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Katharina Weirauch im Interview: Auch mit Diabetes „so viel Freude am Leben“
11 Minuten
Zuerst war Katharina Weirauch gefühlt ganz allein auf der Welt mit ihrem Typ-1-Diabetes. Heute, 16 Jahre später, hat sich für die 33-Jährige sehr viel verändert. Die Zeit hat ihr gezeigt, dass es viele Menschen mit ihrer Erkrankung gibt – und dass sie selbstbewusst und auch mit Freude zu ihrem Leben mit Diabetes stehen kann.
Im Interview: Katharina Weirauch
„Ich habe so viel Bock auf das Leben und so viel Freude am Leben, dass ich versuche, aus den meisten Situationen einfach das Beste zu machen. Und ich habe einfach gerne Spaß.“
Diese Einstellung hilft Katharina Weirauch in ihrem Leben, in dem sie nicht nur einen Typ-1-Diabetes unterbringen muss, sondern auch weitere Erkrankungen. Diese grundsätzliche Lebensfreude strahlt sie auch aus, wenn man mit ihr spricht.

Bloggen als Ventil
Bis es aber so weit war, dass das ehemalige Nordlicht und die heutige Mainzerin den Diabetes auch als Teil ihres Lebens akzeptieren konnte, dauerte es etwas. Geholfen hat ihr dabei unter anderem ihr eigener Blog „Nerven aus Zuckerwatte“: „Er war Teil meiner ganzen Akzeptanzreise und auch ein Ventil.“ Die Reise war auch deshalb zu Beginn schwierig, weil sie lange keine anderen Menschen mit Typ-1-Diabetes kannte: „Ich hatte das Gefühl, ich bin der einzige Mensch auf der Welt.“ Das war im Jahr 2008, sie war 17 Jahre alt.
Welt von vielen Menschen mit Diabetes eröffnet
Kontakte zu anderen Menschen mit Typ-1-Diabetes bekam sie zuerst über eine Facebook-Gruppe, hielt sich hier aber sehr zurück, weil sie eher schüchtern war. Aber sie wagte es und fing an, sich mit einer anderen Teilnehmerin der Gruppe zu vernetzen – „und so hat sich mir diese Welt von ganz, ganz vielen Menschen mit Diabetes eröffnet“. Heute arbeitet Katharina Weirauch im Diabetes-Bereich, ist sehr aktiv in der Diabetes-Community und steht selbstbewusst zu ihrem Diabetes, wenn zum Beispiel eins ihrer Diabetes-Hilfsmittel mal wieder piept: „Es ist einfach gar nicht so schlimm, wenn es mal um mich geht und wenn Menschen mich sehen und hören.“
Diabetes-Anker: Katharina, als du Diabetes bekamst, ahntest du da, wie viele andere Menschen es gibt, die auch Diabetes haben?
Katharina Weirauch: Auf gar keinen Fall. Ich habe mich komplett allein gefühlt mit meiner Diagnose. Da habe ich noch auf dem Dorf gewohnt, musste in die nächstgrößere Stadt und war da in einer Diabetes-Praxis, in der ich auch noch die einzige Typ-1erin war. Da war für mich Diabetes das, was die „alten, übergewichtigen Menschen“ haben. Das war in der Zeit noch so in meinem Kopf. Und ich hatte das Gefühl, ich bin der einzige Mensch auf der Welt.
DA: Wann wurde deine Diagnose Typ-1-Diabetes gestellt?
Katharina Weirauch: Im Januar 2008, da war ich 17.
DA: Du wurdest doch wahrscheinlich direkt nach der Diagnose geschult. Wenn du die einzige mit Typ-1-Diabetes in der Praxis warst, wie lief das denn dann?
Katharina Weirauch: Ich wurde mit Typ-2ern geschult. Ich habe auch tatsächlich am ersten Tag ein Typ-2er-Kochbuch mit nach Hause bekommen. Meine Schulung damals ging vier Tage. Ich habe an einem Montag die Diagnose bei meinem Hausarzt bekommen, bin dann dienstags in die Diabetes-Praxis, habe da dann auch das erste Mal Insulin gespritzt, hatte da mehr oder weniger eine Einzelschulung und dann die restlichen drei Tage mit Typ-2ern zusammen.
