Einen Applaus wert: Achtsamkeit

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Einen Applaus wert: Achtsamkeit

Tja, es ist mal wieder vier Uhr morgens und der Hammer der Erkenntnis hat zugeschlagen. Wer kann schon von sich behaupten, mit solch einer Erkenntnis aufzuwachen und in den Tag zu starten?!

Jetzt fragt sich nur, was ich mit dieser Erkenntnis anfange.

Meine Tagesthemen der letzten Wochen: Die Blutzuckerwerte der letzten Zeit sind immer wieder auf Höhenflug unterwegs. (Da kann Lufthansa noch so viele Flüge streichen.) Von Landungen oft stundenlang keine Sicht. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Auch heute wieder. Wie kann das sein? Tja – denke ich mir.

Zeichnung von Annika: Ich muss heute nichts!
Quelle: Annika Nowotny

Da war wohl jemand richtig unzuverlässig. Nutzt die Zeit nicht, die gerade an Unmengen da ist. Ich könnte einen Basalratentest machen, geregelte Malzeiten zu mir nehmen und nicht ständig überall ein bisschen was essen. Überhaupt: mein ESSEN BERECHNEN! Geregelt Sport machen – zu gleichen Zeiten, das soll doch meinem Körper guttun. Ach ja, und endlich weniger Kaffee, wenn er mir schon nicht guttut, oder zumindest mehr Ruhe, wenn ich zu gestresst bin… Ich kann die Liste weiterführen, ich glaube aber, das muss ich gar nicht.

Ich fragte mich: WARUM?! Ich strenge mich doch an.

Spreche ich da von mir?! Kann ich da von mir sprechen? Ich war doch immer… Oder doch? Wenn ich eines nicht mag, dann sind es REGELN. Ich habe sie schon immer gehasst und niemals befolgt. Und wenn ich etwas noch weniger mag, dann sind es Konsequenzen. Vor allem aus meinem eigenen Handeln.

Um 4 Uhr morgens wache ich dann auf und bin enttäuscht von mir selbst. So richtig. Denn ja, DAS BIN ICH. Es ist MEIN Messgerät, dass nach 5 Stunden und drei Korrekturen immer noch 189 mg/dl (10,5 mmol/l) anzeigt. Und ich bin daran schuld. Niemand sonst. Ich hätte vielleicht einfach mein Essen berechnen können und nicht grob schätzen. Und dann noch ein Stück Schokolade – nein, zwei oder drei?!… Ich habe mir was gespritzt. Nur, wie viel war es noch gleich? Oh man… seit wann bin ich so?! So durcheinander und chaotisch? So wenig da für mich selbst?

Wenn ich auf mich selbst Acht gebe, wird niemand dastehen, mir applaudieren und es feiern. Das ist mein Job.

Ich bin ein Perfektionist. In mir drin. Ein im eigenen Chaos lebender. Ich will alles richtig machen, für alle anderen gut genug sein. Ich will Applaus, ganz viel. Lob und Anerkennung. Vielleicht bin ich auch ein unersättlicher „Anerkennungs-Süchtiger“. Es gibt kaum Tage, an denen ich heimkomme und sage: „Jawohl – genügend gemacht – alle waren glücklich, alles war super. Und ich bin der Grund für all das Glück! Jetzt reicht das für heute.“ Wie soll ich mir selbst gerecht werden und auf mich Acht geben, wenn ich es noch nicht einmal bei anderen kann? Nicht einfach einmal sage: „War gut. Passt.“ Auch wenn es vielleicht nicht in meinem perfektionistischen Denken genau das war. Einfach GUT.

Ich bin nicht nur Anerkennungs-süchtig, ich habe noch eine viel größere Schwäche. „Eigene Betriebsblindheit“. Ich bin so sehr damit beschäftigt, die Welt da draußen perfekt zu machen, dass ich mein Haus und meinen Betrieb vergesse. Mein Betrieb ist mein Körper. Meine Gedanken, mein Diabetes, mein Umgang mit mir selbst oder auch meine eigene Fürsorge.

Wenn ich nun beide Seiten ansehe, macht es mich traurig. Denn siehst du, wie verdreht das alles ist?! An erster Stelle sollte da ICH stehen. Der Mittel- oder Schwerpunkt eines jeden ist sein Kern. Nicht die Hülle.

Selfie von Annika: Selbstliebe
Quelle: Annika Nowotny

Regeln sind keine Strafe. Disziplin und Ordnung sind keine Schimpfwörter. Ich möchte sie in etwas Schönes verwandeln. Disziplin zum Beispiel. Wie wäre es mit Selbstfürsorge, Klarheit und Sicherheit?

Eigene Regeln sind sichere Wege, auf denen ich bedenkenlos gehen kann. Fürsorge ist ein liebevolles Achtgeben und irgendwie auch ein bisschen Liebe – nur von mir selbst. Klarheit bedeutet Zuversicht und ein guter Ausblick von meinem Standpunkt aus. Das klingt gleich ganz anders und mein Kopf entspannt sich.

Und was bedeutet das für meinen Diabetes?!

Wenn ich auf mich Acht gebe und fürsorglich mit mir umgehe, dann kommt vielleicht kein Applaus, aber eine tiefe innere Zufriedenheit. Und wenn ich die Regeln als etwas Gutes sehe, dann sind sie gar nicht mehr so schlimm. Eher wie kleine Aufgaben, die mich zu meinem eigenen Glück bringen.

5 Uhr morgens.

Es wird also Zeit, einen Masterplan zu finden

  1. Heute mich auf Platz Nummer eins setzen,
  2. einfach langsam rantasten (mein Essen mal wieder auf die Waage stellen, mir schon vorher im Bett überlegen, wonach mir heute zum Frühstücken ist, und mich darüber freuen),
  3. es dann auch UMSETZEN 😊, berechnen und GENIESSEN,
  4. mich satt essen und dann den Tag starten,
  5. Geduld haben mit mir,
  6. mindestens drei Mal innehalten und sagen: „Schau mal, wie gut du das gerade alles gemeistert hast!“
  7. …und morgen: nochmal bei eins anfangen.

Auch Huda kennt diese Diabetes-Gedanken, die morgens um 4 Uhr auftauchen: DIAlog 6 – die Quarantäne

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  • moira postete ein Update vor 6 Tagen, 23 Stunden

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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