Statt Stigma und Tabu: „Blickwinkel Diabetes“

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© Kjell Scheunemann
Statt Stigma und Tabu: „Blickwinkel Diabetes“

„Blickwinkel Diabetes“ ist ein neues Projekt für junge Menschen mit Typ-1-Diabetes. Wir sprachen mit Initiatorin Lea Raak aus Kiel. Für das Diabetes-Journal berichtete Lea mehrfach über ihre Zeit als ­internationale Jugendbotschafterin des Weltdiabetesverbandes IDF.

Projekt „Blickwinkel Diabetes“
Das Projekt Blickwinkel Diabetes – Interessenvertretung und Anlaufstelle für junge Erwachsene mit Diabetes – von Lea Raak ist zu finden unter www.blickwinkel-diabetes.de, Instagram: @blickwinkel.diabetes und zu erreichen unter E-Mail:  blickwinkel.diabetes@gmail.com

Diabetes-Journal (DJ): Blickwinkel Diabetes soll Themen und Interessen der 18- bis 35-jährigen Menschen mit Typ-1-Diabetes benennen. Fehlt das bisher?
Lea Raak:
Es gibt einige Organisationen, Regionalverbände und Interessenvertretungen, die sich für Menschen mit Diabetes einsetzen, jedoch nicht speziell für Typ 1 bzw. andere seltene Typen. Es gibt meiner Meinung nach in Deutschland schöne Angebote und hervorragende Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern, z. B. die Diabetes-Kids oder auch das Camp D. Aber was kommt danach? Interessen von jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes werden vor allem online durch die sozialen Netzwerke vertreten, aber eine spezifische Lobby gibt es bisher nicht, das möchte ich ändern.

DJ: Wie ist der Blickwinkel in Deinen Augen denn derzeit, aus dem die Öffentlichkeit auf den Diabetes schaut?
Raak:
Ein Großteil der Menschen in Deutschland wird schon einmal von Dia­be­tes gehört haben, dies aber häufig in einem falschen, stigmatisierenden Kontext. Medien zeichnen häufig ein Bild, in dem es akzeptiert zu sein scheint, über eine Erkrankung Witze zu machen oder Menschen mit Diabetes für ihre Erkrankung verantwortlich zu machen und zu verurteilen. Leider habe ich auch schon erlebt, dass stigmatisierende Aussagen seitens Gesundheitsdienstleistender, z. B. von Diabetolog*innen oder Pharmareferent*innen getätigt worden sind.

Mein Ziel ist es, den Blickwinkel der Gesellschaft, vor allem in den Medien und der Politik, dahingehend zu verändern, dass Diabetes als das erkannt wird, was es ist: eine Stoffwechselerkrankung, deren Diagnostizierte sich nicht in Stereotype oder Schubladen zwängen lassen. Blickwinkel Diabetes möchte vielfältige Lebensbilder von Menschen mit Diabetes porträtieren, denn am besten lernen lässt es sich über vielfältige Erfahrungen von Expert*innen in eigener Sache.

DJ: Und dies alles vor allem online?
Raak:
Blickwinkel Diabetes wird eine Plattform des Austauschs sein. Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir sofort mit Offline-Events starten, aber das bedarf einer gewissen Planung und ist aufgrund der Pandemie momentan nicht möglich. Mein langfristiges Ziel ist es, nicht nur digitale Veranstaltungen anzubieten, sondern die Community auch offline zusammenzubringen. Vorbilder sind da Veranstaltungen aus Kanada und den USA, bei denen Weiterbildung durch Workshops und gemeinsame Erfahrungen in der Natur verknüpft und viele Austauschmöglichkeiten geschaffen werden. Es gibt so viele tolle Menschen mit Typ-1-Diabetes aus der Zielgruppe, die ich gern mal persönlich kennenlernen möchte!

DJ: Wird also zu wenig über Probleme junger Menschen mit Diabetes geredet?
Raak:
Über Probleme und Schwierigkeiten kann meiner Meinung nach gar nicht genug kommuniziert werden. Ein guter Austausch lebt davon, dass verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten über ihre Erfahrungen berichten, denn nur so können wir unseren Horizont erweitern. Häufig sind die Themen, die junge Erwachsene beschäftigen, auch Themen, die gesellschaftlich eher stigmatisiert sind und als Tabu gehandelt werden: z. B. Sexualität oder der Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Es gehört viel Mut dazu, öffentlich über bestimmte private Dinge zu sprechen, und ich möchte mit Blickwinkel Diabetes eine sichere Austauschmöglichkeit und Anlaufstelle schaffen, die das Teilen von sensiblen Erfahrungen im Zusammenhang mit Diabetes ermöglicht.