DA: Du warst am Montag beim Hausarzt und einen Tag später erst in der Diabetes-Praxis, wo du Insulin bekommen hast. Dann ging es dir gar nicht so schlecht, oder?
Katharina Weirauch: Nein. Inzwischen kenne ich ja viele, viele Geschichten von anderen Menschen und glaube, da hatte ich einfach viel Glück. Mein Hauptproblem war damals dieser unfassbare Durst und sehr viel Wasserlassen. Aber ich erinnere mich nicht, dass ich meine Erschöpfung oder so extrem krass gespürt hätte. Für mich stand damals ganz im Vordergrund, dass ich so viel abgenommen hatte, sodass mir eigentlich alles andere egal war, weil ich dachte: „Endlich bin ich dünn.“
„Ich habe relativ lange an den Pens festgehalten, weil ich dachte, mich mit einer Pumpe irgendwie einzuschränken.“
DA: Hattest du denn schon den Verdacht, dass es ein Diabetes sein könnte, oder warst du völlig ahnungslos?
Katharina Weirauch: Meine Mutter hatte den Verdacht und hat mich deswegen zum Arzt geschickt, hat mir den Verdacht aber nicht gesagt. Für mich kam es wirklich aus dem Nichts, meine Mutter hatte es tatsächlich erwartet.
DA: Wie ich weiß, ist deine Mutter im Medizinsektor tätig…
Katharina Weirauch: Genau, sie ist ausgebildete Krankenschwester.
DA: Mit welcher Therapie hast du damals begonnen?
Katharina Weirauch: Mit einer klassischen ICT.
DA: Mit Pens und Blutzuckermessung?
Katharina Weirauch: Genau.
DA: Wie hat sich das entwickelt bis zum heutigen Tag?
Katharina Weirauch: Ich habe relativ lange an den Pens festgehalten, weil ich dachte, mich mit einer Pumpe irgendwie einzuschränken, einfach dadurch, dass sie da ist. Jetzt muss ich selber rekapitulieren: Es gab ja 2016 diesen großen Umbruch mit der Hilfsmittelverordnung mit den CGMs und dann habe ich das FreeStyle Libre bekommen. Und als das dann an mir klebte, habe ich einfach gemerkt, dass allein das so viel Erleichterung bringt, obwohl es ständig da ist, dass mir das die Angst oder den Respekt vor einer Pumpe ein bisschen genommen hat. Im Mai 2016 habe ich dann meine erste Pumpe bekommen.
DA: Das ging ja dann doch sehr schnell.
Katharina Weirauch: Genau. Inzwischen bin ich mit dem Loop von der YpsoPump unterwegs, mit dem CamAPS FX, mit dem Sensor von Dexcom.
„Dann bin ich irgendwie in die Blood Sugar Lounge gekommen und so hat sich mir diese Welt von ganz, ganz vielen Menschen mit Diabetes eröffnet.“
DA: Und du bist damit zufrieden und glücklich?
Katharina Weirauch: Prinzipiell ja. Es ist einfach ein komplett anderes Leben als vor 15 Jahren. Für mich war dieses ständige In-die-Finger-Stechen ein Problem – meine Finger waren so kaputt und so fertig. Es ist einfach ein ganz anderes Leben mit dieser Technik. Leider gehöre ich zu den Menschen, die Pflasterallergien haben, weshalb es für mich auch nicht komplikationsfrei ist. Aber prinzipiell bin ich schon sehr, sehr dankbar für diese Möglichkeiten heute.
DA: Du bist ja seit Längerem auch in der Community sehr aktiv. Wann und wie bist du in die Diabetes Community eingetaucht?
