Worte, die stark machen – ein Interview mit Huda Said (Teil 1)

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Worte, die stark machen – ein Interview mit Huda Said (Teil 1)
Steckbrief

Name: Huda El Haj Said
Alter: 19 Jahre
Heimatort/Wohnort: Lüneburg
Diabetes seit: 2009
Therapie mit: CGM-System von Dexcom und Insulinpumpe Omnipod
Beruf: Huda El Haj Said hat vor Kurzem als Vorbereitung auf ein Medizinstudium im Krankenhaus ein Praktikum gemacht. Inzwischen hat sie einen Studienplatz in Hannover bekommen und wird im Herbst ihr Medizinstudium beginnen. Ansonsten ist sie als Autorin aktiv: Sie schreibt auf ihrer Seite „www.worteausglas.de“ und für die Blood Sugar Lounge „(DIAlog)“, ist Poetry-Slammerin, hat einen Roman („Die Stille der Unendlichkeit“) und einen Poesieband („Die Worte aus Glas“, beide Bücher sind im Verlag Wreaders erschienen) veröffentlicht, zeichnet und tritt mit ihren Texten bei Poetry-Slams auf.

In der Diabetes-Community Blood Sugar Lounge hat sich Huda El Haj Said durch ihre DIAlog-Texte einen Namen gemacht, in denen sie mit ihrem Diabetes auf oft witzige, ungewöhnliche und erhellende Weise kommuniziert. Aber auch sonst hat sie viel zu sagen …

Huda, wie wurde bei Dir 2009 der Diabetes festgestellt?

Huda El Haj Said: Es gab die typischen Anzeichen: Ich habe unglaublich viel getrunken, bin ständig auf Toilette gegangen, habe viel Gewicht verloren. Natürlich wurden meine Eltern stutzig. Wir sind zum Hausarzt gegangen, der hat den Blutzucker gemessen. Der Wert lag bei 500 ml/dl (27,8 mmol/l), und ich kam direkt für zwei Wochen nach Hamburg ins Wilhelmstift. Und seitdem ist der Diabetes mit dabei.

„Der (Blutzucker-)Wert lag bei 500 ml/dl (27,8 mmol/l).“

Hast Du eine Pumpe bekommen?

Huda El Haj Said: Zwei, drei Jahre habe ich mit Pens gespritzt. Im Krankenhaus wurde gesagt, ich wäre zu alt für eine Pumpe; das würde die Krankenkasse nie genehmigen. Wir haben dann eine Praxis in Lüneburg gesucht, einfach auch, weil es näher dran ist. Meine Diabetesberaterin dort meinte, dass ich natürlich probieren kann, eine Pumpe zu bekommen. Nach einer Weile hat es geklappt; seit 2011 habe ich eine Pumpe, erst eine Accu-Chek Spirit Combo und seit mittlerweile drei Jahren die Patch-Pumpe Omnipod von Insulet.

Quelle: Huda El Haj Said

Kannst Du Dich erinnern, wie Du auf die Diagnose reagiert hast?

Huda El Haj Said: Ich selbst kann mich nur noch bruchstückhaft erinnern. Nach dem, was mir meine Eltern erzählt haben, habe ich es in dem Moment einfach akzeptiert. Es gab keinen großen Wutanfall oder Tränen. Natürlich war ich am Anfang verwirrt, weil ich nicht wusste, was jetzt los ist. Aber die Schwestern im Krankenhaus waren alle nett, und ich habe mich gefreut, wenn ich gelobt wurde, weil ich etwas schnell verstanden habe oder schnell gut umsetzen konnte. Die Probleme kamen erst später, als ich älter wurde.

Was waren das für Probleme?

Huda El Haj Said: Es kam eine Phase, in der ich keine Lust auf die Diabetestherapie hatte. Ich hatte da zwar schon eine Pumpe und war auch glücklich damit, aber irgendwie hat es mich doch gestört, dass etwas an mir dranhing und mir ständig dieser blöde Diabetes in mein Leben funkte. Ich war 13 oder 14, als es damit anfing, dass ich nicht mehr so genau gespritzt, nicht mehr so genau gemessen habe. Dabei war das Messen das größere Problem. Und weil ich oft nicht wusste, wie mein Wert war, hatte ich auch keine Ahnung, wie ich richtig korrigieren musste. Und dann habe ich nicht mehr gemessen, aus Angst davor, wie hoch der Wert jetzt wahrscheinlich ist – das war wie eine Spirale, die sich immer weiter gedreht hat.

