Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Lernen, lachen, loslassen – und dem Diabetes nicht ausgeliefert sein

3 Minuten

Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Lernen, lachen, loslassen – und dem Diabetes nicht ausgeliefert sein | Foto: DNI
Foto: DNI
Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Lernen, lachen, loslassen – und dem Diabetes nicht ausgeliefert sein

Vier Tage drehte sich alles um Entlastung, Wissen und Community: Bei unserem Eltern-Kind-Wochenende zu Himmelfahrt wurde Diabetes Typ 1 zum Gemeinschaftsthema.

Einfach mal rauskommen, durchatmen, austauschen – das konnten über 30 Familien mit einem an Typ-1-Diabetes erkrankten Kind beim Eltern-Kind-Wochenende der Diabetiker Niedersachsen. Bei frühsommerlichem Wetter traf man sich vom Himmelfahrts-Donnerstag bis Sonntag im idyllischen Jugend-, Bildungs- und Freizeit-Centrum (JBFC) Obernkirchen, um gemeinsam Kraft zu tanken. Während die Kinder sicher betreut spielten, entdeckten und lernten, konnten sich die Eltern auf eine Auszeit der besonderen Art einlassen – voller Inspiration, Austausch und praktischer Erkenntnisse.

Zwischen Rückenwind und Feierabend

Gleich mehrfach lud Entspannungstrainerin Claudia Kümmel dazu ein, den inneren Akku neu zu laden. Ob in „Rückenwind“ oder beim Workshop „Die große Kraft der kleinen Pausen“ – Eltern lernten, wie Mini-Auszeiten guttun und sich auch nachhaltig im Alltag integrieren lassen. Die Teilnehmer-begrenzten Workshops waren so gefragt, dass sie teilweise spontan ein zweites Mal angeboten wurden.

Mit dem „Feierabendgespräch“ bot sich ein intimer und offener Austausch. Diabetologin Dr. Katja Schaaf hörte zu, gab Impulse – und viele gingen mit einem leichteren Herzen ins Bett. Ihre Kompetenz war am gesamten Wochenende gefragt, etwa beim Workshop „Notfall: Von der Pumpe zum Pen“ oder in der Veranstaltung „Wie funktionieren Ketone?“, in der Diabetesberaterin Leyla Herzallah fundiertes Wissen praxisnah vermittelte.

Große Freude in Obernkirchen.
Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Die vielen Angebote sorgten für viel Freude bei den Kindern. | Foto: DNI

FPE, Ernährung und die Pubertät

Auch klassische „Therapiebaustellen“ kamen nicht zu kurz. In ihrem Workshop zu „Fett-Protein-Einheiten“ brachte Diabetesberaterin Leyla Herzallah Licht ins Dunkel eines Themas, das viele Eltern seit Jahren umtreibt. Und wer Lust auf konkrete Küchen-Erlebnisse hatte, konnte mit Ernährungsberaterin Regina Kröger im Kurs „Gemeinsam satt: Kreative Hausmannskost“ mit den Kindern den Kochlöffel schwingen – inklusive finaler Kostprobe.

Für Jugendliche bot das Trio Dr. Katja Schaaf, Leyla Herzallah und Maren Sturny, Mutter einer Tochter mit Typ-1-Diabetes, eine kraftvolle Botschaft: In „Scheiß drauf, was die anderen sagen“ ging es um Selbstbewusstsein, soziale Ängste und das Ringen um Normalität – ganz ohne Eltern. Auch für die Kleineren wurde das emotionale Thema greifbar. Der Workshop „Das Dia-Monster im Griff behalten“ half, Gefühle rund um den Diabetes zu verstehen und ihnen mit Mut und Optimismus zu begegnen.

Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Auch die jüngeren Kinder lernten viel in den zahlreichen Workshops. | Foto: DNI
Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Auch die jüngeren Kinder lernten viel in den zahlreichen Workshops. | Foto: DNI

Mehr aus unserer Typ-F-Arbeit

Spiel, Kreativität und Bewegung

Während Eltern, ältere Kinder und Jugendliche sich austauschten und weiterbildeten, waren die Kleinsten keineswegs auf sich gestellt. Pädagogisch wertvolle Angebote wie „Kreativ mit Steinen“ von Pädagogin Angie Borchardt und „Kohlenhydratkompass selbst gestalten“ mit Typ-F-Selbsthilfegruppenleiterin Maren Ruhmann sorgten für Spaß und bleibende Erinnerungen. Gleichzeitig wurde die eigene Resilienz gestärkt – etwa im bereits erwähnten „Dia-Monster“-Workshop oder beim Kochen mit Regina.

Wer noch Energie hatte, konnte beim „Tango für alle“ mit Tanzlehrerin Claudia Rogowski das Tanzbein schwingen – eine Übung in Körpergefühl und Achtsamkeit, bei der am Ende so mancher völlig überrascht war, wie flüssig die Schritte schon saßen. Eine Vorführung des Erlernten war da obligatorisch.

Tango in Obernkirchen
Eltern-Kind-Wochenende in Obernkirchen: Beim Tangokurs kam es auf Körpergefühl und Achtsamkeit an. | Foto: DNI

Ein Wir-Gefühl, das trägt

Neben all der Weiterbildung blieb natürlich genügend Raum für das, was solch ein Wochenende besonders macht: Lachen, Geselligkeit, neue Freundschaften. Ob beim gemeinsamen Kaffeetrinken auf der Terrasse, beim Zusammentreffen am Feuerkorb oder beim Toben auf der Hüpfburg – das gute Wetter, die entspannte Atmosphäre und das geteilte Wissen um die Herausforderungen des Diabetes schufen schnell ein Wir-Gefühl, das trägt.

Fazit: Mit dem Diabetes ist man nicht allein

Unser Eltern-Kind-Wochenende hat einmal mehr gezeigt: Wenn Gemeinschaft auf Fachwissen trifft, wenn Kinder ernst genommen und Eltern entlastet werden, entsteht ein Raum, in dem Veränderung beginnt. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit Vertrauen, Zugewandtheit und einer Prise Leichtigkeit. Und die wichtigste Erkenntnis nach vier Tagen? Dass man mit dem Diabetes weder allein noch ihm ohnmächtig ausgeliefert ist.


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (8/9) Seite 76-77


zur Beitragsübersicht von Diabetiker Niedersachsen e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Landesdiabetestag 2026 in Wilhelmshaven: „Von Harz bis Nordsee – Diabetes im Blick“

Entdecken, mitreden, erleben – der Landesdiabetestag 2026 kommt! Unter dem Motto „Von Harz bis Nordsee – Diabetes im Blick!“ erwartet die Besucher in Wilhelmshaven ein Tag voller Wissen, praktischer Impulse und spannender Einblicke rund um Diabetes. Lassen Sie sich inspirieren, tauschen Sie sich aus und holen Sie sich neue Ideen für Alltag, Therapie und Prävention.
Landesdiabetestag 2026 in Wilhelmshaven: „Von Harz bis Nordsee – Diabetes im Blick“ | Foto: DNI

2 Minuten

Familienwochenende: Zeit für Austausch, Bewegung und Aufatmen

Ein Familienwochenende von Diabetiker Thüringen e.V. bietet im März 2026 Gelegenheit für Austausch, Bewegung und Entlastung. Familien mit einem Kind mit Diabetes können sich informieren, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Aktivitäten am Bleiloch‑Stausee erleben.
Familienwochenende: Zeit für Austausch, Bewegung und Aufatmen | Foto: SEZ Kloster

< 1 minute

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Tagen, 21 Stunden

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 3 Tagen, 20 Stunden

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

  • cina_polada postete ein Update vor 1 Woche

    Hi, ich bin Julija und komme aus Frankfurt. Vor ein paar Wochen wurde bei mir Diabetes Typ 2 mit gerade mal 33 Jahren diagnostiziert.. Kämpfe im Moment noch sehr mit der Diagnose und würde mich über etwas Austausch sehr freuen 🙂

Verbände