Ein Herz für Klassenfahrten: Wie wir Kindern mit Diabetes unbeschwerte Momente schenken

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Selfie von Diabetesberaterin Doreen Haberkorn und einem lächelnden Mädchen in einem gelben Brasilien-Trikot auf einem Jahrmarkt, im Hintergrund Fahrgeschäfte und Bäume.
Foto: Doreen Haberkorn
Ein Herz für Klassenfahrten: Wie wir Kindern mit Diabetes unbeschwerte Momente schenken

Für Kinder mit Typ-1-Diabetes ist eine Klassenfahrt oft nur mit fachkundiger Begleitung möglich. Diabetesberaterin Doreen Haberkorn reist regelmäßig als Helferin mit und schildert, wie das Projekt KlaFa Familien und Kindern dabei Sicherheit und unbeschwerte Tage ermöglicht.

Ich bin Doreen und arbeite als Diabetesberaterin DDG in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. Eigentlich bin ich längst aus dem Alter heraus, in dem man selbst auf Klassenfahrt geht – trotzdem packe ich jedes Jahr mehrfach meinen Koffer. Als Nächstes geht es mit einem Kind mit Diabetes nach Sylt. Für mich ist das keine bloße Aufgabe, sondern eine echte Herzensangelegenheit.

Für Familien, in denen ein Kind mit Typ-1-Diabetes lebt, ist eine Klassenfahrt eine enorme emotionale und organisatorische Herausforderung. Im gewohnten Schulalltag läuft meist alles in geregelten Bahnen: Eltern und Integrationshelfer stehen den Kindern verlässlich zur Seite und unterstützen wo nötig. Wer selbst mit der Diagnose lebt oder ein betroffenes Kind hat, weiß genau, wie viele unsichtbare Aufgaben jeden Tag nebenbei bewältigt werden müssen.

Der Traum von Normalität weit weg von zu Hause

Früher bedeutete eine Klassenfahrt für diese Kinder oft: Entweder mussten sie zu Hause bleiben oder Mama oder Papa mussten als Begleitperson mitreisen. Doch mal ehrlich – wer wollte als Kind schon die eigenen Eltern im Doppelstockbett nebenan haben? Eine Klassenfahrt soll schließlich eine Zeit der Unabhängigkeit sein. Eine Phase, in der man mit Freunden bis in die Nacht quatscht, tobt, Abenteuer erlebt und über sich hinauswächst – ohne den prüfenden Blick der Eltern. Doch wer übernimmt die Verantwortung, wenn der Diabetes mitreist?

Vom ersten Kontakt zum großen Vertrauen

Genau hier kommen wir „Helferherzen“ vom Klassenfahrt-Projekt (KlaFa-Projekt) der DDH-M NRW e. V. ins Spiel. Wenn eine Anfrage von einer Familie eingeht, übernimmt unser Projekt-Team im Hintergrund die Organisation. Projekt-Leiterin auf Bundesebene ist Kathleen Brockelmann. In NRW ist Diana Droßel, die selbst mit Typ-1-Diabetes lebt, eine engagierte Ansprechpartnerin des Projekts. Sie nimmt Kontakt zu den Eltern auf, sammelt alle Informationen und begibt sich auf die Suche nach einer passenden Begleitung. Dabei muss das Match perfekt sein: Das Helferherz muss sich nicht nur allgemein mit Diabetes auskennen, sondern exakt die Therapieform des Kindes beherrschen.

Ist der Kontakt geknüpft, lernen sich Familie und Begleitung schon Wochen vor der Fahrt kennen, meist bei einem Video-Telefonat. Das nimmt den Kindern die Angst vor einer fremden Person und schenkt den Eltern das nötige Vertrauen, um ihr Kind überhaupt loslassen zu können. Auch finanzielle Hürden werden gemeinsam genommen. Ob über die Verhinderungspflege, schulische Fördervereine oder Eigenanteile – das Projekt-Team unterstützt die Eltern bei jedem Antrag.

Herzensarbeit rund um die Uhr

Wenn es endlich losgeht und die gemeinsam abgestimmte Diabetes-Tasche für alle Eventualitäten im Gepäck verstaut ist, beginnt das Abenteuer. Wer nun glaubt, so eine Klassenfahrt sei für uns Begleitpersonen eine Art zusätzlicher Urlaub, dem muss ich schmunzelnd entgegnen: Weit gefehlt! Nachts klingelt mein Wecker alle zwei Stunden zur Kontrolle. Und die Unterbringung in den Jugendherbergen? Wer sich an seine eigene Jugend erinnert, weiß: Zimmer-Ausstattung und Essen haben oft noch denselben nostalgischen Charme wie vor zwanzig Jahren.

Aber den Kindern ist das egal. Sie wollen keine Komfortbetten oder ein ausgedehntes Luxusfrühstück. Sie wollen raus in die Welt, den Strand auf Sylt entdecken, bei der Nachtwanderung durch den Wald mutig sein oder bei einer Musical-Fahrt die Großstadt erobern. Auf meine 10.000 Schritte komme ich täglich spielend – inklusive Tanzfläche bei der Abschluss-Disco. Es ist anstrengend, aber das Leuchten in den Augen der Kinder und ihre Unbeschwertheit entschädigen für jede schlaflose Stunde.

Unterstützung weit über den Diabetes hinaus

Manchmal geht unsere Aufgabe als Helferherz sogar noch einen Schritt weiter. Manche Kinder bringen neben dem Diabetes weitere geistige oder körperliche Einschränkungen mit oder können beispielsweise nicht sprechen. Die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort geben ihr Bestes und der Schulalltag ist oft gut organisiert, aber Lehrkräfte verfügen verständlicherweise nicht automatisch über eine diabetesfachliche Ausbildung. In solchen Momenten sind wir die Brücke, die Sicherheit gibt und dafür sorgt, dass kein Kind aufgrund seiner Besonderheiten ausgeschlossen wird.

Die Reise nach Sylt wird in diesem Jahr bereits meine fünfte Klassenfahrt-Begleitung sein. Dass ich mich so intensiv engagieren kann, verdanke ich einem großartigen Umfeld. Ein riesiges Dankeschön gilt meinem Chef und meinen Kolleginnen in unserer diabetologischen Praxis, die es mir ermöglichen, flexibel Überstunden anzusammeln und abzubauen. Und natürlich meiner Familie, die zu Hause den Alltag am Laufen hält, während ich unterwegs bin. Sie alle sind ein Teil dieses Projekts.

Werde auch du ein Helferherz!

Da die Nachfrage riesig ist, wir aber leider viel zu wenige Helferherzen sind, nutze ich diesen Beitrag, um für unser Projekt zu werben. Wenn du Lust hast, den Diabetes-Alltag einmal aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben, wieder ein bisschen Jugendherbergsluft zu schnuppern und einem Kind das größte Geschenk überhaupt zu machen – dann melde dich bei uns. Denn ein Helferherz schenkt einem Kind nicht nur Sicherheit. Es ermöglicht ihm, einfach dabei zu sein. Doreen Haberkorn

Info: Projekt „KlaFa“ (Klassenfahrtbetreuung)

Das Projekt ermöglicht Kindern mit Diabetes, trotz ihrer Erkrankung ganz normal an Klassenfahrten sowie Kita- und Hortfahrten teilzunehmen. Diabeteserfahrene Betreuerinnen und Betreuer begleiten die Kinder auf den Fahrten und stellen die Betreuung vor Ort sicher. Es handelt sich um ein bundesweites Projekt. Weitere Informationen: nrw.menschen-mit-diabetes.de/projekte/klafa
Kontakt und Ansprechpartnerin für NRW: Diana Droßel, E-Mail: nrw@ddh-m.de


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (10) Seite 60-61

➤ zur Beitragsübersicht von Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes – LV NRW e.V.

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  • Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo Zusammen!
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    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