- Aktuelles
Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit
2 Minuten
Ein Drittel der Menschen möchte nichts über mögliche Krankheiten wissen – selbst wenn sie betroffen sein könnten. Auch unter Menschen mit Diabetes, für die ein bewusster Umgang mit der chronischen Erkrankung enorm wichtig ist, vermeidet fast ein Viertel solche Informationen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts zeigt, warum viele medizinische Informationen zur eigenen Gesundheit lieber verdrängt werden.
Viele Krankheiten lassen sich besser behandeln, wenn sie früh erkannt werden. Dennoch nehmen zu wenige Menschen Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen wahr. Woran liegt das? Eine aktuelle Übersichtsarbeit des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung liefert eine überraschende Erklärung: Rund ein Drittel der Menschen will mögliche schlechte Nachrichten über die eigene Gesundheit lieber gar nicht erfahren.
„Eine Möglichkeit ist, dass Menschen sich ganz bewusst zu gewolltem Nichtwissen entscheiden. Das ist ein Phänomen, das wir bereits aus anderen Lebenskontexten kennen und das ganz vielfältige Gründe haben kann“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Realität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Mitautor der Studie.
Meta-Analyse von 92 Studien mit rund 565.000 Teilnehmenden aus 25 Ländern
Die Untersuchung, erschienen im Fachjournal Annals of Behavioral Medicine, wertet 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmenden aus 25 Ländern aus. Erfasst wurden unter anderem Alzheimer, Huntington, HIV/Aids, Krebs und Diabetes. Als Informationsvermeidung definierten die Forschenden „jede Form von Verhalten, die darauf abzielt, die Beschaffung verfügbarer, aber potenziell unerwünschter Informationen zu verhindern oder zu verzögern“. Dazu zählt etwa, Arztbesuche hinauszuschieben, Tests nicht wahrzunehmen oder Aufklärungsmaterialien zu ignorieren.
Das Ergebnis: Fast ein Drittel der Befragten meidet medizinische Informationen – oder würde sie wahrscheinlich meiden. Besonders ausgeprägt war dies bei unheilbaren neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer (41 Prozent) und Huntington (40 Prozent). Bei behandelbaren schweren Krankheiten wie HIV (32 Prozent) oder Krebs (29 Prozent) sank die Quote, war aber immer noch hoch. Am geringsten, mit 24 Prozent, zeigte sich das Vermeidungsverhalten bei Diabetes, wobei gerade das Management der chronischen Stoffwechsel-Erkrankung und das notwendige Wissen darüber von großer Bedeutung ist, um Folge-Erkrankungen zu vermeiden.
Warum Menschen Informationen zur eigenen Gesundheit ausblenden
Warum blenden Menschen solche Informationen aus? Die Forschenden identifizierten 16 Faktoren, die dieses Verhalten begünstigen. Besonders stark wirkten kognitive Überforderung, ein geringes Gefühl der Selbstwirksamkeit, die Angst vor Stigmatisierung – etwa bei HIV – und vor allem mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem. Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit spielten dagegen keine Rolle.
Ob und wie sehr dieses Verhalten den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflusst, konnten die Forschenden nicht klären. Auch Vergleiche zwischen einzelnen Ländern zogen sie nicht.
Was sich daraus für die Gesundheitspolitik ableiten lässt
Trotzdem ergeben sich wichtige Hinweise für die Gesundheitspolitik: Informationsvermeidung ist kein Randphänomen – und auch nicht zwingend irrational. Vielmehr hängt sie eng mit gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen zusammen. „Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein Rückgang des Vertrauens mit einem Anstieg der Informationsvermeidung einhergeht“, erklärt Konstantin Offer, Erstautor der Studie und Doktorand am Max-Planck-Institut.
„Die Steigerung des Vertrauens in das medizinische System könnte daher zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit medizinischen Informationen führen.” Die Gründe für Informationsvermeidung, die die Studie herausarbeitet, bieten damit wertvolle Ansatzpunkte für politische Maßnahmen.
von Gregor Hess
mit Materialien des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB)
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Begleit-Erkrankungen
Welt-Adipositas-Tag 2026: Warum Prävention und Therapie gemeinsam gedacht werden müssen
2 Minuten
- Leben mit Diabetes
Caroline Spindler im Interview: Aufklären gegen Vorurteile über Typ-2-Diabetes
14 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Tag, 18 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 6 Tagen, 16 Stunden
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
