Druck von außen – was Vorurteile und Kommentare auslösen können

3 Minuten

Community-Beitrag
Druck von außen – was Vorurteile und Kommentare auslösen können

Diabetes? Du siehst gar nicht so aus!“ Schon als 10-Jährige machten solche Kommentare einiges mit mir. In meinem kindlichen Kopf verfestigte sich der ungeheure Wunsch, gegen diese Vorurteile anzugehen und erst recht nicht auszusehen, wie sich viele Menschen Diabetiker vorstellen.

So fing ich schon im Kindesalter an, Sport zu treiben und auf meine Ernährung zu achten. Ich wollte diesem blöden Satz „Du siehst gar nicht aus wie jemand, der Diabetes hat“ nicht nur verbal entgegentreten, sondern mein ganzes Erscheinungsbild sollte direkt zeigen, wie Menschen mit Diabetes aussehen können und vor allem: was sie alles können! Nämlich alles, was jeder andere Mensch auch kann.

Quelle: Lisa Schütte

Heute glaube ich, auch das war einer der vielen Faktoren, die mich am Ende auf den Weg einer Essstörung brachten. Dieser starke, innere Wunsch, allen Vorurteilen zu widersprechen. Allein durch mein Äußeres. Ich hatte all diese Kommentare so satt. Ich wollte nicht länger erklären oder gar diskutieren. Ich wollte nur zeigen, wie so ein Leben mit Diabetes aussehen kann.

Das ist nun bald 22 Jahre her und manchmal habe ich auch heute noch das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Zwar hat sich in den letzten Jahren einiges getan, doch noch immer sehen sich Menschen mit Diabetes immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. Fast einhergehend mit blöden Kommentaren oder noch besser: Halbwahrheiten verpackt in liebgemeinten Ratschlägen. Sorry, aber ich kotze.

Welches Wissen kann man erwarten?

Dabei kann man den meisten gar keine Vorwürfe machen. Diabetes wird zwar gerne als Volkskrankheit betitelt und immer kennt jemand irgendjemanden, der jemanden mit Diabetes kennt, aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. Diabetes ist nicht gleich Diabetes. Aber sich wirklich mit Diabetes zu beschäftigen, das tut man meistens nur, wenn man selbst oder Angehörige betroffen sind. Ich möchte niemandem Vorwürfe machen, weil er nicht über das Diabeteswissen verfügt wie ich. Hätte ich keinen Diabetes, wer weiß, was ich darüber wüsste?

Doch genau da sollten wir vielleicht einhaken: Nur weil man hier oder da mal etwas über Diabetes gelesen, die Nachbarskatze Diabetes oder der Onkel zweiten Grades Probleme mit seinen Füßen hat – natürlich wegen Diabetes –, heißt das nicht, dass man Ratschläge verteilen kann. Auch wenn es lieb gemeint ist.

Quelle: Lisa Schütte

Das kommt, in der Regel, bei Menschen mit Diabetes nicht sonderlich gut an. Und gerade bei Menschen mit weniger Selbstbewusstsein oder eben bei Kindern wie mir können solche Kommentare noch ganz andere Dinge auslösen. Vielleicht fühlt man sich in eine Schublade gesteckt. Oder man fühlt sich weniger gesehen, auf den Diabetes reduziert. Vielleicht fühlen sich Sätzen wie „Du hast wohl zu viel Süßes gegessen“ eher an wie: „Du bist doch selbst schuld am Diabetes.“ Und plötzlich hat man den Drang, sich selbst zu erklären, vor einer Person, die man im besten Falle das erste Mal sieht.

Übergriffige Kommentare

Ich selbst empfinde zum Beispiel die Frage „Wie sind denn deine Blutzuckerwerte?“ durchaus als übergriffig. Ausgenommen, sie findet in einem passenden Kontext, wie zum Beispiel beim Diabetologen, statt. Meine Glukosewerte sind schon eine sehr private Sache und ich fühle mich dabei direkt wie vor einem Prüfungsausschuss. Sage ich, dass meine Blutzuckerwerte gerade nicht sonderlich gut sind, könnte der Unwissende denken, es sei meine Schuld, vielleicht sogar mein Versagen, und dann muss ich wiederum erklären, warum sie gerade schlecht sind.

Nein, Moment mal! Ich muss gar nichts. Dennoch fühlt es sich eben manchmal so an, als müsste ich auf all die Vorurteile und Kommentare reagieren. Nicht nur für mich, für alle Menschen mit Diabetes. Um Vorurteilen und gefährlichem Halbwissen den Kampf anzusagen. Damit sich niemand mehr davon belästigt, belächelt, diskriminiert oder unter Druck gesetzt fühlt.

Denn im Leben mit Diabetes macht man sich selbst oft schon genug Druck. Man selbst hat mit Sicherheit die größten Ansprüche an sich und das Leben mit Diabetes. Da brauchen wir keine unüberlegten Kommentare, die unsere Gefühlswelt zusätzlich auf den Kopf stellen.


Weitere Gedanken von Lisa zu dem Thema findet ihr in dieser Podcastfolge: Erwartungen an das Leben mit Diabetes (Podcast)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

24. Diabetes-Lauf am 14. Mai 2026: Drei Millionen Schritte, um ein gemeinsames Zeichen zu setzen
Der Diabeteslauf 2026 setzt auf ein neues Konzept: Statt Geschwindigkeit zählen die gemeinsam erreichten Schritte – drei Millionen sollen es werden. Die DDG lädt alle Interessierten zum Mitmachen ein, ob laufend oder walkend. Start ist am 14. Mai rund um den CityCube Berlin im Rahmen des diesjährigen Diabetes Kongresses.
24. Diabetes-Lauf am 14. Mai 2026: Drei Millionen Schritte, um ein gemeinsames Zeichen zu setzen | Foto: DDG

2 Minuten

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 2: Die Haut richtig pflegen und schützen
Die Haut schützt uns u.a. vor Keimen, Schmutz, Kälte und Hitze. Damit diese Schutz-Funktion erhalten bleibt, ist das regelmäßige und richtige Pflegen beim Tragen von Diabetes-Technologie besonders wichtig. Worauf es beim Schützen der Haut ankommt, erfahren Sie im zweiten Teil der Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“.
Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 2: Die Haut richtig pflegen und schützen | Foto: fotoduets – stock.adobe.com

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • ckmmueller postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • stephanie-bagehorn postete ein Update vor 2 Wochen

    Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

Verbände