Telemedizin: „1.000 Möglichkeiten“

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© Mike Fuchs
Telemedizin: „1.000 Möglichkeiten“

Gibt es eine spezielle Telemedizin für die Diabetologie? Diese Frage stand im Fokus eines Kamingesprächs, das Roche Diabetes Care im Vorfeld der DiaTec 2019 im Januar in Berlin veranstaltet hat. Die Diskussion über die Bedeutung der Diabetestechnologie für die moderne Diabetestherapie führten Hausärzte, Diabetologen, Gesundheitspolitiker und Industrievertreter.

Wie lassen sich die Chancen von Telemedizin und Digitalisierung für die Zukunft der Diabetesprävention und -therapie am besten nutzen? Die Antwort ist nicht leicht, die Forderung aller beteiligten Player – von den Ärzten über die Krankenkassen bis zu den Herstellern – dafür umso deutlicher: Der Gesetzgeber solle endlich verbindliche Voraussetzungen schaffen, was Datenaustausch und Datensicherheit, Datenformate und internationale Standards angeht. Das versucht er zurzeit:

So will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im ersten Halbjahr 2019 erste Eckpunkte für ein Digitalisierungskonzept vorlegen. Im Mittelpunkt stehen hier vor allem klare Regelungen zur Telematikinfrastruktur und zur Förderung der Telemedizin (u. a. elektronisches Rezept und Videosprechstunde). Auch die Struktur der gematik, der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, wird derzeit heiß diskutiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Behörde reformieren. Grund: Ihm passt nicht, dass dort Entscheidungen u. a. verzögert und als Kompromiss getroffen werden.

Nicht alles gleich auf Knopfdruck

„Es liegt in der Natur der Sache, dass dieses Konstrukt nicht wirklich schnell und zielführend arbeiten kann“, schloss sich Tino Sorge, CDU, Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestags, der Kritik des Ministers an. Deshalb sei es hier wichtig, „Umstrukturierungen vorzunehmen“. Viel konkreter wurde er dabei nicht, betonte aber, dass derzeit auch an einem neuen Telemedizingesetz gearbeitet werde. „Wir können nicht nur ein Gesetz machen, das alles regelt“, sagte er. Und es könne auch nicht immer alles gleich auf Knopfdruck losgehen.

Produktorientiert verhandeln

Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der die Telemedizin zum Thema seiner Präsidentschaft gemacht hat, ging auf die heutigen „1 000 verschiedenen Möglichkeiten“ bei der Telemedizin und der Digitalisierung ein, die sich natürlich nicht alle im Einzelfall regeln ließen.

Die Verantwortlichen könnten sich aber dazu bekennen, „dass es in der medizinischen Versorgung – neben dem ärztlichen Gespräch, der technischen Diagnostik, der Labor-Diagnostik, den Medikamenten und den fertigen Produkten – die Einbindung von telemedizinischen Versorgungsmodellen gibt, die produktorientiert verhandelt und evaluiert werden müssen“.

Und was haben die Patienten davon?

Das Anliegen der DDG sei, die Inhalte und die Gestaltung in der Versorgung zu regeln und dabei den potenziellen Nutzen für die Patienten im Blick zu haben. Hier müsse die Politik endlich die Rolle der medizinischen Fachgesellschaften sehen, deren Ziel es sei, bei der Gestaltung der Medizin ärztlich und themenorientiert vorzugehen, so der DDG-Präsident.

In diesen Prozess wolle die Deutsche Diabetes Gesellschaft deshalb „strukturiert eingebunden werden“, forderte er. „Das ist noch eine völlige Blackbox in allen gesundheitspolitischen Verfahren.“ Für die Patienten bedeutet diese Einbindung: Sie können Vertrauen haben, dass die Qualität stimmt.

Kamingespräch zur Telemedizin in der Diabetologie. Wie sieht die Versorgung von Diabetes­patienten in der Zukunft und im Zeitalter von Apps und Co., elektronischer Gesundheitskarte und Patientenakte aus?

Auch im Diabetesbereich gibt es inzwischen eine Vielzahl von Projekten, die sich die Vorteile von Telemedizin und Digitalisierung zunutze machen. Roche Diabetes Care etwa setzt auf das integrierte personalisierte Diabetes-Management (iPDM), in dem Patienten und Behandler sowie weitere Akteure gut miteinander vernetzt sind. Die Basis dafür bilden digitale Tools, die jedoch in passende, strukturierte Prozesse eingebettet werden müssen, um richtig zu funktionieren.

Mit dem großen Ganzen befasst sich unterdessen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und schiebt die Digitalisierung und die Telemedizin im deutschen Gesundheitssystem weiter an. Auf seiner Agenda stehen u. a. die Zulassung von Apps als Medizinprodukte und telemedizinische Anwendungen.


von Angela Monecke
Redaktionsbüro Angela Monecke,
Kopenhagener Str. 74, 10437 Berlin,
E-Mail: angelamonecke@aol.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (3) Seite 46-47

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