Oliver Ebert im Interview: Das Thema Diabetes und Recht „bleibt immer spannend!“

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Oliver Ebert im Interview: Das Thema Diabetes und Recht „bleibt immer spannend!“

Oliver Ebert ist Rechtsanwalt und ausgewiesener Experte im Thema Diabetes und Recht. Sicherlich kennen Sie alle seine Beiträge in der entsprechenden Rubrik im Diabetes-Journal. Im Interview wollten wir von ihm wissen, wie es überhaupt zu seinem Engagement in diesem Bereich gekommen ist.

Im Interview: Oliver Ebert

Oliver Ebert ist Fachanwalt für IT-Recht, Datenschutzbeauftragter und -auditor und Hochschullehrbeauftragter für Datenschutz- und Internetrecht. Zudem ist er Geschäftsführer der mediaspects GmbH sowie Fachjournalist für Medizin, Datenschutz & Patientenrechte. Seit vielen Jahren befasst er sich mit dem Thema Diabetes und unterstützt Patienten, Angehörige und Ärzte in juristischen Belangen. Er war langjähriger Vorsitzender des DDG-Ausschusses Soziales und ist Co-Koordinator/Mitautor der europaweit ersten S2e-Leitlinie: „Diabetes & Straßenverkehr“

Mehr auf seiner Website: www.diabetes-und-recht.de

Oliver Ebert (Foto: privat)

Diabetes-Anker (DA): Sie sind in der Diabetes-Szene bekannt dafür, sich mit Diabetes und Recht sehr gut auszukennen. Wie kam es dazu, sich darauf zu spezialisieren?

Oliver Ebert: Im Jahr 1992 habe ich ziemlich überraschend die Diagnose Diabetes Typ 1 erhalten. Parallel zu meinem eigentlichen Jura-Studium habe ich dann – zunächst für mich – eine Tagebuchsoftware (“DIABASS”) entwickelt, da mein Arzt mit meinen handschriftlichen Aufzeichnungen nicht zufrieden war. 1994 habe ich dann das Diabetes-Forum (diabetes-forum.de) im Internet gegründet, was noch heute eine der reichweitenstärksten Plattformen zum Thema Diabetes im deutschsprachigen Internet ist.

So wurde ich in der “Diabetes-Szene” schnell ein wenig bekannt. In diesem Zusammenhang wurde ich gefragt, ob ich nicht einmal einen Artikel zum Thema Diabetes und Recht für das Diabetes-Journal schreiben wolle. Und daraus wurde dann schnell eine feste Rubrik. Aufgrund zahlreicher Anfragen und auch im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten für Betroffene und Verbände habe ich mich dann immer mehr in das Thema hineingearbeitet.

DA: Wie groß ist das Themen-Spektrum in diesem Bereich?

Ebert: Die Bandbreite ist sehr groß und deckt quasi das gesamte Leben ab. Rechtliche Fragen in Zusammenhang mit dem Diabetes gibt es beispielsweise zu Kindergarten und Schule, im Arbeitsleben oder wenn es um Führerschein und Rente geht. Auch mit Versicherungen oder der Krankenkasse gibt es häufig viele Probleme. Selbst in Scheidungsverfahren oder Unterhaltsstreitigkeiten kann der Diabetes eine Rolle spielen. Da jeder Fall anders ist, bleibt es immer spannend.

DA: Wegen welcher Themen wenden sich Menschen vor allem an Sie?

Ebert: Die am häufigsten angefragten Themen sind die “Klassiker”: Führerschein, Schwerbehindertenausweis, das Durchsetzen von Insulinpumpe und rtCGM oder einer Begleitperson für Kita und Schule.

DA: Wie viele Menschen haben sich geschätzt schon mit einem Problem aus dem Bereich Diabetes und Recht an Sie gewandt – und wie konnten Sie helfen?

Ebert: Ich denke, dass es zwischenzeitlich schon knapp zehntausend Anfragen gewesen sein dürften. In den allermeisten Fällen konnte ich ehrenamtlich bzw. durch entsprechende Tipps und Beratung weiterhelfen, vielmals durfte ich aber auch bei der gerichtlichen Durchsetzung unterstützen.

DA: Was hat sich im Lauf der Jahre bzw. Jahrzehnte verändert im Bereich Diabetes und Recht?

Ebert: Die Vorschriften werden immer komplexer, und der Staat muss zunehmend sparen. Dies merkt man beispielsweise daran, dass Leistungen von Ämtern oder Krankenkassen immer öfter einfach abgelehnt werden, obwohl diese den Betroffenen zustehen. Offensichtlich wird darauf spekuliert, dass sich viele Menschen nicht wehren (können).

Zudem gibt es nur relativ wenige Anwälte, die sich für das Thema Diabetes und Recht interessieren bzw. sich damit auskennen. Dies liegt daran, dass solche Mandate nicht sehr lukrativ sind: Solche Fälle sind fast immer mit sehr viel Arbeit verbunden. Trotzdem kann der Anwalt dafür nur recht geringe Gebührensätze abrechnen.

DA: Welche neuen rechtlichen Aspekte bringt die Digitalisierung?

Ebert: Für Menschen, die aufgrund des Alters oder des Gesundheitszustands stark eingeschränkt sind, kann die Digitalisierung erhebliche Hürden bringen. Nicht jeder ist körperlich in der Lage, ein Smartphone zu bedienen oder komplizierte Apps und Vorgänge zu verstehen. Dies kann zu Ausgrenzung und sozialen bzw. rechtlichen Nachteilen führen.

Viele Betroffene machen sich auch kaum Gedanken darüber, dass die leichtfertige Preisgabe ihrer Gesundheitsdaten böse Konsequenzen haben kann. Bereits jetzt erleiden viele Menschen allein schon durch die Zusammenführung scheinbar harmloser Daten wie Geschlecht, Alter oder Postleitzahl erhebliche Nachteile, beispielsweise bei der Kreditvergabe oder Versicherungstarifen. Ich halte es durchaus für realistisch, dass Krankenkassen anhand der immer umfänglicher vorliegenden Daten künftig genauer prüfen bzw. überwachen werden, ob Patienten sich “vernünftig” bzw. therapiegerecht verhalten.

Angesichts der rasanten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz werden Entscheidungen von Behörden und Gerichten auch immer mehr automatisiert ergehen. Dies wird einige Vorteile bringen, beispielsweise dürften manche Streitigkeiten deutlich schneller abgeschlossen werden können als bislang. Umgekehrt sehe ich aber auch erhebliche Risiken und Nachteile, wenn die menschliche Komponente womöglich nur noch eine untergeordnete Rolle spielt oder gar ganz wegfällt.

DA: Vielen Dank für das Gespräch!


Interview: Dr. med. Katrin Kraatz

Avatar von katrin-kraatz

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 72 (4) Seite 10-11

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  • zojou96 postete ein Update vor 1 Tag

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • darktear postete ein Update vor 1 Tag, 15 Stunden

    Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute