Nachgefragt | Recht: Wie finde ich kompetente juristische Unterstützung in Sachen Diabetes?

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Nachgefragt | Recht: Wie finde ich kompetente juristische Unterstützung in Sachen Diabetes? | Foto: Gina Sanders – stock.adobe.com
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Nachgefragt | Recht: Wie finde ich kompetente juristische Unterstützung in Sachen Diabetes?

Wie bei allen chronischen Krankheiten kann man auch mit Diabetes plötzlich in Situationen kommen, in denen man kompetente juristische Hilfe und Unterstützung braucht. Zwar gibt es im Internet viele rechtliche Informationen, doch nicht immer sind diese verlässlich. Und wenn man einen Anwalt konsultiert, kennt dieser sich oft nicht wirklich mit den Besonderheiten des Diabetes aus.

er Diabetes hat, muss nicht nur die gesundheitlichen Herausforderungen der Krankheit bewältigen, sondern stößt auch in rechtlichen Belangen oft auf Schwierigkeiten. So haben Eltern häufig das Problem, eine notwendige Begleitperson in Kindergarten und Schule für ihr Kind mit Diabetes oder Leistungen der Pflegeversicherung bzw. den angemessenen Pflegegrad durchzusetzen.

Juristischen Klärungsbedarf kann es auch im Arbeits­leben geben, etwa wenn es zu Diskriminierung oder Kündigung aufgrund des Diabetes kommt. Auch der Erhalt oder das Behalten des Führerscheins ist häufig Thema. Und wenn es zu einem Unfall mit Diabetes kommt, wird eine kompetente Strafverteidigung benötigt. Streit gibt es oft auch um den Schwerbehindertenausweis oder mit gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, die Kosten für Hilfsmittel nicht übernehmen wollen.

Anwälte mit Diabetes-Kenntnissen

  1. Rechtliche Informationen im Internet zum Thema Diabetes sind mit Vorsicht zu genießen. Nicht selten sind diese unvollständig, veraltet oder komplett falsch.
  2. Im Zweifel ist das Einschalten eines Anwalts ratsam. Dieser sollte sich aber nicht nur in ­seinem juristischen Fachgebiet, sondern auch mit den Besonderheiten des Diabetes auskennen.
  3. Adressen entsprechend kompetenter Anwälte findet man im Internet oder kann man in der Arztpraxis, bei Betroffenen-­Verbänden oder Selbsthilfegruppen erfragen.

Erster Blick nicht immer ausreichend

In all diesen Fällen stellt sich sehr schnell die Frage, wo und wie man als Betroffener kompetente juristische Unterstützung erhalten kann. Das Internet – oder auch zunehmend künstliche Intelligenz (KI) – bietet zwar viele rechtliche Informationen, die auf den ersten Blick überzeugen, tatsächlich jedoch nicht immer verlässlich sind.

So sind Internet-Seiten oft nicht auf dem aktuellen Stand und ursprünglich richtige Informationen zwischenzeitlich falsch geworden, weil sich die Rechtslage geändert hat. Selbst auf an sich seriösen Seiten von Organisationen, der Industrie oder selbst von Anwälten sind nicht selten Inhalte zum Thema Diabetes und Recht zu finden, die zwar plausibel klingen, tatsächlich aber zwischenzeitlich veraltet oder auch komplett falsch sind. Juristische Laien können solche Fehler in der Regel nicht erkennen.

Auch auf juristische Tipps vom Arzt oder Diabetes-Team kann man sich nicht immer verlassen, obwohl diese gut gemeint sind und man den Patienten nur helfen will. Daher passiert es immer wieder, dass Menschen mit Diabetes aufgrund unrichtiger bzw. unvollständiger Informationen zu juristischen Fragen erhebliche Rechtsnachteile erleiden. Dies führt dann beispielsweise zu vermeidbaren Kosten oder Verurteilungen bzw. unnötig langen Verfahrensdauern.

