Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #53 | Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen…

4 Minuten

#53: Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen – Hin und zurück - bis ans Ende der Dia-Welt
Foto: artbesouro – stock.adobe.com
Community-Beitrag
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #53 | Irgendwann muss man eine Entscheidung treffen…

Kinder bekommen mit Typ-2-Diabetes – eine Frage, die viele junge Frauen beschäftigt. Caro schildert offen, welche Überlegungen, Sorgen und körperlichen Veränderungen sie auf dem Weg zu dieser persönlichen Entscheidung begleiten.

Diabetes und Hormone – zwei Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Wie wichtig die Schilddrüse für uns ist, habe ich bereits in Beitrag #42 erörtert. Doch heute möchte ich noch einen Schritt weitergehen und das auf den Tisch bringen, worüber viele junge Frauen mit (und auch ohne) Typ-2-Diabetes früher oder später nachdenken und eine Entscheidung treffen werden: Kinder ja oder nein?

Bei meiner Diabetes Diagnose war ich 27 Jahre jung und laut meiner Schwiegermutter in spe in einem Alter, in dem sie schon zwei Kinder hatte. Natürlich hat sich in den letzten 30 Jahren einiges in der Gesellschaft verändert. So auch das Durchschnittsalter einer Frau bei der Geburt. Und doch – erreicht man ein gewisses Alter und ist zudem länger mit seinem Partner (oder Partnerin) zusammen, schart die Familie mit den Hufen und kann es kaum erwarten, dass die Babyglocken klingeln.

Foto: pexels.com

In den vergangenen Jahren wuchs auch in mir der Wunsch eines Tages Mutter zu werden. Doch wie Ihr Euch nun vorstellen könnt, ist die Vorfreude auf dieses Ereignis seit meiner Diabetes Diagnose etwas „gedrosselt“, da man im Allgemeinen doch immer wieder mit Zukunftssorgen konfrontiert wird. Natürlich ist mir bewusst, dass wir Menschen uns seit jeher fortpflanzen. Und dank der heutigen Medizin, auch Frauen mit Diabetes gesunde Babies zur Welt bringen können. Doch ich denke, es ist ganz normal, dass man sich Sorgen macht, oder?

Vier Jahre sind seit meiner Diagnose vergangen und bis heute konnte ich meinen Diabetes leider nicht in Remission schicken. Ein Traum, den viele jungen Menschen mit Typ-2-Diabetes haben, aber leider nicht jeder verwirklichen kann. Die Remission war bzw. ist für mich ein wichtiger Ankerpunkt, denn ich erhoff(t)e mir, dass ich somit auf eine Insulintherapie während der Schwangerschaft verzichten kann. Doch bislang hat es mit der Remission noch nicht geklappt. Und mein Diabetes ist heute genauso präsent, wie noch vor vier Jahren. Natürlich kann man an der ein oder anderen Schraube noch etwas drehen. Doch wenn ich eins die letzten Jahre gelernt habe, dann, dass das Leben nicht immer so spielt, wie man will. Und am Ende des Tages ist man ja schließlich auch nur ein Mensch, oder? Ich glaube wichtig ist, dass man am Ende rückblickend sagen kann, dass man das Beste aus seinem Diabetes-Management für sich rausgeholt hat.

Caros Kolumne

Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Caros Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!

alle Kolumnen-Beiträge von Caro

Letzten Oktober fasste ich den Entschluss, meine hormonelle Verhütung an den Nagel zu hängen und endlich meinen Körper wieder vollständig für mich zurückzugewinnen. Ein weiterer Grund war, dass ich meinen HbA1c unter 6,5% bringen wollte. Das sei laut Diabetologin u.a. ein guter Ausgangswert für eine Schwangerschaft – egal, zu welchem Zeitpunkt. Also las ich mich ins Thema ein und sammelte Erfahrungen aus der Community. Welche Nebenwirkungen waren zu erwarten? Wie wirkt sich das Absetzen kurz- und langfristig auf den Blutzucker aus?

Meine größte Sorge war damals noch, dass ich meine dünnen Haare verliere und über kurz oder lang aussehen würde, wie Gollum. (Für alle, die nicht wissen wer gemeint ist — gerne einmal googeln.) Aufgrund der ganzen positiven Rückmeldungen aus der Community war ich super optimistisch, dass meine Blutzuckerwerte sich schon ganz bald positiv verändern würden — vor allem morgens. Doch die Realität sah etwas anders aus, als erwartet. Vorweg: Ich behielt meine dünnen Haare auf dem Kopf. Doch seitdem kämpfe ich mit unreiner Haut am Kinn und einer Gewichtszunahme von mittlerweile 8kg. Der gewünschte positive Effekt bei meinem Blutzucker blieb leider aus.

