- Soziales und Recht
Diabetes: Rechtliche Tipps für den Job
4 Minuten
Auch wenn der Diabetes zwischenzeitlich nur noch selten ein Hindernis bei der Berufswahl ist, gibt es am Arbeitsplatz dennoch einiges zu beachten. Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie unnötige Probleme verhindern können.
Habe ich das Recht auf Sonderpausen?
Eine häufig gestellte Frage ist, ob man seinen Diabetes auch während der Arbeitszeit managen darf oder ob man das in der Pause machen muss. Hier gilt: Der Arbeitgeber darf die Blutzucker-Messung bzw. Insulin-Injektion nicht generell verbieten; allerdings muss er dafür in der Regel keine zusätzlichen Pausen gewähren. Wahrscheinlich wird aber kaum ein Arbeitgeber etwas dagegen haben, dass Sie durch das Messen des Blutzuckers auch Ihre Arbeitsfähigkeit sicherstellen und aufrechterhalten. Wie das Spritzen von Insulin ist dies in wenigen Sekunden erledigt und dürfte den Arbeitsfluss kaum beeinträchtigen.
Messen am Arbeitsplatz?
Ein Koch mit Diabetes, der nicht akzeptiert, dass er seinen Blutzucker nicht neben offenen Lebensmitteln in der Küche messen darf, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch eine Kassiererin im Supermarkt muss respektieren, wenn der Arbeitgeber ausdrücklich untersagt, dass sie an der Kasse vor allen Leuten den Blutzucker misst. Umgekehrt muss der Arbeitgeber aber natürlich das Messen des Blutzuckers ermöglichen und hierfür auch die erforderlichen Pausen erlauben.
Sollten sich Kollegen durch den Anblick von Blut oder einer Kanüle belästigt fühlen und lässt sich hier keine Lösung im Gespräch finden, sollten Sie Rücksicht nehmen und die Diabetes-Maßnahmen diskret vornehmen oder sich hierzu eben etwas zurückziehen. Bislang gibt es dazu meines Wissens aber noch kein Gerichtsurteil, was allerdings auch daran liegen mag, dass dies in der Praxis grundsätzlich wohl gar kein „richtiges“ Problem darstellt: Im schlimmsten Fall können hierzu ja auch Toiletten- oder Rauchpausen genutzt werden.
Soll ich meine Kollegen informieren?
Aus Angst vor Nachteilen verhalten sich manche Diabetiker oft über Jahre hinweg möglichst „unauffällig“, verbergen Blutzucker-Messungen bzw. verschweigen die Erkrankung bei betriebsärztlichen Untersuchungen. Dies geht so weit, dass die Krankheit sogar dann hartnäckig geleugnet wird, wenn längst alle schon darüber Bescheid wissen … Das böse Erwachen kommt dann, wenn eine Unterzuckerung eintritt und keiner der Kollegen auf die Situation vorbereitet ist. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Erkrankung nicht komplett verheimlichen – zumindest nicht vor den engsten Kollegen. Informieren Sie diese sachlich über die Krankheit und die Notwendigkeit, zu spritzen, zu messen und ggf. bei einer Unterzuckerung zu essen. Denn die Kollegen müssen im Ernstfall mit der Situation umgehen können. Erläutern Sie daher ausführlich Ihre Symptome einer beginnenden oder eingetretenen Unterzuckerung und erklären Sie den Kollegen, was in einer solchen Situation zu tun ist.
Verzichten Sie dabei aber auf dramatische Schilderungen – denn Sie tun sich selbst keinen Gefallen, wenn Sie den Kollegen Angst machen! Probleme am Arbeitsplatz entstehen oft durch unausgesprochene Konflikte, die sich dann hochschaukeln – bis zu Mobbing und einem sehr unguten Klima im Betrieb.
Auch wenn man bestimmte Tätigkeiten nicht mehr machen kann und Kollegen diese dann übernehmen müssen, sollte man kein böses Blut entstehen lassen. Denn man sieht Ihnen den Diabetes ja nicht an – wer nichts äußerlich Erkennbares hat, aber als Schwerbehinderter keine Überstunden machen muss, gilt im Kollegenkreis recht schnell als „Drückeberger“.
Selbstverständlich sollten Sie auch alles tun, um eine Hilfe im Notfall durch Kollegen gar nicht erst erforderlich zu machen. Am Arbeitsplatz sollten daher unbedingt ausreichend Kohlenhydrate, ausreichend Traubenzucker sowie ggf. ein Glukagon-Notfallset griffbereit sein; ein Hinweisblatt mit Erläuterungen für den Notfall ist ebenfalls empfehlenswert.
