DIY-AID-Systeme: Neuer Leitfaden erschienen

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© Katarina Braune / BIH
DIY-AID-Systeme: Neuer Leitfaden erschienen

Insulinpumpen-Systeme, die man nicht komplett selbst bedienen muss, sondern die die Insulinabgabe aufgrund von CGM-Werten berechnen sind oft in der Diskussion. Ein Leitfaden für diese DIY-AID-Systeme soll jetzt Unsicherheiten beseitigen.

Systeme zur automatisierten Insulinabgabe erleichtern Menschen mit Diabetes das Leben – schreibt das Berlin Institute of ­Health (BIH) an der Charité in Berlin in einer Pressemitteilung. Bei diesen Systemen misst ein Sensor kontinuierlich die Glukosewerte im Gewebe (kontinuierliches Glukose-Messsystem, CGM-System).

Aus diesen Werten berechnet ein Algorithmus, wie sich die Glukosewerte entwickeln werden – also ob sie stabil bleiben, steigen oder fallen werden – und passt automatisch die Insulindosierung an. Berücksichtigt werden dabei auch Daten aus der Insulinpumpe. Bekannt sind die Systeme zur automatisierten Insulinabgabe auch unter den Bezeichnungen „automated insulin dosing“-Systeme bzw. „AID“-Systeme und als „Closed-Loop“ oder „künstliche Bauchspeicheldrüse“.

Nicht warten wegen ­Zulassungszeiten

Es gibt zwar inzwischen kommerzielle AID-Systeme, aber, wie Dr. Katarina Braune, Kinderärztin an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Teilnehmerin sowie Sprecherin des BIH Charité Digital Clinician Scientist Programms, erklärt: „Die Zulassung neuer Medizinprodukte dauert (…) in der Regel sehr lange, deshalb hinken sie den aktuellen technischen Möglichkeiten oft Jahre hinterher. Entsprechend lautet das Motto von Menschen mit Diabetes, die seit 2014 unabhängige Lösungen zur automatischen Insulindosierung (AID) programmieren und nutzen: ‚#WeAreNotWaiting‘.“

Systeme wissenschaftlich untersucht

Im OPEN-Projekt, das von der Europäischen Union (EU) gefördert wird, werden die von den Patientinnen und Patienten selbst gebauten, offenen Systeme, die nicht offiziell zugelassen sind, wissenschaftlich untersucht. Für diese „Open-Source-AID-Systeme“ hat eine internationale Gemeinschaft von Menschen mit Typ-1-Diabetes und ihren Familien ihre vorhandenen Insulinpumpen und Glukosesensoren über einen selbst programmierten Steueralgorithmus verbunden. Dieser befindet sich auf einem Smartphone oder Minicomputer und ist mit der Insulinpumpe über Bluetooth oder Radiowellen verbunden.

Die Entwickler stellen die Software der Algorithmen quelloffen und kostenlos zur Verfügung. Sie erklären außerdem, wie die Software eingerichtet und individuell eingestellt wird. Eine stetig wachsende Online-Community unterstützt bei Fragen.

Leitfaden als Konsenspapier

Um Menschen, die solche Systeme nutzen, und medizinischem Personal, das diese Menschen betreut, mehr Sicherheit zu geben, gibt es jetzt eine Hilfestellung. Katarina Braune: „Deshalb haben wir uns entschlossen, einen internationalen Konsensus mit einem Leitfaden zu erstellen.“ Beteiligt am Erstellen waren aus 25 Ländern 48 Experten und Expertinnen aus Medizin und Recht, die über praktische Erfahrung mit Open-Source-AID-Systemen verfügen. In den Dokumenten sind eine Übersicht über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die verwendeten Technologien, medizinethische und medizinrechtliche Aspekte und Vor- und Nachteile zu finden – als internationaler Konsens für den Gebrauch der Systeme in der Gesundheitsversorgung.

Das Konsenspapier wird bereits von neun nationalen und internationalen Diabetes-Fachorganisationen (ADCES, CDS, FSDS, DES, DTN, IDF Global and Europe, ISPAD, VDBD) offiziell unterstützt. „Wir hoffen, dass wir mit unserem OPEN-Projekt und dem nun veröffentlichten Leitfaden dazu beitragen können, eventuell noch bestehende Unsicherheiten im Umgang mit diesen Systemen beseitigen zu können“, sagt Braune. „Denn die Studienergebnisse geben uns recht.“ Der vollständige Artikel ist in Englisch in der Januar-­Ausgabe der Zeitschrift „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ und ist auch online abrufbar.


von Dr. med. Katrin Kraatz

Dr. med. Katrin Kraatz ist Ärztin, Medizin-Redakteurin und lebt seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit am Diabetes-Anker (vormals Diabetes-Journal) und ist seit 2021 zusammen mit Prof. Haak Chefredakteurin der Zeitschrift. Darüber hinaus schreibt Dr. Kraatz auch für weitere Diabetes-Medien aus dem Hause MedTriX.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (3) Seite 36-37

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  • florahdo postete ein Update vor 5 Tagen, 6 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.