Natürlich hatten meine Eltern ein Auge auf mich und ich ging auch weiterhin zu meinem Diabetologen. Deshalb hat es nur ein paar Wochen gedauert, bis alles aufflog. Aber es hat lange gebraucht, bis ich nicht immer wieder einmal in dieses Muster zurückgefallen bin. Es ist nicht so, dass ich nur einmal in so einer Phase war, sondern über die Jahre war es immer wieder einmal so, dass es ein paar Wochen lang gut ging, ich dann meine Therapie aber auch sehr schnell wieder vernachlässigt habe und mich einfach nicht damit auseinandersetzen wollte. Mir war zu jedem Zeitpunkt klar, dass das nicht o.k. ist, aber auch heute kann ich mir nicht wirklich die Schuld dafür geben: Ich war ein Kind und musste plötzlich diese Riesen-Verantwortung mit mir herumschleppen, ohne die Möglichkeit, mal zu sagen: „Ich kann nicht mehr.“

„Es hat lange gebraucht, bis ich nicht immer wieder einmal in dieses Muster zurückgefallen bin.“

Wie haben Deine Eltern reagiert?

Huda El Haj Said: Sie haben immer versucht, mein Verhalten zu verstehen und mich zu unterstützen, standen mir aber natürlich mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber. Ich wiederum hatte ihnen gegenüber Schuldgefühle. Für sie ist das Wichtigste, dass es mir so gut geht wie möglich und dass ich möglichst lange gesund bleibe. Es tat ihnen weh, zu sehen, dass ich mich nicht so um den Diabetes kümmere, wie ich es tun müsste. Ich wusste das, und das hat es für mich noch schwerer gemacht. Zu dem Druck durch den Diabetes war zusätzlich der Druck der Familie da, die man nicht enttäuschen möchte.

Quelle: Huda El Haj Said

Zweimal war es dann auch so schlimm, dass ich im Krankenhaus war, weil der Blutzucker viel zu hoch war. Danach habe ich darauf geachtet, dass es nicht mehr so schlimm wird. Der erste große Umschwung kam, als ich 2017 das CGM-System bekam. Plötzlich konnte ich mich nicht mehr vor meinen Werten verstecken; ich war gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen. Das hat mir geholfen, und es war für mich auch ein Ansporn, einen schönen Wert auf dem Display stehen zu haben. Das war der erste Schritt, und ich war mit 16 Jahren auch schon reflektierter. Die Werte waren nach wie vor nicht gut, aber nicht mehr ganz so katastrophal. Und ich hatte nicht mehr die Haltung „Ich will absolut nichts mit dem Diabetes zu tun haben“.

Das Ganze ist ein Prozess – und das ist mit die größte Erkenntnis, die ich aus den 11 Jahren gezogen habe. Es war einfach notwendig. Damit meine ich nicht die Art und Weise, wie das Ganze geschehen ist. Dass das nicht richtig lief und absolut nicht gesund, sondern gefährlich war, ist keine Frage und hätte sicherlich vermieden werden können. Aber das Rebellieren gegen den Diabetes ist eng damit verbunden, überhaupt richtig zu begreifen, was es eigentlich bedeutet, ein Leben lang mit Diabetes zu leben. Hätte ich diese Erkenntnis auch auf einfacheren Wegen erlangen können? Definitiv. Die Phase war anstrengend und schmerzhaft und hat die Beziehung in der Familie durchaus auf eine Probe gestellt. Es war keine schöne Zeit, natürlich nicht, und es ging mir auch nicht gut damit, meine Eltern anzulügen und vor ihnen zu verbergen, dass ich nicht gemessen und nicht gespritzt hatte.

„Dass das nicht richtig lief und absolut nicht gesund, sondern gefährlich war, ist keine Frage und hätte sicherlich vermieden werden können.“

Aber Tatsache ist: Diabetes ist nicht einfach. Und darum bin ich trotz allem froh, dass auch die schwierige Zeit mich zu dem Punkt gebracht hat, an dem ich jetzt tatsächlich sagen kann: Es ist o.k. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, dann immer mit ein bisschen Scham, aber ich kann es mir auch nach wie vor nicht übelnehmen. Wenn ich daran denke, denke ich an das kleine Mädchen, das sich in dem Moment einfach nur absolut überfordert gefühlt hat. Ich kann nicht wütend auf es sein, sondern möchte ihm sagen: „Es wird irgendwann wieder o.k. Aber jetzt musst du da durch, egal, wie schwer es ist.“

Wie der Diabetes ihre Persönlichkeit beeinflusst, was ihr das Schreiben bedeutet und warum schlechte Tage sie endlich nicht mehr so negativ beeinflussen, erfahrt Ihr im zweiten Teil des Interviews, der am 15. Oktober 2020 erscheint.

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  • wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 34 Minuten

    Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 6 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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