- Soziales und Recht
Kritik am Bundes-Klinik-Atlas: Ein Atlas ins Nirgendwo
3 Minuten
Der Bundes-Klinik-Atlas hat einen Schnell-, aber keinen Traumstart hingelegt. Während Landespolitiker angesichts von Informations-Fehlern wie früher Peter Lustig „Abschalten!“ forderten, ist die Kritik aus der Diabetologie differenzierter – aber ebenso vehement.
Seit dem 17. Mai ist er online zugänglich, der Bundes-Klinik-Atlas. Die Gesetzesgrundlage dieses Verzeichnisses, das Krankenhaustransparenzgesetz, trat am 28. März 2024 in Kraft. Die Umsetzung des Klinik-Registers war also durchaus sportlich. Aber sie erfüllte immerhin fast die Ende Februar öffentlichkeitswirksam von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geäußerte Ankündigung, der Start des Portals sei weiterhin für den 1. Mai geplant. Damals hatte das Gesetz mit einer Einigung im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat die letzte inhaltliche Hürde genommen. Zuvor ist es im November letzten Jahres vom Bundesrat ausgebremst worden.
Der Bundes-Klinik-Atlas soll Bürgerinnen und Bürgern mehr Transparenz über Versorgungs-Angebote und eine direkte Vergleichbarkeit von Krankenhäusern bieten. Der gleichen Idee hat sich zum Beispiel auch das Deutsche Krankenhaus Verzeichnis der Deutschen Krankenhausgesellschaft verschrieben. Es besteht schon seit 2002, wie die Website wahrscheinlich nicht zufällig direkt in ihrem Logo betont.
Um die versprochene Transparenz zu erreichen, bildet der Bundes-Klinik-Atlas zum Start folgende Daten ab:
- Krankenhäuser mit Standorten (Karte),
- Bettenzahl,
- Status „Sicherstellungshaus“ für flächendeckende Versorgung,
- teilstationäre Behandlungsplätze,
- Fallzahlen insgesamt, je Fachabteilung und je Behandlung,
- Pflegekräfte für den Standort und Pflegepersonal-Quotienten,
- Mindestmengen,
- Notfallstufen,
- ausgewählte Zertifikate.
Gesundheitspolitiker: „Stellen Sie den Klinik-Atlas offline!“
Die erste Resonanz auf den Atlas lässt sich vorsichtig mit „schnell ist nicht gut“ zusammenfassen. Landespolitiker, beim Thema Klinik-Landschaft zugegeben stets sehr empfindlich aus Sorge um die eigenen Krankenhäuser, übten deutliche Kritik. So forderte der Gesundheitsminister Niedersachsens Andreas Philippi, immerhin wie Lauterbach von der SPD, Anfang Juni kurz und knapp: „Stellen Sie den Klinik-Atlas offline!“ Seinen Appell formulierte er gemeinsam mit der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Der Bundes-Klinik-Atlas sei aus politischen Gründen vor der Krankenhausreform „überstürzt umgesetzt worden“ und strotze vor Fehlern. Philippis Vorschlag ist vernichtend: Während die Krankenhausreform weiterverhandelt werde, könne das Portal „in Ruhe neu und seriös aufgesetzt werden“, sodass es dann „vernünftig betrieben werden“ könne.
Dass die erste Version des Bundes-Klinik-Atlas noch einer Baustelle gleicht, steht verklausuliert auch auf der Internetseite selbst: Er werde kontinuierlich weiterentwickelt und aktualisiert. Geplant seien in diesem Jahr noch zwei weitere Updates. Diese sollen unter anderem Qualitätsdaten zu den Komplikationsraten von Eingriffen sowie die Zuordnung der Krankenhäuser in Level und Leistungsgruppen ergänzen sollen. Ein erstes Update habe der Atlas bereits erhalten, vermeldet die Website, es habe Hinweise aus der Praxis aufgegriffen. Gleichzeitig mahnt der Atlas nach dem Schwarzer-Peter-Prinzip: Das System könne nur die Daten ausweisen, die von den Krankenhäusern gemeldet würden. Die Website wurde unter Verantwortung des Bundesministeriums für Gesundheit in enger Kooperation mit dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) und dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) erstellt.
Kritik am Bundes-Klinik-Atlas: DDG sieht Diabetes unterrepräsentiert
Dass auch mit den zur Verfügung stehenden Daten eine deutlich bessere Orientierung für die Patienten möglich wäre, ist Kernpunkt der Kritik der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am Bundes-Atlas. „Das Portal ist durch seinen unfertigen Charakter wenig aussagekräftig“, so die Fachgesellschaft Ende Mai, die Volkskrankheit Diabetes sei darin kaum abgebildet. „In Deutschland gibt es allein rund 350 stationäre Einrichtungen mit einer DDG Zertifizierung für Diabetes Typ 1 und Typ 2 und für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms“, erklärte Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Vorsitzender des DDG-Ausschusses „Qualitätssicherung, Schulung und Weiterbildung“.
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Doch diese Zertifizierung findet sich nicht im Bundes-Atlas. Laut BMG sei die Aufnahme nicht vor 2025 geplant, obwohl die DDG nach eigenen Angaben seitens Vertretern der Ampel-Koalition bereits Zusicherung erhalten hat, die DDG-Zertifikate in das Register einzuflechten. „Zertifikate sind der Grundstein für Patientensicherheit und Transparenz. Es ist unverständlich, warum diese wichtige Information nur kleckerweise ins Portal fließt. Bis es soweit ist, können Menschen mit Diabetes mellitus – insbesondere diejenigen mit Folge und Begleiterkrankungen – im Klinik-Atlas keine für sie passenden Behandlungseinrichtung finden. Das konterkariert die Ansprüche, die Professor Lauterbach an sein neues Register stellt“, kritisierte Müller-Wieland.
DDG besteht auf „rasche Nachbesserungen“ beim Bundes-Klinik-Atlas
Auf der Website des Klinik-Atlas wird der Wert von Zertifikaten ebenfalls betont, auch einen erklärenden Hinweis findet man dort. Das Krankenhaustransparenzgesetz sehe vor, dass das IQTIG bestimmt, welche Zertifikate für eine Veröffentlichung im Bundes-Klinik-Atlas geeignet sind. Für diese Auswahl entwickelt das Institut eine Methodik, die auf einer Beauftragung im Sozialgesetzbuch beruht. Und das dauert, übergangsweise bildet der Atlas daher nur sieben ausgewählte Zertifikate ab. Zum Beispiel die für „Stroke Units“ der Deutschen Schlaganfallgesellschaft. „Wir bestehen darauf, dass das BMG rasche Nachbesserungen macht, die die Versorgungslandschaft realistisch abbildet und den Betroffenen die tatsächlichen Expertisen der Kliniken aufzeigt“, forderte DDG-Präsident Prof. Dr. Andreas Fritsche.
Marcus Sefrin
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 2 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 6 Tagen, 9 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 6 Tagen, 8 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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