Closed-Loop-System im Alltag: Wer loslässt, hat die Hände frei

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Ein Closed-Loop-System im Alltag: Wer loslässt, hat die Hände frei | Foto: FS-Stock - stock.adobe.com
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Closed-Loop-System im Alltag: Wer loslässt, hat die Hände frei

In der modernen Welt der Medizintechnik nimmt die kontinuierliche Verbesserung von Technologien eine zentrale Rolle ein. Ein beeindruckendes Beispiel dafür sind Closed-Loop-Systeme, auch bekannt als Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme). Diese Innovation verspricht nicht nur eine präzisere Kontrolle der Glukoseverläufe bei Menschen mit Diabetes, vor allem Typ-1-Diabetes, sondern auch eine erhebliche Erleichterung im Alltag der Betroffenen.

Mit dem Motto „Wer loslässt, hat die Hände frei“ gewinnt man etwas Wertvolles: Beide Hände sind frei, um sich auf andere Dinge im Leben und im Alltag konzentrieren zu können. Studien und Erfahrungen von Anwenderinnen und Anwendern zeigen, dass Closed-Loop-Systeme zuverlässig sind und auch die Anzahl der Unter- und Überzuckerungen (Hypo- und Hyperglykämien) reduzieren.

Ein solches System reagiert oft schneller und präziser, als man es selbst in stressigen oder unübersichtlichen Situationen im Alltag könnte. Durch die drei Komponenten – System zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM), Insulinpumpe und Algorithmus, der die Verbindung zwischen beiden bildet – gewinnen Nutzerinnen und Nutzer etwas mehr Freiheiten. Der ständige Druck, die Glukosewerte im CGM-System im Auge zu behalten, sinkt.

System nimmt teilweise die Kontrolle ab

Für viele Menschen mit Diabetes ist das ständige Überwachen der Glukosewerte und das entsprechende Anpassen der Therapie eine enorme Belastung. Hier kommt der zentrale Vorteil des Closed-Loop-Systems ins Spiel: Es nimmt den Patientinnen und Patienten die Kontrolle teilweise ab, sodass diese ihre Hände – und auch den Kopf – frei haben für andere Dinge. Die Freiheit, nicht ständig an die nächste Blutzuckermessung oder Insulininjektion denken zu müssen, ist für viele Menschen mit Diabetes ein erheblicher Fortschritt.

Lebensqualität steigt

Der größte Gewinn durch das Nutzen eines Closed-­Loop-Systems ist zweifellos die gesteigerte Lebensqualität. Viele Menschen berichten davon. Patientinnen und Patienten berichten häufig auch von einem Gefühl der Sicherheit, da sie sich weniger Sorgen um ihre Glukosewerte machen müssen. Besonders nachts oder in stressigen Situationen hilft das autonome Eingreifen des Systems, um die Glukosewerte stabil zu halten. So schlafen die Menschen besser, fühlen sich tagsüber sicherer und können sich auf andere wichtige Aspekte ihres Lebens konzentrieren – seien es die Arbeit, Familie oder Hobbys. Auch besonders für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes kann ein Closed-Loop-System eine enorme Entlastung sein.
Zusätzlich ermöglicht das System eine flexiblere Gestaltung des Lebens. Spontane Aktivitäten, Reisen oder sportliche Betätigungen, die zuvor sorgfältige Planung erforderten, können nun mit weniger Aufwand durchgeführt werden.

Aufmerksamkeit bleibt wichtig

Natürlich bedeutet das Loslassen nicht, dass man die Fürsorge für die eigene Gesundheit vollständig abgibt. Es bleibt wichtig, das System zu überwachen, sicherzustellen, dass Sensor und Insulinpumpe korrekt funktionieren, und bei ungewöhnlichen Situationen einzugreifen. Doch das Vertrauen in die Technik kann dazu führen, dass man sich weniger belastet fühlt und mehr Freiheit gewinnt.

Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Herausforderungen. Die Technologie ist komplex und erfordert regelmäßige Kontrollen sowie das Vertrauen in die automatisierten Prozesse. Ein Closed-Loop-System ist definitiv keine künstliche Bauchspeicheldrüse und der Mensch, welcher dieses System nutzt, kann nicht völlig aus der Diabetestherapie „aussteigen“. Auch eine gewisse Affinität zu Technik sollte vorhanden sein. Es gibt aber auch Menschen, die keine Hände frei haben und ein gewisses Maß an Kontrolle behalten möchten.

Individuelle Entscheidung für ein System

Die Zukunft der Closed-Loop-Systeme sieht vielversprechend aus. Durch kontinuierliche Forschung und technologische Verbesserungen wird erwartet, dass diese Systeme noch präziser, zuverlässiger und für eine größere Patientengruppe zugänglich werden. Jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes sollte die Entscheidung für ein solches System individuell treffen können, am besten in Absprache mit seinem Diabetes-Team. Für viele ist das ­Closed-Loop-System der Schlüssel zu einem selbstbestimmteren Leben mit weniger Sorgen.


von Regine Werk

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (11) Seite 18-19

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  • Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

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