Katharina Weirauch: Ich weiß gerade tatsächlich gar nicht genau, wie der erste Schritt war. Ich weiß, dass ich über Facebook eine damals sehr bekannte und ich glaube auch immer noch sehr große Typ-1er-Gruppe gefunden habe und der beigetreten bin und dann auch irgendwie regional. Damals habe ich in Norddeutschland gewohnt. Irgendwie bin ich auch kleineren Runden gefolgt. Aber ich war super schüchtern. Für mich kam es nicht in Frage, einfach mal zu einem Stammtisch zu gehen oder was es da für Angebote gab.
Und dann, glaube ich, aber hundertprozentig erinnere ich mich nicht, habe ich tatsächlich aus dieser Diabetes-Gruppe eine, die auch in Hamburg wohnte, einfach angeschrieben und gesagt: „Hallo, das ist jetzt vielleicht hier komisch, aber ich bekomme immer mit, was du schreibst, und unsere Interessen sind irgendwie ähnlich und ich kenne niemanden mit Typ-1-Diabetes und – Hallo.“ Dann habe ich mich mit ihr auch getroffen und sie hat mir damals von der Blood Sugar Lounge erzählt. Ich glaube, zu dem Zeitpunkt hatte ich auch schon angefangen, selber zu bloggen. Und dann bin ich irgendwie in die Blood Sugar Lounge gekommen und so hat sich mir diese Welt von ganz, ganz vielen Menschen mit Diabetes eröffnet.
DA: Dein Blog ist ja „Nerven aus Zuckerwatte“. Was bedeutet dieser Blog für dich?
Katharina Weirauch: Er hatte mal eine ganz, ganz große Bedeutung im Sinne von: Er war Teil meiner ganzen Akzeptanzreise und auch ein Ventil. Und der hat mir ganz viele Türen geöffnet, sowohl beruflich als auch privat. Inzwischen habe ich kaum noch Zeit, mich richtig um diesen Blog zu kümmern. Da erscheint einmal im Jahr vielleicht noch ein Artikel, aber ansonsten ist da einfach im Moment nicht mehr so viel los.
Aber tatsächlich existiert er noch, weil ich immer denke, es wird irgendwann noch mal anders. Und irgendwie ist das im klassischen Sinne, wie solche Blogs ja damals auch aufgetaucht sind, wie ein Tagebuch, in dem ich auch selber immer noch sehen kann: So ging es mir vor so und so vielen Jahren, das war da los. Und ja, das ist was sehr Persönliches, was ich aber mit der ganzen Welt teile.
„Dieser Austausch war immer ganz, ganz wichtig und das Gefühl, nicht allein zu sein.“
DA: Spannend! Du hast eben gesagt, dass der Blog auch beruflich für dich was geöffnet hat. Kannst du das konkreter beschreiben?
Katharina Weirauch: Ich habe tatsächlich früher, als ich in der Schule war, nicht gedacht, dass ich beruflich das machen kann, was ich mag, nämlich hauptsächlich Schreiben und Kreativsein. Dann hat das mit dem Blog angefangen. Ich habe vorher schon immer viel geschrieben, aber nie irgendwas veröffentlicht, sondern das war immer so für mich.
Und dann habe ich angefangen, das auf dem Blog zu veröffentlichen, und habe damals relativ schnell verschiedene Anfragen bekommen, sowohl aus dem Diabetes-Bereich, aber auch aus dem Bereich Depression und psychische Erkrankungen, dass ich da angefragt wurde, auch Artikel zu teilen oder Interviews zu geben, auf einer Konferenz zu sprechen. Und tatsächlich war das, glaube ich, damals auch so meine Einstiegsmöglichkeit für die Blood Sugar Lounge, dass ich dann da schreiben konnte als Autorin und schließlich als Praktikantin auch beim Kirchheim-Verlag irgendwann aufgeschlagen bin und mich im Prinzip nie wieder so richtig verabschiedet habe.
DA: Und du bist ja jetzt auch noch in einer Agentur, die Diabetes-Kunden betreut?
Katharina Weirauch: Genau.
