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Ganz dünnes Eis – darf ich über Menschen und deren Diabetes lachen?
3 Minuten

Schwieriges Thema. Aus dem Bauch heraus würde ich „Nein“ antworten, da eine Krankheit, egal ob Diabetes oder etwas anderes, so schon eine Last ist. Die Frage stellt sich hier, ob Humor in dem Fall verschlimmert oder verbessert. Beides? Meiner Meinung nach alles eine Frage der Perspektive und der Person. Jeder Mensch ist anders und jeder geht mit den Päckchen, die er tragen muss, anders um. Was für einen witzig ist, ist für den anderen eine tägliche Last, die ihn dauernd beschäftigt. Hier ist Feingefühl gefragt.
Live-Beispiel aus meinem Leben:
Ich liebe Humor über alles! Eine Eigenschaft, die ich extrem wichtig finde, um mit einer Person gut klarzukommen. Aber Humor und Diabetes? Da Diabetes in meinem Leben nie groß thematisiert wird, gab es auch keinen Platz für Witze über die Krankheit. Sie war einfach da, unauffällig und sollte keine unnötige Aufmerksamkeit bekommen. Dann kam der Tag der Tage und der erste meiner Freunde hat darüber einen Witz gerissen. Wie soll ich damit umgehen? Ich war in dem Moment ziemlich verunsichert und habe mitgelacht. Im Nachhinein hat mich das Thema aber noch sehr lange beschäftigt. Darf er das? Woher nimmt er sich das Recht dazu? Will ich sowas überhaupt?
Über mich als Person zu lachen, gehört für mich zum Alltag. Ich nehme nichts wirklich ernst und deshalb dachte sich der Kollege wahrscheinlich auch nichts Böses bei seinem Witz. Im Nachhinein hat mich der Witz aber doch sehr verletzt und ich würde so eine Art Humor nächstes Mal nicht tolerieren. Ich lass dich mal entscheiden, wie du reagieren würdest: Sommer-Tag, wir laufen zum Rewe, um Snacks und Essen für unser Grillevent zu besorgen. Der Weg war doch etwas länger als geplant und schwupp! befindet sich die Michelle in einem mittelschweren Unterzucker (um die 40 mg/dl bzw. 2,2 mmol/l, also vielleicht doch eher schwer!).
Humor gerne – aber im richtigen Moment
Verantwortungsbewusst, wie ich bin, hatte ich natürlich für den 5-Minuten-Walk rein gar nichts dabei und musste kreativ werden. Was hat SEHR viele Kohlenhydrate und kriege ich so schnell runter, dass mich nicht tausend Leute dabei anschauen? Sirup! Vielleicht nicht die schlauste Wahl, aber bei so einem Wert war die Hirnleistung wahrscheinlich auch nicht mehr in Bestform. Auf zum Sirup-Regal und erstmal die halbe Flasche auf ex! Was für mich eine Mischung aus vielen unguten Gefühlen war (Überlebensinstinkt, Angst, Scham, Schweißausbrüche, alles doppelt sehen etc.), sah von außen wohl ziemlich lustig aus. Kann ich verstehen, wenn ich es so runter schreibe, klingt es schon auch funny. Was ich nicht verstehen kann: In dem Moment ging es mir wirklich schlecht. Ich habe mich komplett hilflos gefühlt und trotzdem keine Hilfe, sondern Gelächter bekommen.
Bin ich daran auch teilweise selbst schuld? Ja! Wer nicht offen kommuniziert, was in ihm/ihr vorgeht, kann nicht von anderen erwarten, dass sie es einfach wissen. ABER: Wenn ich aus Überlebensnot eine Flasche Sirup mitten im Laden trinke, es nicht mal mehr zur Kasse schaffe, sondern die Flasche direkt beim Regal aufmache, dann könnte man ja vielleicht erahnen, dass irgendwas gerade nicht stimmt.
Was dem einen hilft oder ihn zumindest nicht stört, kann bei dem anderen tiefe Spuren hinterlassen
So viel dazu. Im Nachhinein darüber lachen finde ich persönlich gar kein Ding, aber in einer Notsituation erwarte ich zumindest von engen Freunden, dass sie für mich da sind. Aber auch hier ist das meine Meinung. Es gibt mit Sicherheit Menschen, die da toleranter sind, und auch Menschen, die gar nicht möchten, dass man sich über sie oder die Krankheit lustig macht. Was dem einen hilft oder ihn zumindest nicht stört, kann bei dem anderen tiefe Spuren hinterlassen oder den Heilungsprozess von offenen Wunden verlangsamen. Daher ist es umso wichtiger, feinfühlig zu sein. Achte darauf, wie der Mensch mit seiner Krankheit umgeht, und taste dich vorsichtig ran. Solltest du eine Grenze überschreiten, wirst du das schnell mitbekommen und solltest dich dementsprechend entschuldigen. Und falls dir das Rantasten zu doof ist, dann vermeide bei der Person am besten jeglichen Humor zu der Krankheit. Respektiere deren Einstellung, auch wenn du es anders siehst. Genauso erwarte ich Toleranz von den Betroffenen mit Diabetes. Niemand ist perfekt und, falls sich jemand einen Schnitzer erlaubt, sollte man nicht gleich den größten Aufstand machen, sondern der Person in Ruhe erklären, wie sich das Gesagte für dich angefühlt hat. Verständnis füreinander, für ein besseres Miteinander.
Auch Laura hat sich mit dem Thema Diabetes und Humor beschäftigt. Zu Lauras Gedanken zum Diabetes-Humor geht es hier.
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bloodychaos postete ein Update vor 6 Tagen, 6 Stunden
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri

Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGM
Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.