Psychosoziale Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen

2 Minuten

© marjan4782 - AdobeStock
Psychosoziale Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen

Sowohl die Regeln zur Reduzierung der räumlichen Nähe zu anderen Personen als auch die Quarantänemaßnahmen im engeren Sinne sind mit einer sozialen Isolierung verbunden. Menschen sind soziale Wesen, für die die Gemeinschaft mit anderen ein fundamentales menschliches Bedürfnis ist – wichtig für Wohlbefinden, Gesundheit und sogar Überleben. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben federführend zusammen mit dem Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 ein Kurzdossier (Policy Brief) zu den psychosozialen Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen veröffentlicht. Darin werten sie vorliegende Studien aus und bieten Lösungsansätze.

Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen und Abstandhalten – Ziel dieser Maßnahmen ist, das Infektionsgeschehen zu verlangsamen. Doch gleichzeitig gefährden diese Beschränkungen die psychische Gesundheit von Menschen. Ganz besonders trifft es Alleinlebende und das sind in Deutschland rund 27 Prozent der Haushalte.

Um die Folgen der Maßnahmen abzuschätzen und Lösungsansätze zu entwickeln, haben sich Wissenschaftler aus über 25 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Verbänden zum Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 zusammengeschlossen. Darin bündeln sie ihre Fachkenntnis sowie evidenzbasierte Informationen für Behörden, Institutionen und politische Entscheidungsträger.

In dem nun veröffentlichten Policy Brief haben sie Erkenntnisse über psychosoziale Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen bei früheren Coronavirus-Ausbrüchen zusammenzutragen, um auf dieser Basis Handlungsmöglichkeiten zur Minimierung psychosozialer Folgen aufzuzeigen.

Studien zu Isolations- und Quarantänemaßnahmen bei SARS- und MERS-CoV-Ausbrüchen ausgewertet

„Wissenschaftliche Studien belegen konsistent negative psychosoziale Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen bei den SARS- und lokalen MERS-CoV-Ausbrüchen, darunter Depressivität, Ängstlichkeit, Wut, Stresserleben, Schlafstörungen, Sorgen, Einsamkeit und Stigmatisierungserfahrungen. Diese erhöhten psychosozialen Belastungen treten während der Isolations- und Quarantänemaßnahmen auf, können aber auch noch Monate und gar Jahre nachwirken“, konstatiert Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig.

Bekannte Risikogruppen sind Menschen mit psychischen Vorerkrankungen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Verstärker der Symptombelastungen waren eine längere Dauer der Quarantäne, Einkommenseinbußen und Einschränkungen in der Versorgung mit Alltagsgütern wie Lebensmittel und Haushaltswaren. Mildernd wirkten sich dagegen klare Informationen und soziale Unterstützung aus.

Dr. Susanne Röhr, Wissenschaftlerin am ISAP, betont: „Nach der Literatursichtung bleiben noch viele Forschungsfragen offen. Dringender Forschungsbedarf besteht zu den psychosozialen Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen für ältere und hochbetagte Menschen.“

Wissenschaftler empfehlen drei Ansätze zur Minimierung psychosozialer Folgen

Strukturierte Public-Health-Ansätze im Sinne eines umfassenden psychosozialen Krisenmanagements für die Allgemeinbevölkerung existierten bisher nicht. Die Wissenschaftler schlagen nun Maßnahmen zur Minimierung der psychosozialen Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen vor.

„Aus Sicht von Public Health geht es darum, einen konsequenten Infektionsschutz umzusetzen und gleichzeitig die Auswirkungen der Pandemie und getroffener Präventionsmaßnahmen im Blick zu behalten, deshalb sollte der Schutz der psychischen Gesundheit integraler Bestandteil im COVID-19 Krisenmanagement sein“, fordert Riedel-Heller. Um psychosoziale Folgen zu minimieren, benennen die Forscher drei komplementäre Lösungsansätze:

  • Zum einen sei eine umfassende Information und Aufklärung zu den möglichen Folgen notwendig. Die Bevölkerung wird dabei sensibilisiert und kann mögliche Beschwerden einordnen.
  • Als zweiten Ansatz führen die Wissenschaftler die Prävention und Gesundheitsförderung in der Allgemeinbevölkerung an. So ließe sich etwa die Resilienz stärken durch Tagesstrukturierung, Bewegungserhalt und gesunde Ernährung.
  • Der dritte Lösungsansatz bezieht sich auf psychotherapeutische Interventionen, vor allem bei besonders gefährdeten Gruppen und Personen mit psychischen Vorerkrankungen.

Besonders E-Health und telemedizinische Ansätze können unter diesen besonderen Umständen Betroffenen helfen. Diese und weitere Aspekte thematisiert der Policy Brief, der sich an Entscheidungsträger, Medienvertreter, Wissenschaftler und Tätige im Bereich der Prävention, der psychischen Gesundheit und psychosozialen Arbeit richtet.


Quelle: Pressemitteilung der Universität Leipzig

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Rezept für Zitronen-Marmelade
Frisch, fruchtig und zuckerreduziert: Dieses Rezept für selbst gemachte Zitronen-Marmelade mit Gelier-Zucker 3:1 enthält pro Esslöffel nur 6 g Kohlenhydrate – eine aromatische Alternative für Menschen mit Diabetes zum Frühstück oder als Brotaufstrich.
Rezept für Zitronen-Marmelade | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten
Ob Früherkennung von Netzhautschäden, Unterstützung bei der Insulindosierung oder Vorhersage von Unterzuckerungen: Künstliche Intelligenz spielt in der Diabetes-Behandlung eine zunehmend wichtige Rolle.
Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten | Foto: sirichai – stock.adobe.com

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße