Hilft uns Menschen mit Diabetes die KI? Ein Plädoyer für die KI im Gesundheitswesen

2 Minuten

Hilft uns Menschen mit Diabetes die KI? Ein Plädoyer für die KI im Gesundheitswesen | Foto: Iryna – stock.adobe.com
Foto: Iryna – stock.adobe.com
Hilft uns Menschen mit Diabetes die KI? Ein Plädoyer für die KI im Gesundheitswesen

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in die Diabetes-Versorgung. Sie kann Daten auswerten, Muster erkennen und Therapieprozesse unterstützen. DDF-Vorsitzender Leonhard Stärk mit einem Plädoyer, warum KI im Gesundheitswesen Chancen bietet – ohne persönliche Erfahrung und Selbsthilfe zu ersetzen.

„Wir sind Betroffene, wir wissen selbst, was uns hilft und was uns schadet“, könnte unsere erste Reaktion sein, wenn wir nach dem Nutzen der künstlichen Intelligenz (KI) gefragt werden. Nun sind wir als Leser dieses wunderbaren Magazins „Diabetes-Anker“ meist auch noch in der Diabetes-Selbsthilfe engagiert und bauen auf den Austausch untereinander. Selbsthilfe bedeutet ja vor allem, dass wir uns gegenseitig mit Wissen und Erfahrung helfen und unterstützen.

So weit, so gut – ich bin als Vorsitzender der Deutschen Diabetes Föderation auch sehr stolz auf unsere vielen Aktiven in den Mitglieds-Organisationen und in den zahlreichen Selbsthilfegruppen. Ich schätze den persönlichen Austausch untereinander als den zentralen Erfolgsfaktor der gesundheitlichen Selbsthilfe.

KI kann Diabetes-Management kontinuierlich verbessern

Dennoch dürfen wir die Augen nicht verschließen vor den Entwicklungen in der digitalen Welt. Insbesondere sollten wir offen sein für die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz im Gesundheitswesen. Ich möchte die künstliche Intelligenz nicht den Schülern überlassen, die mit Hilfe von ChatGPT ihre Aufsätze für die Schule verfassen. Künstliche Intelligenz muss auch uns chronisch Kranken dienen. Wir müssen sie nutzen, um unsere medizinische Versorgung zu verbessern, um Prävention durch Früherkennung zu ermöglichen, um unsere Krankheitsverläufe positiv zu beeinflussen und um Diagnose- und Behandlungsfehler zu reduzieren.

Unsere Erkrankung erfordert ein kontinuierliches Überwachen der Glukosewerte sowie ein möglichst exaktes Abstimmen von Ernährung, Bewegung und Medikation. Künstliche Intelligenz eröffnet uns durch den Zugriff und die systematische Analyse von unglaublich großen Datenmengen die Möglichkeit, das Diabetes-Management kontinuierlich zu verbessern und damit die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes zu erhöhen – sowohl für Menschen mit Typ 1 als auch für Menschen mit Typ 2.

Ärztliche Betreuung und Selbsthilfe bleiben unersetzlich

Auf der Basis von Erfahrungswerten auch außerhalb unserer eigenen Community ermöglicht die künstliche Intelligenz, Muster zu erkennen und sogar individuelle Vorhersagen zu treffen, wenn etwa zu hohe oder zu niedrige Glukosewerte drohen, womit dann eine frühzeitige Warnung möglich ist. Klar – viele von uns erkennen bei sich ganz gut selbst erste Anzeichen einer Veränderung unserer Glukosewerte, aber mit künstlicher Intelligenz könnte bereits viel früher angesetzt werden, wenn wir es selbst noch nicht spüren. Das funktioniert, weil in Hunderttausenden vergleichbaren Fällen es ähnlich verlaufen ist.

Ein gutes Beispiel ist die Kombination von künstlicher Intelligenz mit Systemen zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) und Insulinpumpen. Diese Closed-Loop- oder Künstliches-Pankreas-Systeme passen die Insulin-Abgabe automatisiert an die aktuellen Bedürfnisse des Körpers an und verändern diese aufgrund individueller Daten.

Ich plädiere zwar für einen offenen, nicht jedoch für einen unkritischen Umgang mit künstlicher Intelligenz. Themen wie Gesundheits-Datenschutz, Transparenz bei den Algorithmen und die Verantwortung bei Fehlentscheidungen sind wichtige ethische und rechtliche Fragen, die zu klären sind. Am Ende ersetzt auch die beste und transparenteste künstliche Intelligenz niemals die ärztliche Betreuung – und ich füge hinzu: Sie ersetzt auch niemals die Selbsthilfe!


von Leonhard Stärk, Vorsitzender des Vorstands der DDF

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1/2) Seite 62-63


zur Beitragsübersicht von Deutsche Diabetes Föderation e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V.
Nach mehreren Jahren an der Spitze übergibt Michael Wirtz sein Amt: Neuer Vorsitzender der DiabetesHilfe Nord e.V. wird Reiner Sommer. Wirtz blickt auf gemeinsame Projekte zurück und erklärt, warum er dem Verein trotz Rückzugs weiterhin verbunden bleiben möchte.
Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V. | Fotos: privat

< 1 minute

Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“
Im ersten Teil dieser Serie ging es um einen Perspektivwechsel: Typ-2-Diabetes ist nicht nur eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Entscheidend ist auch Fett an den falschen Orten. Wenn dieses Fett abnimmt, kann sich der Stoffwechsel verbessern. Doch warum ist es so schwer, an diese Fettreserven heranzukommen? Gewichtsverlust braucht ein Energie-Defizit. Doch entscheidend ist auch, ob der Körper die Tür zu seinen gespeicherten Energie-Reserven weit genug öffnen kann.
Eltern-Austausch im „Online-Treffpunkt Diabetes“: „Das Ziel definieren“ | Foto: Viktor – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 6 Tagen

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%