Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit

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Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit | Foto: Vulp – stock.adobe.com
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Ein Drittel der Menschen meidet Informationen zur eigenen Gesundheit

Ein Drittel der Menschen möchte nichts über mögliche Krankheiten wissen – selbst wenn sie betroffen sein könnten. Auch unter Menschen mit Diabetes, für die ein bewusster Umgang mit der chronischen Erkrankung enorm wichtig ist, vermeidet fast ein Viertel solche Informationen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts zeigt, warum viele medizinische Informationen zur eigenen Gesundheit lieber verdrängt werden.

Viele Krankheiten lassen sich besser behandeln, wenn sie früh erkannt werden. Dennoch nehmen zu wenige Menschen Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen wahr. Woran liegt das? Eine aktuelle Übersichtsarbeit des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung liefert eine überraschende Erklärung: Rund ein Drittel der Menschen will mögliche schlechte Nachrichten über die eigene Gesundheit lieber gar nicht erfahren.

„Eine Möglichkeit ist, dass Menschen sich ganz bewusst zu gewolltem Nichtwissen entscheiden. Das ist ein Phänomen, das wir bereits aus anderen Lebenskontexten kennen und das ganz vielfältige Gründe haben kann“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Realität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Mitautor der Studie.

Meta-Analyse von 92 Studien mit rund 565.000 Teilnehmenden aus 25 Ländern

Die Untersuchung, erschienen im Fachjournal Annals of Behavioral Medicine, wertet 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmenden aus 25 Ländern aus. Erfasst wurden unter anderem Alzheimer, Huntington, HIV/Aids, Krebs und Diabetes. Als Informationsvermeidung definierten die Forschenden „jede Form von Verhalten, die darauf abzielt, die Beschaffung verfügbarer, aber potenziell unerwünschter Informationen zu verhindern oder zu verzögern“. Dazu zählt etwa, Arztbesuche hinauszuschieben, Tests nicht wahrzunehmen oder Aufklärungsmaterialien zu ignorieren.

Das Ergebnis: Fast ein Drittel der Befragten meidet medizinische Informationen – oder würde sie wahrscheinlich meiden. Besonders ausgeprägt war dies bei unheilbaren neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer (41 Prozent) und Huntington (40 Prozent). Bei behandelbaren schweren Krankheiten wie HIV (32 Prozent) oder Krebs (29 Prozent) sank die Quote, war aber immer noch hoch. Am geringsten, mit 24 Prozent, zeigte sich das Vermeidungsverhalten bei Diabetes, wobei gerade das Management der chronischen Stoffwechsel-Erkrankung und das notwendige Wissen darüber von großer Bedeutung ist, um Folge-Erkrankungen zu vermeiden.

Warum Menschen Informationen zur eigenen Gesundheit ausblenden

Warum blenden Menschen solche Informationen aus? Die Forschenden identifizierten 16 Faktoren, die dieses Verhalten begünstigen. Besonders stark wirkten kognitive Überforderung, ein geringes Gefühl der Selbstwirksamkeit, die Angst vor Stigmatisierung – etwa bei HIV – und vor allem mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem. Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit spielten dagegen keine Rolle.

Ob und wie sehr dieses Verhalten den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflusst, konnten die Forschenden nicht klären. Auch Vergleiche zwischen einzelnen Ländern zogen sie nicht.

Was sich daraus für die Gesundheitspolitik ableiten lässt

Trotzdem ergeben sich wichtige Hinweise für die Gesundheitspolitik: Informationsvermeidung ist kein Randphänomen – und auch nicht zwingend irrational. Vielmehr hängt sie eng mit gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen zusammen. „Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein Rückgang des Vertrauens mit einem Anstieg der Informationsvermeidung einhergeht“, erklärt Konstantin Offer, Erstautor der Studie und Doktorand am Max-Planck-Institut.

„Die Steigerung des Vertrauens in das medizinische System könnte daher zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit medizinischen Informationen führen.” Die Gründe für Informationsvermeidung, die die Studie herausarbeitet, bieten damit wertvolle Ansatzpunkte für politische Maßnahmen.


von Gregor Hess

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mit Materialien des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB)

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  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 11 Stunden

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 2 Wochen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

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