Die mit dem Diabetes verbundenen Rechtsprobleme sind sehr speziell. Allein juristische Fachkompetenz im jeweiligen Rechtsgebiet reicht daher selten aus, um jemanden optimal anwaltlich vertreten zu können. Ein Anwalt sollte sich auch mit den medizinischen Besonderheiten des Diabetes, den Möglichkeiten der modernen Diabetes-Therapie und Hilfsmittel sowie den entsprechenden ärztlichen Leitlinien auskennen.

Einen Anwalt mit ­Diabetes-Kenntnissen finden

Es ist gar nicht so einfach, einen Anwalt zu finden, der nicht nur im benötigten Rechtsgebiet kompetent ist, sondern sich dazu mit Diabetes und den zugehörigen rechtlichen Fragestellungen auskennt. Deutschlandweit dürfte es nur wenige Anwälte geben, die sich auf das Gebiet „Diabetes und Recht“ spezialisiert haben. Dies liegt u. a. daran, dass solche Mandate zwar oft sehr arbeitsaufwendig sind, der Anwalt dafür aber meist nur geringe Gebühren abrechnen kann. Dazu sollte der Anwalt auch über fortgeschrittene medizinische Kenntnisse zum Diabetes verfügen, denn ansonsten wird er fachliche Aussagen von Ärzten oder Sachverständigen möglicherweise nicht verstehen bzw. dort enthaltene Schwachstellen bzw. Fehler nicht aufdecken können.

Wie geht man nun am besten vor? Keine gute Idee ist es, einfach den nächstbesten Anwalt vor Ort aufzusuchen. Auch den Empfehlungen von Rechtsschutz-Versicherungen sollte man nicht unbedingt vertrauen, denn gern werden dort vor allem solche Anwälte empfohlen, die zu für die Versicherung günstigen Konditionen arbeiten.

Häufig kann aber bereits eine gezielte Recherche im Internet weiterhelfen. Hierzu sollte man die Suche möglichst präzise eingrenzen, um nicht zu viele und irrelevante Treffer zu erhalten. Auch Arzt und Diabetes-Team können mitunter Tipps geben, mit welchen Anwaltskanzleien andere Patienten schon gute Erfahrungen gemacht haben. Ebenfalls gute Anlaufstellen für die Suche sind Verbände bzw. Betroffenen-Organisationen, Selbsthilfegruppen oder Internet-Foren für Menschen mit Diabetes.

So erkennt man ausreichende Kenntnisse

In Zeiten von Google und KI ist nicht immer einfach zu erkennen, ob ein Anwalt sich wirklich mit dem Thema auskennt. Bei Zweifeln sollte man im Erstgespräch daher einfach nachfragen, welchen Bezug der Anwalt zum Diabetes hat bzw. über welche Erfahrungen er verfügt. Auch kann man bestimmte Fachbegriffe oder Abkürzungen wie HbA1c (Blutzucker-Langzeitwert), CGM (kontinuierliches Glukose-Messen), „Hypo“ (umgangssprachlich für Unterzuckerung) oder ICT (intensivierte Insulintherapie) in das Gespräch einwerfen und schauen, ob der Anwalt damit etwas anfangen kann.

Skeptisch machen sollte, wenn man nicht nach aktuellen Aufzeichnungen zu Blutzucker- bzw. Glukosewerten und Insulingaben bzw. der Stoffwechsel-­Dokumentation gefragt wird, denn diese Informationen sind in den meisten Fällen unabdingbar. Manchmal sind auch einfache Dinge entlarvend: Wenn der Anwalt „die Diabetes“ sagt, spricht dies eher nicht dafür, dass er sich mit dem Thema wirklich auskennt.


von Oliver Ebert

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1/2) Seite 48-49

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Stunde, 22 Minuten

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Tag

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

  • cina_polada postete ein Update vor 5 Tagen, 2 Stunden

    Hi, ich bin Julija und komme aus Frankfurt. Vor ein paar Wochen wurde bei mir Diabetes Typ 2 mit gerade mal 33 Jahren diagnostiziert.. Kämpfe im Moment noch sehr mit der Diagnose und würde mich über etwas Austausch sehr freuen 🙂

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