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Digitalisierung und Diabetes-Technologie: die neuesten Trends vom Diabetes Kongress 2023
4 Minuten
Wir waren auf dem Diabetes Kongress, der letzte Woche in Berlin stattgefunden hat, um für Euch über die aktuellsten Neuheiten und Entwicklungen in der Diabetologie zu berichten. Ein vielbesprochenes Thema war die Diabetes-Technologie, die im Verbund mit der voranschreitenden Digitalisierung für Menschen mit Diabetes mittlerweile einen großen Stellenwert eingenommen und viele Vorteile gebracht hat.
Auf dem von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ausgerichteten „Diabetes Kongress“ vom 17. bis 20. Mai in Berlin kamen auch dieses Jahr wieder Tausende Teilnehmende aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen, Forschungsergebnisse und Behandlungskonzepte rund um das Thema Diabetes auszutauschen. Viele weitere haben sich zudem online dazugeschaltet, da einige der Vorträge und Symposien auch live übertragen wurden.
Die Tagung richtet sich vornehmlich an Personen, die Menschen mit Diabetes behandeln und versorgen oder zum Diabetes forschen, aber auch Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Selbsthilfegruppen, aus der Industrie und den Medien waren vor Ort – so auch das Diabetes-Anker-Team, um für Euch zu berichten.
Fortschritte bei der Digitalisierung und der Diabetes-Technologie, durchwachsene Ergebnisse bei der klassischen Blutzuckermessung
Bei der Weiterentwicklung von Diabetes-Technologie und digitalen Hilfsmitteln gab es gerade in den letzten Jahren große Sprünge nach vorne. Technische Hilfsmittel zur Glukosemessung, zur Insulin-Injektion und dem dazugehörigen Datenmanagement sind insbesondere für Menschen, die ihren Diabetes mit Insulin behandeln, heutzutage nicht mehr wegzudenken. Aber auch bei Apps für die Unterstützung des Diabetesmanagements und bei Blutzuckermessgeräten für Menschen ohne Insulintherapie gibt es Fortschritte. Denn all das bietet den Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, den Diabetes individueller zu behandeln und somit nicht nur für optimalere Therapie-Ergebnisse, sondern auch für eine bessere Lebensqualität zu sorgen.

„Bei der klassischen Blutzuckerbestimmung mit Geräten zur Selbstmessung ist die Qualität der verfügbaren Produkte noch immer gemischt“, erklärte Dr. Sandra Schlüter, niedergelassene Diabetologin aus Northeim und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Technologie“ (AGDT) der DDG, auf der Pressekonferenz im Rahmen des Diabetes Kongresses. „Während es sehr genaue Messsysteme gibt, erfüllen einige auf dem Markt befindliche nicht die Anforderungen.“ In einer Studie wiesen drei von sieben Blutzuckermesssystemen, deren Teststreifen von gesetzlichen Krankenkassen zur Verschreibung empfohlen werden, nicht die erforderliche Präzision auf. „Für Furore sorgen immer wieder Innovationen zur nicht-invasiven (wörtlich „nicht-eindringend“, also eine Messung ohne Blut; Anm. d. Red.) Glukosemessung, die sich zum Beispiel spektroskopische Techniken mittels Infrarotlicht zur Glukosebestimmung zunutze machen“, ergänzte Schlüter. Allerdings seien diese derzeit in der Regel für einen Einsatz im Diabetesalltag noch nicht geeignet, so die Expertin für Diabetes-Technologie.
Digitalisierung und Technologie auf dem Diabetes Kongress: Entwicklungen bei CGM-Systemen und smarten Insulinpens
Positiver mutet für sie der Fortschritt bei der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) an. Die Entwicklungen der CGM-Systeme gehen hin zu einer höheren Genauigkeit und Zuverlässigkeit, längerer Tragedauer und weniger Kalibrationen. Die Möglichkeit, die erhobenen CGM-Daten zu übertragen, bietet den Anwenderinnen und Anwendern zudem den Vorteil, sich aus der Ferne und kontaktlos von ihrem behandelnden Diabetesteam beraten zu lassen. „Diese Form der Telemedizin wurde vermehrt während der Corona-Pandemie genutzt, wird aber sicherlich auch zukünftig eine Rolle in der Praxis und Klinik spielen“, ist Dr. Schlüter überzeugt.
Weitere Themenschwerpunkte auf dem Diabetes Kongress
Auch zur Blutzuckerkontrolle und Gewichtssenkung, die im Verbund einen Typ-2-Diabetes sogar längerfristig zum Stillstand bringen können, gab es Neuigkeiten auf dem diesjährigen Diabetes Kongress. Hier gibt es neue Daten zu den Effekten einer Lebensstilanpassung und neuartige Medikamente zur Unterstützung. Einen ausführlichen Bericht dazu findest Du hier.
Die meisten insulinbehandelten Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes benutzen zur Verabreichung des Hormons einen Insulinpen und auch hier gibt es große technische Fortschritte. Die Diabetologin erklärt: „Die Entwicklung hin zu ‚smarten‘ Pens, beispielsweise mit Speicher-, Erinnerungs- oder Datenübertragungsfunktion ist in vollem Gange.“ Smarte Pens können die Injektionsdaten an Apps übermitteln, welche wiederum Glukosemessdaten mit den Insulindaten abgleichen, in einem Bolusrechner nutzbar machen und möglicherweise in naher Zukunft darauf abgestimmt Therapieempfehlungen geben können.
Innovative Diabetes-Technologien: Barrieren aus dem Weg räumen – und ohne Schulung ist alles nichts
Ähnlich dynamisch ist die Entwicklung bei der automatisierten Insulindosierung (AID), die aus einem CGM-System, einer Insulinpumpe und einem Algorithmus zur Steuerung besteht. „Bei AID-fähigen Insulinpumpen mit kompatiblen CGM-Systemen kommt es derzeit noch zu Problemen bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen“, kritisierte Dr. Schlüter. „Wenn eine AID-fähige Insulinpumpe keine Kostenzusage für das dazugehörige CGM-System erhält, kann die Algorithmussteuerung nicht genutzt werden.“ Solche Barrieren gelte es schnellstmöglich aus dem Weg zu räumen, ebenso andere regulatorische Vorgaben, die einen konstruktiven Austausch zwischen Anwendenden, Praxen, Kliniken und Krankenkassen verhindern. Dies betreffe auch die Kommunikationsfähigkeit der angebotenen Technologien untereinander – hier fordern Expertinnen und Experten wie Dr. Schlüter Interoperabilität, offene Schnittstellen sowie Plattformen zur Zusammenarbeit.
Doch innovative Technologie für sich alleinstehend löst nicht alles. Für die korrekte Anwendung von Diabetestechnologien und den daraus gewonnen Daten seien intensive Schulungen und Beratungen unumgänglich. „Technik ist nicht unfehlbar und kann ausfallen oder fehlerbehaftet sein“, betonte Dr. Schlüter. „Für insulinbehandelte Menschen mit Diabetes ist es wichtig, sie zu verstehen, richtig einzusetzen, die korrekten Rückschlüsse für therapeutische Konsequenzen zu ziehen und im Notfall auch ohne sie ihre Selbsttherapie durchführen zu können.“ Auch für die Diabetesbehandlungsteams ändern sich die Anforderungen. „Das Fachpersonal benötigt regelmäßig unabhängige Fortbildungsmöglichkeiten und Angebote für eine strukturierte Weiterbildung“, forderte die Diabetologin abschließend.
von Redaktion Diabetes-Anker
mit Materialien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
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bloodychaos postete ein Update vor 5 Tagen, 13 Stunden
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri

Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGM
Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.