DJ: Ist der Typ-2-Diabetes überhaupt nicht Euer Thema?
Raak:
Wir sind offen für jegliche Erfahrungen mit Diabetes und möchten ja gerade keine Menschen ausschließen oder spalten. Blickwinkel Diabetes ist jedoch zuallererst eine Plattform, auf der die Menschen, die mit Diabetes leben (ob selbst oder als Typ F) eine Interessengemeinschaft vorfinden, die insbesondere Leben und Erfahrungen seltenerer Typen repräsentiert, zu denen im Vergleich mit Typ 2 eben auch Typ 1 zählt. Ich freue mich aber immer über Erfahrungsberichte junger Menschen mit Typ-2-Dia­be­tes, auch von diesen hört und liest man zu wenig.

DJ: Welche Rolle spielt Deine eigene Diabetes-Erfahrung bei dem Projekt?
Raak:
Durch mein Engagement als Jugendbotschafterin für Diabetes und die Aufklärungsarbeit über meinen Blog ­Insulea konnte ich bereits in einem internationalen Umfeld arbeiten und ziehe daraus viele Inspirationen für diverse Austauschmöglichkeiten zwischen (jungen) Erwachsenen mit Diabetes. Dadurch, dass ich natürlich selbst Teil der Zielgruppe bin, kann ich Inhalte liefern und weiß schon jetzt von Wünschen bzw. Forderungen, die umgesetzt werden müssen. Gleichzeitig freue ich mich darauf, durch den Austausch neue Menschen und ihre Blickwinkel kennenzulernen und aus ihren Erfahrungen lernen zu dürfen.

DJ: Über welche konkreten Themen sollen Menschen endlich kommunizieren können?
Raak:
Themen sind vor allem Diabetes und psychische Erkrankungen, z. B. Depressionen, Angststörungen, Essstörungen sowie Diabetes und Sexualität. Ich möchte aber gern alle (Nischen-)Themen behandeln, über die nur unzureichend gesprochen wird. Es wird genügend Möglichkeiten geben, eigene Themen vorzuschlagen, um vielfältige Interessengebiete abdecken zu können.

DJ: Welche Formate finden wir und ab wann?
Raak:
Als Interessenvertretung wird es Online-Inhalte geben, auf der Website ist ein Blog, und der Instagram Account ist eine weitere Plattform, auf der verschiedene Menschen ihre Expertise einbringen können. Über Instagram werden Mitmach-Kampagnen laufen, die unsere unterschiedlichen Leben mit Diabetes für die Öffentlichkeit porträtieren und nach Wünschen bzw. Forderungen fragen, die wir als Interessenvertretung angehen können!

Es wird zunächst 1-mal im Quartal Online-Events geben, für die ein*e Redner*in eingeladen wird, um zusammen mit mir oder jemandem aus dem wachsenden Team über ein ausgewähltes Thema zu sprechen, z. B. Diabetes und Beziehungen. Später sollen kostenlose Online-Broschüren zu finden sein, die das Gesundheitspersonal, Typ-F-Diabetiker oder Neudiagnostizierte über die Nischenthemen informieren sollen. Besonders freue ich mich auf den Think Tank, eine Sammlung für soziale Ideen.

Blickwinkel wird die Strukturen generieren, um sich zu engagieren und zusammen in Teams Ideen für ein besseres Leben mit Dia­be­tes umzusetzen! So können sich Menschen für ihre Interessen einsetzen – und das in dem zeitlichen Umfang, den sie leisten können. Interessierte Menschen können den Blickwinkel-­Newsletter abonnieren.

DJ: Welches Thema ist für Dich das wichtigste, über das viel zu wenig gesprochen wird?
Raak:
Sehr wichtig ist für mich der Umgang mit Diabetes nach außen, vor allem durch das Gesundheitspersonal und leider auch durch viele Organisationen. Leben mit Diabetes wird meist durchweg positiv dargestellt: Mit Diabetes kann ich alles schaffen oder Mit der richtigen Technologie kann ich gut mit Diabetes leben. Meistens mag das auch stimmen, aber dieses Narrativ negiert für mich die zusätzliche Belastung bzw. die Aufgaben, die Menschen mit Diabetes alltäglich haben. Ich nenne das eine „toxische“ Positivität.

Nein, mit Diabetes kann ich nicht immer alles genau dann schaffen, wann ich es möchte. Ich darf mich auch schlecht fühlen, überfordert oder frustriert. Für mich gehören Höhen und Tiefen (nicht nur anhand der Blutzuckerwerte) zum Leben mit Diabetes. Ich würde mir wünschen, dass über all die Emotionen, die der Diabetes mit sich bringen kann, offen gesprochen wird!


Interview:

Günter Nuber
Chefredaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (6) Seite 10-11

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  • Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 20 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

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