- Technik
Typ-2-Diabetes: Pumpe statt Pen?
2 Minuten
Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine Insulinpumpe nicht nur bei Typ-1-, sondern auch bei schlecht eingestelltem Typ-2-Diabetes eine Verbesserung bringen kann.
60.000 Typ-1-Diabetiker in Deustchland benutzen Insulinpumpe
Für Typ-1-Diabetiker ist eine Insulinpumpentherapie nicht besonders ungewöhnlich: Sie ist medizinisch bei vielen angezeigt – wenn auch oft schwierig durchzusetzen bei den Kostenträgern. Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes ist sie heute nicht wegzudenken: 45 Prozent werden mit einer Insulinpumpe behandelt, bei den jungen Kindern unter 5 Jahren sind es sogar 77 Prozent (Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2014).
Insgesamt rund 60.000 Typ-1-Diabetiker führen heutzutage eine Insulinpumpentherapie durch, so Expertenschätzungen. Ungewöhnlich mutet eher Folgendes an:
Studie: Auch Typ-2-Diabetiker profitieren von Pumpentherapie
Eine sehr aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachmagazin Lancet, sagt nun: Schlecht eingestellte Typ-2-Diabetiker bekommen ihre Blutzuckereinstellung mit Pumpentherapie tendenziell besser in den Griff als mit mehrmals täglichen Insulin-Injektionen. Wobei die Pumpentherapie (mit schnell- und kurzwirksamem Insulin) heute fast nur Typ-1-Diabetikern empfohlen wird.
Die Studie heißt OpT2mise; sie ist die größte Studie zum Einsatz der Insulinpumpentherapie bei Typ-2-Diabetes. An der OpT2mise-Studie nahmen 495 Erwachsene (30 bis 75 Jahre) mit schlecht eingestelltem Typ-2-Diabetes (unter Insulintherapie) teil; in der zweimonatigen Einleitungsphase der klinischen Studie wurde zunächst versucht, die herkömmliche Insulintherapie zu optimieren.
Aber: Laut den Experten konnten 331 Patienten hierdurch nicht auf einen Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c) im Bereich von 8,0 bis 12,0 Prozent eingestellt werden. Diese schlecht eingestellten Typ-2-Diabetiker bekamen nun (Zufallsauswahl) entweder eine Insulinpumpe oder sie behandelten ihren Diabetes weiter mit mehrmals täglichen Injektionen.
Langzeitwert und Insulinverbrauch durch Pumpe verbessert
Die Ergebnisse: Bei den Pumpenträgern verbesserte sich nach 6 Monaten der Langzeitwert deutlich (signifikant): im Schnitt um 1,1 Prozent im Vergleich zu 0,4 Prozent in der Gruppe mit herkömmlicher Insulintherapie.
55 Prozent der Teilnehmer erreichten mit Pumpe den Zielwert von 8,0 Prozent oder weniger; in der Vergleichsgruppe schafften das 28 Prozent – also praktisch die Hälfte. Die Pumpenträger verbrachten durchschnittlich 3 Stunden weniger täglich mit zu hohen Blutzuckerwerten. Die Hypoglykämierate war in beiden Gruppen vergleichbar.
Zum Insulinverbrauch: Zum Ende der Studie OpT2mise verbrauchten die Insulinpumpenträger täglich 20 Prozent weniger Insulin als die Vergleichsgruppe. Beim Körpergewicht gab es keinen Unterschied.
Neue Option, aber scheitert sie (wieder einmal) an den Kosten?
Laut Studienleiter Prof. Yves Reznik (Universität Caen, Normandie/Frankreich) eröffnen die gefundenen Ergebnisse eine wertvolle neue Behandlungsoption – für all jene Patienten, die auf anderem Weg keine zufriedenstellende Blutzuckereinstellung erreichen.
Auch Dr. Pratik Choudhary (King’s College, London) sieht in den Ergebnissen eine Chance zur Therapieverbesserung bei schwer einzustellenden Menschen mit Typ-2-Diabetes und Insulintherapie – und schiebt hinterher: “Jedoch wird man die Kosteneffektivität der Pumpen in den verschiedenen Gesundheitssystemen evaluieren müssen.”
Dies ist sicher richtig und wichtig, ist aber aus meinem Blickwinkel heutzutage nicht ein Aspekt von vielen zur Beurteilung eines Wirkstoffes oder einer Therapie – sondern leider der einzige.
von Günter Nuber
Chefredaktuer des Diabetes-Journals
Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (8) Seite 56
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moira postete ein Update vor 1 Tag, 23 Stunden
Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
(Wen es interessiert Band 2.3) -
moira postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 4 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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