Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten

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Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten | Foto: sirichai – stock.adobe.com
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Künstliche Intelligenz in der Diabetes-Behandlung: Was Algorithmen heute schon leisten

Ob Früherkennung von Netzhautschäden, Unterstützung bei der Insulindosierung oder Vorhersage von Unterzuckerungen: Künstliche Intelligenz spielt in der Diabetes-Behandlung eine zunehmend wichtige Rolle. Das Institut für KI in der Medizin (IKIM) an der Universitätsmedizin Essen erforscht, wie Algorithmen aus großen Datenmengen lernen und die Behandlung präziser machen können. In einem Fachbeitrag für die Zeitschrift Diabetes-Forum hat das IKIM Anwendungsfelder für KI-Modelle in der Diabetologie vorgestellt. Hier sind die wichtigsten Fakten für Menschen mit Diabetes aus diesem Artikel.

Künstliche Intelligenz, kurz KI, bezeichnet Computersysteme, die Aufgaben lösen, für die normalerweise menschliches Denken nötig ist: Lernen, Muster erkennen und daraus Schlussfolgerungen ziehen. Die meisten KI-Systeme in der Medizin funktionieren, indem sie mit großen Mengen an Beispieldaten trainiert werden. Dazu zählen z.B. Röntgenbilder, Laborwerte oder Glukoseverläufe. Aus diesen Daten lernt das System, Muster zu erkennen und darauf basierend Vorhersagen oder Empfehlungen zu treffen.

Eine Besonderheit vieler moderner KI-Systeme ist, dass sich ihre Entscheidungswege oft nur schwer nachvollziehen lassen. Fachleute sprechen dann von einer „Black Box”. Aus diesem Grund wird intensiv daran gearbeitet, KI-Entscheidungen transparenter zu machen. Etwa damit Ärztinnen und Ärzte nachvollziehen können, warum ein System eine bestimmte Empfehlung ausspricht.

Anwendungsfelder in der Diabetologie

In der Diabetes-Behandlung fallen durch kontinuierliche Glukosemessung (CGM), Insulinpumpen und andere Diabetes-Technologien große Mengen an Daten an. Diese von Hand auszuwerten, ist kaum möglich. KI kann hier ansetzen und Muster erkennen, die sonst verborgen blieben.

Ein bereits zugelassenes Beispiel ist ein KI-System zur automatisierten Erkennung der diabetischen Retinopathie. Dabei handelt es sich um eine Netzhautschädigung, die durch einen Diabetes entstehen kann. Das System wertet Fotos des Augenhintergrunds aus und kann Anzeichen einer beginnenden Schädigung erkennen; teils bevor sie mit bloßem Auge sichtbar sind.

Auch bei anderen Folge-Erkrankungen des Diabetes wie Nierenschäden (Nephropathie) oder Nervenschäden (Neuropathie) wird untersucht, ob KI-gestützte Auswertungen von Bildern und Messwerten eine frühere Diagnose ermöglichen.

In der Therapie unterstützt KI zunehmend bei der Einschätzung von Kohlenhydratmengen in Mahlzeiten sowie bei Vorschlägen zur Anpassung von Insulindosen. Besonders im Zusammenspiel mit Systemen zur automatisierten Insulinabgabe (AID-Systemen) zeigt sich bereits ein Nutzen. Studien berichten von einer verbesserten Blutzuckereinstellung bei Menschen, die solche Systeme nutzen.

Vorhersage von Unterzuckerungen

Ein weiteres Einsatzfeld betrifft Wearables, also am Körper getragene Geräte und Sensoren. Sie können unter Einsatz von KI Unterzuckerungen vorhersagen, bevor sie eintreten, und damit möglicherweise akute Notfälle verhindern. Ein Beispiel aus der aktuellen Forschung ist ein Modell namens GluFormer, das mit Daten aus mehr als zehn Millionen Glukosemessungen trainiert wurde. Es soll Muster im Blutzuckerverlauf erkennen, die auf ein erhöhtes Risiko für Diabetes-Folgeerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Ereignisse hinweisen, und dabei teils genauer sein als der klassische Langzeitblutzuckerwert HbA1c.

Offene Fragen und Grenzen

Trotz dieser Fortschritte bestehen Herausforderungen. Weil KI-Entscheidungen oft schwer nachvollziehbar sind, wird diskutiert, wie viel Vertrauen ihnen entgegengebracht werden sollte und wer im Fehlerfall verantwortlich ist. Zudem können KI-Systeme nur so gut sein wie die Daten, mit denen sie trainiert wurden. Sind diese Daten unausgewogen, etwa wenn bestimmte Personengruppen darin unterrepräsentiert sind, kann das die Ergebnisse verzerren. So wurden bereits geschlechtsspezifische Unterschiede in der Genauigkeit mancher Algorithmen beobachtet.

Auch rechtliche und organisatorische Fragen spielen eine Rolle, etwa welche Vorschriften für KI-basierte Medizinprodukte gelten und wie Gesundheitsdaten sicher und einheitlich gespeichert werden können, damit sie überhaupt für die Entwicklung solcher Systeme nutzbar sind.

Fazit

Künstliche Intelligenz bietet in der Diabetologie Ansatzpunkte für eine genauere Diagnostik, individuellere Therapie-Anpassung und frühzeitigere Erkennung von Risiken. Bis diese Möglichkeiten flächendeckend in der Versorgung ankommen, sind allerdings noch technische, rechtliche und ethische Fragen zu klären. Forschungseinrichtungen wie das Institut für KI in der Medizin (IKIM) in Essen arbeiten daran, gemeinsam mit Kliniken, Industrie und Politik, die dafür nötigen Grundlagen zu schaffen.


von Gregor Hess

Gregor Hess ist Medizin-Redakteur und Chef vom Dienst der Website des Diabetes-Ankers. Er ist darüber hinaus verantwortlicher Redakteur für das Portal diabetologie-online.de und arbeite zudem mit an der diabetes zeitung, dem Diabetes-Anker-Magazin sowie weiteren digitalen MedTriX-Projekten.

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  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