Lässt das Gesundheitsministerium die DMPs einfach sterben?

2 Minuten

© C. Schüßler - AdobeStock
Lässt das Gesundheitsministerium die DMPs einfach sterben?

Sie verbessern nachweislich die Versorgungsqualität: die Disease-­Management-Programme (DMPs). Sicher profitieren auch viele von Ihnen von den strukturierten Behandlungsprogrammen, was etwa Schulung oder Gesundheits-Checks betrifft. Ein neuer Gesetzentwurf bringt die Finanzierung der DMPs jetzt in Gefahr.

Es heißt „Faire-Kassenwahl-Gesetz“, und soll – wie der Name schon sagt – den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen fairer gestalten. „Patienten sollen freien Zugang zu allen Krankenkassen erhalten. Und sie sollen sich sicher sein können, dass ihre Krankenkasse genug Geld für ihre Behandlung bekommt“, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. An einem Punkt werten diabetesDE und die Diabetiker Allianz (DA) den vorliegenden Gesetzentwurf alles andere als gerecht.

„Mit großer Beunruhigung haben wir den neuen Entwurf zur Kenntnis genommen“, schreiben die beiden Diabetes-Organisationen in einem gemeinsamen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der im April an das Ministerium ging. „Sie wollen hier – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt – die DMP-Programmpauschalen streichen“, so die Befürchtung.

Wie kann das sein? DMPs schützen vor Herzinfarkt und mehr!

Diese Entscheidung sei „vollkommen unverständlich“, schreiben Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE, und Dr. Klaus Warz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Dia­betes Föderation, stellvertretend für die Dia­betiker Allianz, in dem Brief.

Mit den DMPs für ­Typ-1- und Typ-2-Diabetes können die Patienten regelmäßige Arzttermine wahrnehmen und damit ihre chronische Erkrankung durch eine frühe Intervention und Therapieanpassung viel besser managen – vor allem, was die gefährlichen Folgekomplikationen des Diabetes betrifft. So ließ sich etwa auch ein Rückgang patientenrelevanter Ergebnisse, wie das Auftreten diabetischer Folgekomplikationen, neuer Herzinfarkte oder Schlaganfälle, bei Patienten feststellen, die in neuerer Zeit eingeschrieben wurden.

„Wir wollten uns hier frühzeitig einbringen, um unsere Sorge hinsichtlich einer Streichung der DMP-Pauschalen einzubringen, auch wenn Details noch nicht veröffentlicht sind“, erklärt Kröger auf Anfrage des Diabetes-Journals.

Interview-Anfrage an Gesundheitsminister Spahn – abgelehnt

Die Streichung der DMP-Programmpauschalen komme „einem langsamen Sterben der DMP Diabetes gleich“, denn sie mache die Programme für die behandelnden Ärzte „maximal unattraktiv“, kritisieren diabetesDE und DA.

Für eine Interview-Anfrage unserer Redaktion bei Jens Spahn zu der geplanten Pauschalenkürzung gab es vom Bundesgesundheitsministerum eine Absage – mit dem Hinweis, dass sich das „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ derzeit noch im Anhörungsverfahren befinde.

Diese Antwort entspreche auch der von G-BA-Chef Prof. Josef Hecken – der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) habe den Brief in Kopie erhalten, so Kröger. „Aus unserer Sicht ist das ein gutes Zeichen, denn so besteht noch die Möglichkeit, am Gesetzentwurf in unserem Sinne nachzubessern“, zeigt er sich optimistisch.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!


von Angela Monecke
Redaktionsbüro Angela Monecke,
Kopenhagener Str. 74, 10437 Berlin,
E-Mail: angelamonecke@aol.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 50-51

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Renale Denervierung gegen Bluthochdruck: Sergius Weg zurück zu einem normalen Leben
Drei Jahre lang war Sergius Leben von extremem Bluthochdruck geprägt – eine Krankheit, die still und heimtückisch ihr Unwesen treibt. Ohne offensichtliche Symptome begann sein Körper, Alarm zu schlagen, als es fast zu spät war. Medikamente halfen kaum, sein Alltag wurde zur Tortur. Doch dann kam die Wende: Die renale Denervierung veränderte alles.
Renale Denervierung gegen Bluthochdruck: Sergius Weg zurück zu einem normalen Leben | Foto: Recor Medical

3 Minuten

Anzeige
Alkohol und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes: Gut vorbereitet durch den Abend
Alkohol gehört für viele Jugendliche zu Feiern oder Festivals dazu. Für Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ist Alkohol nicht grundsätzlich verboten, stellt aber eine besondere Herausforderung für die Stoffwechsel-Einstellung dar. Die Auswirkungen auf den Blutzucker werden häufig unterschätzt, da sie oft zeitverzögert auftreten.
Alkohol und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes: Gut vorbereitet durch den Abend | Foto: NDABCREATIVITY – stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • othenbuehler postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände