Ende Januar trafen sich die Beteiligten des ADAPT-HEAT-Projekts aus allen Sparten. Ziel war, die Entwicklung und Testung von evidenzbasierten, Sektor-übergreifend gültigen Hinweisen zur hitzesensiblen Anpassung der Diabetes-Medikamente bei hohen Temperaturen für das letzte Projekt-Jahr zu besprechen.
Bislang wurde mit Hilfe von Krankenkassendaten und Unterstützung von Ärzten und Ärztinnen, Pflegekräften und Apotheken die die CALOR-Liste erarbeitet. Dies ist eine Liste von Medikamenten, die hitzesensibel sind und häufig von Patienten und Patientinnen eingenommen werden. Calor kommt aus dem Lateinischen und heißt Hitze.
Aktuell umfasst die Liste knapp 28 Wirkstoffgruppen. Die für Menschen mit Diabetes interessantesten sind Insulin und Metformin sowie verschiedene Blutdrucksenker. Der typische Aufbau in dieser Liste wird für Insulin und Metformin exemplarisch vorgestellt. Wie bei allen Medikamenten-bezogenen Aussagen gilt auch hier: Fragen Sie bei Bedarf Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder in der Apotheke.
CALOR-Liste: Insulin
Jedes Wirkstoff- bzw. Wirkstoffklassen-Blatt enthält Anpassungshinweise, wobei ein zweiter Abschnitt den Hintergrund für diese Hinweise liefert. Bei Insulin lauten die Anpassungs-Hinweise: Patienten und Patientinnen mit Insulintherapie sollten vor und bei Hitzewarnungen dazu beraten werden, häufiger nach dem Blutzucker zu schauen und ggf. die Insulin-Dosierung anzupassen.
Die Injektion insbesondere von kurz wirksamen Insulinen sollte, wenn möglich, in einer kühleren Umgebung (unter etwa 25 °C Raumtemperatur) erfolgen. Die Injektionsstelle (Haut) sollte während und nach der Injektion keiner direkten Hitze oder Sonne ausgesetzt werden.
Durch das Gesundheitspersonal sollten diese Patienten und Patientinnen ebenfalls darüber informiert werden, dass bei Hitze das Risiko eines verminderten Hungergefühls mit geringerem Insulinbedarf besteht. Ebenso dass kurz wirksame Insuline verstärkt wirken können und so insgesamt ein höheres Risiko für Unterzuckerungen besteht. Als Hintergrund wird angegeben, dass durch die hitzebedingt verstärkte Hautdurchblutung kurz wirksames Insulin schneller wirkt und so ein Unterzucker begünstigt werden kann.
CALOR-Liste: Metformin
Im Fall von Metformin rät die CALOR-Liste Ärzten und Ärztinnen, bei erstmaliger Verschreibung insbesondere bei Hitzewarnungen mit einer möglichst geringen Dosis zu beginnen und diese nur langsam zu steigern, um die Nebenwirkungen im Verdauungstrakt (z. B. Durchfall) mit Risiko der Austrocknung (Dehydratation) vorzubeugen.
Bei Patienten und Patientinnen mit Einnahme von Metformin und SGLT-2-Hemmern (eine weitere Wirkstoffgruppe zur Behandlung des Typ-2-Diabetes) sollte das Gesundheitspersonal im Vorfeld und bei Hitzewarnungen zu einer individuell ausreichenden Flüssigkeitszufuhr beraten und bei Anzeichen von Dehydratation im Hinblick auf eine sinnvolle Verminderung der Dosis diese Menschen ärztlich vorstellen.
Auch sollte man Patienten und Patientinnen, die nur Metformin einnehmen, vor und bei Hitzewarnungen auf Warnsymptome wie Durchfall aufmerksam machen. Der Hintergrund ist, dass bei Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich wie Durchfall das Risiko, auszutrocknen, erhöht ist und dies gerade am Beginn einer Metformin-Therapie.
Einbinden von Patienten und Patientinnen
Die aktuelle CALOR-Liste ist noch auf das Gesundheits-Personal mit weitreichendem Wissen zu Wirkstoffen bzw. Wirkstoffklassen und medizinischen Fachbegriffen ausgelegt. In einem nächsten Schritt soll, basierend auf der CALOR-Liste, Informationsmaterial für Patienten und Patientinnen erstellt werden.
Das Material soll so gestaltet werden, dass es die Gesundheits-Kompetenz im Bereich der sicheren Einnahme von Arzneimitteln in Hitze-Perioden stärkt. Dies soll von medizinischen Fachkräften sowie Patienten und Patientinnen gemeinsam erfolgen.
Die erste Phase besteht dabei aus Einzel-Interviews mit mindestens fünf Patienten und Patientinnen. Wobei Erfahrungen und Vorkenntnisse zum Thema ermittelt werden und die CALOR-Liste durch die Interviewten begutachtet wird. Daraus werden in Phase 2 die Anforderungen an das Informationsmaterial durch Auswerten der Interviews erarbeitet.
In der dritten Phase sollen in einem moderierten Workshop mit den Interviewten und weiteren Patienten und Patientinnen nach Präsentation der Ergebnisse aus Phase 1 und 2 konkrete Ideen für Sprache, Design und die praktische Umsetzung gesammelt werden. In der vierten Phase sollen mit Hilfe des Instituts für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln die Ergebnisse der vorangegangenen Phasen zusammengeschrieben werden. Das jetzt schon integrierte Werbe-Unternehmen setzt dann einen ersten Entwurf des Materials um.
Ein qualitatives Testen des Entwurfs durch Interviews mit den Patienten und Patientinnen des Entwicklungsteams und weiteren vorher nicht beteiligten Patienten und Patientinnen erfolgt dann in der letzten Phase. Darauf basierend soll im Anschluss das Endprodukt umgesetzt werden.
Auswahl der Medikamente
Nach der Vorstellung der Methodik machten sich vier Gruppen erste Gedanken um generelle Inhalte des Materials. Alle Gruppen fanden es wichtig, nicht nur die Wirkstoffklasse zu benennen, sondern auch die entsprechenden Handelsnamen sowie eine grundsätzliche Information, dass Hitze in Bezug auf Medikamente ein Risiko darstellen kann. Wichtig seien auch Informationen über mögliche bei Hitze auftretende Symptome von ungewollten Nebenwirkungen. Neben spezifischen Informationen soll es auch einen digitalen Zugriff für alle auf die gesamte CALOR-Liste geben.
Sobald Patienten und Patientinnen für die Interviews konkret gesucht werden, wird dies über die Zeitschrift DIABETIKA unseres Vereins sowie „Kurz und Knapp“, unsere regelmäßige Informationsschrift, veröffentlicht werden. Über eine Teilnahme würde sich das Projekt freuen.
von Sabine Härter
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 78-79
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