

      @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

Verbände