Unzureichende Präventionsmaßnahmen: Kritik an „ernüchternden“ Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen

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Unzureichende Präventionsmaßnahmen: Kritik an „ernüchternden“ Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen | Foto: peterschreiber.media – stock.adobe.com
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Unzureichende Präventionsmaßnahmen: Kritik an „ernüchternden“ Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen

Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) üben scharfe Kritik an den gesundheitspolitischen Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD. Hinsichtlich der Präventionsmaßnahmen bezüglich chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas und Herz-Kreislauf-Leiden böten diese „nur wenige, mutlose Sätze und keine belastbaren Lösungen“.

In einer scharfen Reaktion auf die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD hat die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) die Bundesregierung für ihre „fehlende Entschlossenheit im Bereich der Prävention“ kritisiert. Die Sprecherin der DANK, Barbara Bitzer, bemängelt, dass die neuen Verhandlungsergebnisse „wie ein Gruß aus der Vergangenheit“ wirken und keine verbindlichen, strukturierten Präventionsmaßnahmen beinhalten. Stattdessen dominierten „Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und Aufklärung“ die Diskussionen, so Bitzer.

Ergebnisse seien angesichts der Dringlichkeit der Gesundheitsproblematik nicht ausreichend

„Die neue Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse daran, nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Adipositas und Typ-2-Diabetes wirksam zu bekämpfen“, erklärt sie. Trotz wissenschaftlicher Evidenz und wachsender gesellschaftlicher Zustimmung fehlen in den Verhandlungsergebnissen Maßnahmen, die eine nachhaltige Reduzierung dieser Krankheiten fördern würden. Bitzer spricht von „ernüchternden Ergebnissen“, die angesichts der Dringlichkeit der Gesundheitsproblematik nicht ausreichend sind.

Die DANK-Sprecherin hebt hervor, dass präventive Maßnahmen nicht nur die Gesundheit fördern, sondern auch wirtschaftlich von großem Vorteil für Deutschland wären. „Eine gesunde Bevölkerung ist die Grundlage für eine leistungsfähige Gesellschaft“, betont sie. Die jährlichen Folgekosten durch Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Alkoholkonsum belaufen sich auf über 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig seien die Kosten für wirksame Präventionsmaßnahmen gering und könnten diese hohen Folgekosten erheblich senken.

Ein weiteres zentrales Anliegen der DANK ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gesundheitsschädlichen Produkten wie Zigaretten, Alkohol und zuckerhaltigen Getränken. Die DANK fordert strengere Regulierungen, Werbebeschränkungen und Altersgrenzen. „Es ist erschreckend, dass einige politisch Verantwortliche diesen nachweislich gesundheitsschädlichen Produkten keinen Riegel vorschieben wollen“, kritisiert Bitzer. Besonders Werbebeschränkungen und Steueranpassungen für Tabak und Alkohol gelten als besonders effektiv, um den Konsum zu senken und den Nachwuchs besser zu schützen.

Auch der VDBD kritisiert fehlende Präventions­maßnahmen in Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen

Ein Appell zur Veränderung kommt auch vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). Dr. Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des VDBD, schließt sich der Kritik an und warnt: „Wer heute keine entschlossene Präventionspolitik betreibt, nimmt steigende Fallzahlen chronischer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und eine weitere Belastung unseres Gesundheitssystems billigend in Kauf.“ Der VDBD unterstützt daher nachdrücklich die Forderung nach Maßnahmen wie der Beschränkung von Werbung für ungesunde Lebensmittel, die an Kinder gerichtet ist, sowie höheren Steuern auf zuckerhaltige Getränke. „Prävention ist kein `Nice-to-have´, sondern eine gesundheitspolitische Notwendigkeit“, so Fabisch.

Besonders wichtig ist den Diabetesfachkräften die Förderung der Gesundheitskompetenz bei Kindern und Jugendlichen. „Wer heute in die Gesundheit der Kleinsten investiert, schafft die Basis für eine gesündere und resilientere Gesellschaft von morgen“, erklärt Fabisch. Eine echte Präventionswende würde nicht nur das Wohl der Bevölkerung steigern, sondern auch zur Entlastung des Gesundheitssystems und der Versorgungsstrukturen beitragen. Zudem könnten durch eine wirksame Prävention Fachkräftemangel und steigende Gesundheitskosten entgegengewirkt werden.

Die DANK und der VDBD fordern die neue Bundesregierung auf, ihren Fokus auf eine echte Präventionspolitik zu legen und dringend notwendige Maßnahmen umzusetzen. Beide Verbände warnen davor, dass der Verzicht auf entschlossene politische Maßnahmen langfristig schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und die Wirtschaft haben könnte. „Es stehen Lebensjahre und Lebensqualität auf dem Spiel“, appelliert Barbara Bitzer an die politischen Entscheidungsträger.


von Redaktion Diabetes-Anker (gh)

mit Materialien der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD)

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