Und den Arbeitgeber informieren?
In manchen Fällen sollte auch der Arbeitgeber über die Krankheit informiert werden, insbesondere, wenn es Probleme bei der Arbeitszeit-Gestaltung oder den Mahlzeiten gibt. Aber das sollte nur der Ausnahmefall sein oder, wenn damit zu rechnen ist, dass dieser es ohnehin mitbekommt. Soweit möglich, sollten Sie aber unbedingt die ersten sechs Monate bzw. die Probezeit abwarten.
Kantinen-Zwang zulässig?
In manchen Betrieben ist geregelt, dass die Arbeitnehmer an der Gemeinschafts-Verpflegung in der Kantine teilzunehmen haben. Auch wenn dort Mahlzeiten „diabetikergerecht“ angeboten werden – also mit Angabe der Kohlenhydrate und Inhaltsstoffe –, kann man Sie nicht zwingen, in der Kantine zu essen.
- Gehen Sie „normal“ mit Ihrem Diabetes um Auch Diabetiker sind grundsätzlich so leistungsfähig wie gesunde Menschen – Sie sollten daher durch Ihr Verhalten am Arbeitsplatz kein anderes Bild abgeben: Gehen Sie sachlich mit der Krankheit um, und vermeiden Sie übertriebene Schilderungen von Unterzuckerungs-Situationen. Zeigen Sie, dass Vorurteile oder Vorbehalte gegenüber Diabetikern meistens unzutreffend sind.
- Nehmen Sie keine Vorrechte in Anspruch, die Ihnen nicht zustehen Ursachen für Probleme am Arbeitsplatz sind oft über längere Zeit aufgebaute Aggressionen und Neidgefühle. Fatal ist es, sich unter Hinweis auf die Diabetes-Erkrankung vor unangenehmen Arbeiten, Überstunden oder Terminen zu „drücken“. Selbst wenn Sie am Anfang noch auf Verständnis und Toleranz stoßen mögen – nach einiger Zeit wandelt sich das oft in Neid und Missgunst und führt nicht selten zur schleichenden Ausgrenzung.
- Nehmen Sie Rücksicht auf Kollegen Diabetiker dürfen von der Umwelt die erforderliche Rücksichtnahme und Toleranz erwarten. Dies gilt allerdings auch umgekehrt: Wenn jemand anders im Team beispielsweise kein Blut sehen kann, gebietet es einfach die Höflichkeit, die Messung entweder diskret oder zumindest nicht vor den Augen dieser Person durchzuführen. Gebrauchte Messstreifen, Kanülen oder Spritzen sollten ebenfalls umgehend entsorgt werden und nicht offen am Arbeitsplatz herumliegen. Auch sollte man davon absehen, zu provozieren oder die Krankheit in übertriebener Form zur Schau zu stellen.
- Nicht an die „große Glocke“ hängen Am Arbeitsplatz sollte Ihre Tätigkeit und nicht Ihre Erkrankung im Vordergrund stehen. Vermeiden Sie daher, überall und jedem von Ihrem Diabetes zu erzählen. Denken Sie auch immer daran: Wenn Arbeitgeber und Kollegen mit Ihrer Person zuerst den Diabetes verbinden und sich erst in zweiter Linie an Ihre Leistung(en) erinnern, läuft etwas verkehrt.
- Wirken Sie Vorurteilen rechtzeitig entgegen Manche Aufgaben lassen sich möglicherweise mit den vorhandenen Arbeitsmitteln und innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erledigen, ohne dass dies mit Ihrem Diabetes zu tun hat. Mitunter werden Sie auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, die nicht in Zusammenhang mit Ihrer Diabetes-Erkrankung stehen. Nennen Sie dann das „Kind beim Namen“ – es sollte in diesen Fällen nicht das Gerücht kursieren, dass Ihr Diabetes hieran „schuld“ sei. Wehren Sie sich auch, wenn man Ihnen unter falscher Rücksichtnahme auf Ihren Diabetes manche Aufgaben nicht zutraut oder Sie deshalb von bestimmten Tätigkeiten fernhält.

Oliver Ebert
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (6) Seite 48-49
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diahexe postete ein Update vor 2 Tagen, 4 Stunden
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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ckmmueller postete ein Update vor 5 Tagen, 15 Stunden
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 2 Tagen, 4 Stunden
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
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