Die ganzen Pickel kann ich zähneknirschend hinnehmen. Doch die Gewichtszunahme nagt doch sehr an mir, was daran liegt, dass ich super schnell Gewicht zunehme und noch viel schwerer wieder abnehme. Ich bereue nicht, diesen Schritt gegangen zu sein. Denn es war nur eine Frage der Zeit, bis ich der hormonellen Verhütung abschwören würde.

Foto: PandaBearPhotographyWales – pixabay

Eingangs hatte ich erwähnt, dass man als Frau eines Tages eine Entscheidung treffen muss — und zwar ob man Kinder bekommen möchte oder nicht. Ich finde, es sollte jeder Frau selbst überlassen sein, welche Entscheidung sie trifft. Mit oder ohne Diabetes. Der Diabetes ist ein Risikofaktor, der eine Schwangerschaft bzw. die gesamte Reise stark belasten kann. Für mich war die Geburt schon immer etwas, wovor ich sehr großen Respekt hatte. Aber natürlich endet nach einer Schwangerschaft oder nach der Geburt die Reise bzw. Verantwortung nicht, sondern hält ein Leben lang.

Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung, die genetisch bedingt ist. Sprich, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Umso mehr Menschen innerhalb der Familie betroffen sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eines Tages selber von betroffen ist. Und unabhängig von einer Risikoschwangerschaft oder einer Geburt — finde ich diese Tatsache wirklich schockierend. Natürlich geben wir unseren Nachkommen so einiges über die Genetik mit. Und die Art und Weise wie wir die ersten Jahre mit einem Sprössling gestalten (Ernährung & Co.), hat einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben. Doch kann man guten Gewissens ein Kind in die Welt setzen, obwohl man weiß, welchen Herausforderungen es sich eines Tages stellen muss?

➤ zu Caros Instagram-Profil

Ich kann mich nur wiederholen: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich glaube, dass ein gesundes Vorleben der Schlüssel zum Erfolg ist. Die Genetik kann niemand ändern. Aber wie bei allem anderen im Leben, haben wir es selber in der Hand, was wir daraus machen. Sprich, was wir zu uns nehmen, wie wir unseren Alltag gestalten und was für Werte wir bspw. unseren Kindern vermitteln. Und wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann dass ein Leben TROTZ Diabetes gut ist und man nicht an Lebensqualität einbüßen muss.

Also, mit dem Bewusstsein und Wissen von heute sowie einer großen Portion Glück des Universums — wofür würdest Du dich entscheiden?


von Caro

Caro ist unser Diabetes-Anker „Original“ und schreibt seit 2020 über ihr junges Leben mit Typ-2-Diabetes. Aufgrund ihrer aufgeschlossenen Art und gesunden Neugier testet sie sich gerne durch die aktuellen Food-Trends und ziert sich nicht vor ehrlichen Reviews! Besonders liegt es ihr am Herzen, die Gesellschaft Diabetes-freundlicher zu gestalten und Betroffenen aufzuzeigen, dass ein gutes Leben TROTZ Diabetes möglich ist!

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Schwieriger Start mit Diabetes: Tiefs und Hochs im Wechsel
Janina Klinger ist ein Multitalent. Obwohl ihr Start in ihr Leben mit Typ-1-Diabetes ein schwieriger war, hat sie ihren Weg gemacht und dabei alle Tiefs und Hochs gemeistert. Sie hat eine Tochter und arbeitet heute als Erzieherin – mit ein Anstoß für ihr neues Buch.
Schwieriger Start mit Diabetes: Tiefs und Hochs im Wechsel | Foto: privat

8 Minuten

Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes – Lesley‑Ann berichtet über ihre Erfahrungen
Im Diabetes-Anker-Podcast berichtet Lesley‑Ann, wie sie ihre Schwangerschaft und den Start ins Elternsein mit Typ-1-Diabetes erlebt hat. Zwischen Therapie-Herausforderungen, einer Frühgeburt und emotionaler Belastung fand sie ihren Weg und macht anderen Betroffenen Mut.
Diabetes-Anker-Podcast – Höhen & Tiefen: Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes – Lesley‑Ann berichtet über ihre Erfahrungen | Foto: privat

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%