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Kostenübernahme für das FreeStyle Libre: eine kritische Betrachtung
3 Minuten
Den Anfang macht ab sofort die Techniker Krankenkasse, die ersten Bewilligungen sind bereits erteilt. Der Weg der Kostenerstattung ist dabei genauso ungewöhnlich wie die Tatsache, dass es sich hier um eine freiwillige Leistung handelt, denn das FreeStyle Libre ist noch nicht in den offiziellen Leistungskatalog aufgenommen. TK-versicherte Typ-1-Diabetiker müssen die Kosten für Messgerät und Sensoren zunächst vorstrecken und können die Belege dann zusammen mit einer Verordnung ihres Arztes bei der TK einreichen.
Die Höhe der Erstattung bei der TK
Diese orientiert sich an den durch die TK errechneten durchschnittlichen jährlichen Kosten für Blutzucker-Messstreifen: Ins DMP eingeschriebene Typ1er erhalten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 1.040,00 EUR, ohne DMP sind es bis zu 840,00 EUR. Auch die Kosten für das Messgerät (59,90 EUR) abzgl. der gesetzlichen Zuzahlung werden erstattet.
Das DAK-Modell
Die DAK geht einen anderen Weg: Als exklusiver Kooperationspartner von Abbott will sie im Rahmen eines Pilotprojektes die Kosten ab Juni 2015 direkt übernehmen, zunächst für 1.000 ihrer Versicherten – später sollen es mehr werden. Wie genau Verordnung, Bestellung und Kostenübernahme abgewickelt werden soll, war zum Zeitpunkt der gemeinsamen Pressekonferenz von DAK und Abbott noch unklar, auch die genauen Kriterien für die Auswahl der Teilnehmer standen noch nicht fest.
Wichtige Fragen sind noch ungeklärt
Für beide Modelle gilt, dass wichtige Fragen bisher nicht geklärt sind: So sind FreeStyle-Libre-Sensoren aufgrund erheblicher Lieferengpässe zurzeit nur für bereits registrierte Kunden des Abbott Online-Shops erhältlich. Wer sich neu registrieren möchte, muss warten. Die Angebote von TK und DAK stehen also bei weitem nicht jedem offen, der sich für das neue System interessiert – laut Abbott ein „transitorisches Phänomen“, bis die Produktionskapazitäten erweitert sind.
Doch bis es so weit ist, treibt das beschränkte Angebot die Preise auf ebay in die Höhe: Sensoren werden dort zum Teil für mehrere hundert Euro angeboten und gekauft, sogar Zugänge zu Abotts Online-Shop werden für teures Geld gehandelt. In einer freien Marktwirtschaft, in der sich Preise nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage bilden, ist das zwar erklärbar – doch wenn von gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Medizinprodukte für ein Vielfaches ihres Preises weiterverkauft werden, stellt sich die Frage, ob Grenzen überschritten werden – und wer verantwortlich ist und eingreifen könnte. Abbott, die DAK und auch die TK haben hierauf bislang keine Antwort.
Ebenfalls unbeantwortet bleibt die Frage, wer die Nutzer dieses Systems schulen soll – und wer für die Kosten hierfür aufkommt: Zucker-Kurven und Trendpfeile erlauben sehr viel mehr Einsicht in den eigenen Stoffwechsel, deren Interpretation und die daraus abgeleitete Diabetes-Therapie verlangen aber auch nach einem anderen Verständnis der Zusammenhänge. Die Frage stellt sich beim FreeStyle Libre umso mehr, als Abbott im Vertrieb neue Wege geht und direkt an seine „Kunden“ verkauft – ohne Einbindung von Arzt und Apotheke. Hier sollen Webinare (Online-Trainings) helfen, die zurzeit allerdings nicht angeboten werden.
Fazit
Dass gesetzliche Krankenkassen freiwillig die Kosten für das FreeStyle Libre übernehmen, ist zunächst eine tolle Nachricht, macht sie doch Hoffnung, dass auch die Diskussion um „echte“ CGM-Systeme wieder Fahrt aufnimmt – schließlich ist die Messtechnik dieselbe. CGM-Systeme punkten aufgrund ihrer Fähigkeit zur Datenübertragung über größere Distanzen und an mehrere Empfänger zusätzlich mit Hypo-Alarmen, Notabschaltung von Insulinpumpen, der Zulassung für Kinder und der Möglichkeit der Fernüberwachung, z.B. durch deren Eltern. Trotz eindeutiger Studienergebnisse und einem positiven Vorbericht des IQWiG ist eine reguläre Kostenübernahme für CGM-Systeme – wohl auch aufgrund der deutlich höheren Kosten – leider noch immer nicht absehbar.
Die Entscheidung von TK und DAK pro Kostenübernahme für das FreeStyle-Libre-System könnte sich als Wegbereiter für die Kostenübernahme auch bei der kontinuierlichen Glukosemessung erweisen – aber auch als trojanisches Pferd: So Krankenkassen ihre Entscheidung für das FreeStyle Libre, welches in Foren und Online-Diskussionen auch schon als „CGM für Arme“ bezeichnet wird, als Argument benutzen sollten, um eine Kostenübernahme für „echte“ CGM-Systeme weiter hinauszuzögern, wird es für diejenigen von uns, die seit Jahren auf diese Systeme hoffen, eher schwieriger.
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße