Jahrestreffen 2026 des ADAPT-HEAT-Projekts: Diabetes-Medikamente bei hohen Temperaturen

3 Minuten

Jahrestreffen 2026 ADAPT-HEAT-Projekt: Diabetes-Medikamente bei hohen Temperaturen | Foto: Iris Dapper / Universitätsklinikum Köln
Foto: Iris Dapper / Universitätsklinikum Köln
Jahrestreffen 2026 des ADAPT-HEAT-Projekts: Diabetes-Medikamente bei hohen Temperaturen

Ende Januar trafen sich die Beteiligten des ADAPT-HEAT-Projekts aus allen Sparten. Ziel war, die Entwicklung und Testung von evidenzbasierten, Sektor-übergreifend gültigen Hinweisen zur hitzesensiblen Anpassung der Diabetes-Medikamente bei hohen Temperaturen für das letzte Projekt-Jahr zu besprechen.

Bislang wurde mit Hilfe von Krankenkassendaten und Unterstützung von Ärzten und Ärztinnen, Pflegekräften und Apotheken die die CALOR-Liste erarbeitet. Dies ist eine Liste von Medikamenten, die hitzesensibel sind und häufig von Patienten und Patientinnen eingenommen werden. Calor kommt aus dem Lateinischen und heißt Hitze.

Aktuell umfasst die Liste knapp 28 Wirkstoffgruppen. Die für Menschen mit Diabetes interessantesten sind Insulin und Metformin sowie verschiedene Blutdrucksenker. Der typische Aufbau in dieser Liste wird für Insulin und Metformin exemplarisch vorgestellt. Wie bei allen Medikamenten-bezogenen Aussagen gilt auch hier: Fragen Sie bei Bedarf Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder in der Apotheke.

CALOR-Liste: Insulin

Jedes Wirkstoff- bzw. Wirkstoffklassen-Blatt enthält Anpassungshinweise, wobei ein zweiter Abschnitt den Hintergrund für diese Hinweise liefert. Bei Insulin lauten die Anpassungs-Hinweise: Patienten und Patientinnen mit Insulintherapie sollten vor und bei Hitzewarnungen dazu beraten werden, häufiger nach dem Blutzucker zu schauen und ggf. die Insulin-Dosierung anzupassen.

Die Injektion insbesondere von kurz wirksamen Insulinen sollte, wenn möglich, in einer kühleren Umgebung (unter etwa 25 °C Raumtemperatur) erfolgen. Die Injektionsstelle (Haut) sollte während und nach der Injektion keiner direkten Hitze oder Sonne ausgesetzt werden.

Durch das Gesundheitspersonal sollten diese Patienten und Patientinnen ebenfalls darüber informiert werden, dass bei Hitze das Risiko eines verminderten Hungergefühls mit geringerem Insulinbedarf besteht. Ebenso dass kurz wirksame Insuline verstärkt wirken können und so insgesamt ein höheres Risiko für Unterzuckerungen besteht. Als Hintergrund wird angegeben, dass durch die hitzebedingt verstärkte Hautdurchblutung kurz wirksames Insulin schneller wirkt und so ein Unterzucker begünstigt werden kann.

CALOR-Liste: Metformin

Im Fall von Metformin rät die CALOR-Liste Ärzten und Ärztinnen, bei erstmaliger Verschreibung insbesondere bei Hitzewarnungen mit einer möglichst geringen Dosis zu beginnen und diese nur langsam zu steigern, um die Nebenwirkungen im Verdauungstrakt (z. B. Durchfall) mit Risiko der Austrocknung (Dehydratation) vorzubeugen.

Bei Patienten und Patientinnen mit Einnahme von Metformin und SGLT-2-Hemmern (eine weitere Wirkstoffgruppe zur Behandlung des Typ-2-Diabetes) sollte das Gesundheitspersonal im Vorfeld und bei Hitzewarnungen zu einer individuell ausreichenden Flüssigkeitszufuhr beraten und bei Anzeichen von Dehydratation im Hinblick auf eine sinnvolle Verminderung der Dosis diese Menschen ärztlich vorstellen.

Auch sollte man Patienten und Patientinnen, die nur Metformin einnehmen, vor und bei Hitzewarnungen auf Warnsymptome wie Durchfall aufmerksam machen. Der Hintergrund ist, dass bei Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich wie Durchfall das Risiko, auszutrocknen, erhöht ist und dies gerade am Beginn einer Metformin-Therapie.

Einbinden von Patienten und Patientinnen

Die aktuelle CALOR-Liste ist noch auf das Gesundheits-Personal mit weitreichendem Wissen zu Wirkstoffen bzw. Wirkstoffklassen und medizinischen Fachbegriffen ausgelegt. In einem nächsten Schritt soll, basierend auf der CALOR-Liste, Informationsmaterial für Patienten und Patientinnen erstellt werden.

Das Material soll so gestaltet werden, dass es die Gesundheits-Kompetenz im Bereich der sicheren Einnahme von Arzneimitteln in Hitze-Perioden stärkt. Dies soll von medizinischen Fachkräften sowie Patienten und Patientinnen gemeinsam erfolgen.

Die erste Phase besteht dabei aus Einzel-Interviews mit mindestens fünf Patienten und Patientinnen. Wobei Erfahrungen und Vorkenntnisse zum Thema ermittelt werden und die CALOR-Liste durch die Interviewten begutachtet wird. Daraus werden in Phase 2 die Anforderungen an das Informationsmaterial durch Auswerten der Interviews erarbeitet.

In der dritten Phase sollen in einem moderierten Workshop mit den Interviewten und weiteren Patienten und Patientinnen nach Präsentation der Ergebnisse aus Phase 1 und 2 konkrete Ideen für Sprache, Design und die praktische Umsetzung gesammelt werden. In der vierten Phase sollen mit Hilfe des Instituts für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln die Ergebnisse der vorangegangenen Phasen zusammengeschrieben werden. Das jetzt schon integrierte Werbe-Unternehmen setzt dann einen ersten Entwurf des Materials um.

Ein qualitatives Testen des Entwurfs durch Interviews mit den Patienten und Patientinnen des Entwicklungsteams und weiteren vorher nicht beteiligten Patienten und Patientinnen erfolgt dann in der letzten Phase. Darauf basierend soll im Anschluss das Endprodukt umgesetzt werden.

Auswahl der Medikamente

Nach der Vorstellung der Methodik machten sich vier Gruppen erste Gedanken um generelle Inhalte des Materials. Alle Gruppen fanden es wichtig, nicht nur die Wirkstoffklasse zu benennen, sondern auch die entsprechenden Handelsnamen sowie eine grundsätzliche Information, dass Hitze in Bezug auf Medikamente ein Risiko darstellen kann. Wichtig seien auch Informationen über mögliche bei Hitze auftretende Symptome von ungewollten Nebenwirkungen. Neben spezifischen Informationen soll es auch einen digitalen Zugriff für alle auf die gesamte CALOR-Liste geben.

Sobald Patienten und Patientinnen für die Interviews konkret gesucht werden, wird dies über die Zeitschrift DIABETIKA unseres Vereins sowie „Kurz und Knapp“, unsere regelmäßige Informationsschrift, veröffentlicht werden. Über eine Teilnahme würde sich das Projekt freuen.


von Sabine Härter

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 78-79

➤ zur Beitragsübersicht von Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes – LV NRW e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes verstehen – neu gedacht | Teil 3: Der unsichtbare Stoffwechsel – was Glukosewerte nicht zeigen
Im zweiten Teil dieser Serie stand Insulin bildlich an der Kellertür: Je geringer seine Wirkung ist, desto leichter kann der Körper auf seine Fett-Reserven zugreifen. Gewicht können wir messen. Glukosewerte können wir rund um die Uhr verfolgen. Aber was hinter der Kellertür passiert, bleibt weitgehend unsichtbar.
KI-generierte Illustration mit drei Kurvenverläufen für Glukose, Insulin und Ketone an einer Wand, davor ein leerer Teller, ein Glas Wasser und bunte Gummibärchen auf einer Tischplatte.

4 Minuten

Sommer, Sonne, Selbsthilfe in Bad Nauheim: Mit Engagement, Sachkenntnis und Herzblut
In Bad Nauheim gehört die Selbsthilfemeile zum festen Sommerprogramm. Die Diabetiker Hessen sind traditionell mit von der Partie in der Kurstadt.
An einem Informationsstand unter einem Pavillon berät eine Frau im weißen Kittel eine Besucherin. Auf dem Tisch liegen Broschüren und Materialien zur Blutzuckermessung.

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