DA: Kannst du die Arbeit konkret beschreiben?
Katharina Weirauch: Es sind vor allem Kommunikations-Kampagnen, um die ich mich kümmere, und Community-Building, Community-Betreuung und Content-Kreation, unter anderem für Menschen mit Diabetes als Mensch mit Diabetes, was, glaube ich, einen besonderen Zugang ermöglicht, den man einfach auch in Alltagssituationen aufgreifen kann. Das ist das Hauptsächliche dabei.
DA: Du hast erwähnt, dass du früher sehr schüchtern warst. Das merkt man heute gar nicht mehr, wenn man dich spricht und sieht. Was oder wodurch hat sich das so stark verändert? Welche Rolle spielte die Community dabei?
Katharina Weirauch: Eine große. Aber tatsächlich spielt auch der Diabetes selbst eine große Rolle dabei, weil diese Krankheit – wahrscheinlich gilt das für viele chronische Erkrankungen, aber ich kann eben hauptsächlich von Diabetes sprechen – einen so sehr dazu zwingt, für sich einzustehen, dass man fast keine andere Wahl hat, als irgendwann sich für sich selber geradezumachen und auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Sei es der piepende Sensor im Kino oder irgendwas. Auf einmal hat man die Aufmerksamkeit auf sich und das passiert halt nicht nur einmal. Negativ formuliert stumpft man vielleicht irgendwann ab, positiv formuliert merkt man: Es ist einfach gar nicht so schlimm, wenn es mal um mich geht und wenn Menschen mich sehen und hören.
Um da den Bogen zur Community zu finden: Da ist eben dieses Bewusstsein, es gibt noch mehr. Gerade wenn wir bei dem Bild Kino bleiben: Im Kinosaal neben mir ist auch jemand, bei dem es piept. Dieser Austausch war immer ganz, ganz wichtig und das Gefühl, nicht allein zu sein. Und tatsächlich habe ich einfach durch die Diabetes-Community so viele tolle Menschen kennengelernt. Ich glaube inzwischen, mein erweiterter Bekanntenkreis besteht auf jeden Fall aus mehr Menschen mit als Menschen ohne Diabetes. Das hat mir ab einem bestimmten Punkt sehr viel Bestätigung gegeben, Bestätigung, dass das mit mir nicht alles falsch ist.
„Es ist anders als früher, aber ich würde es nicht als Problem sehen, aber die Community hat sich auf jeden Fall in eine neue Richtung weiterentwickelt.“
DA: Ich finde es spannend, wie du das eben formuliert hast, dass der Diabetes als solcher dich auch zu einem selbstbewussteren Menschen gemacht hat. Die Tatsache als solche, das ist wirklich wichtig, finde ich, dass man das auch nach außen kommuniziert.
Katharina Weirauch: Ich fand immer diesen Vergleich ganz spannend, wenn man im Grundschulalter oder im Übergang zur Pubertät eine Brille kriegt. Das ist für viele ja ganz schwer, diese Brille aufzusetzen, weil sie sich schämen. Irgendwann ist es dann aber im Idealfall besser und es ist nur eine Brille. Warum sollte mich jemand deswegen hänseln? Viele Menschen haben eine Brille auf – und ich ziehe es jetzt durch. Und so ähnlich war das mit meinem Diabetes, dass ich eben immer dachte: Oh nein, noch ein Grund mehr, dass Menschen mich schräg angucken können. Jetzt hantiere ich hier mit einem Pen rum und… oh nein, oh nein, oh nein. Irgendwann habe ich gemerkt, mir geht es besser, wenn ich es mir nicht selber schwerer mache.
DA: Guter Vergleich mit der Brille. Du hast sehr schön die vielen Vorteile der Diabetes-Community dargestellt. Siehst du auch irgendwelche Probleme, die es in der Community oder durch sie geben kann?
Katharina Weirauch: Ich muss sagen, heute beobachte ich das gar nicht mehr so doll. Aber es gab mal eine Phase, wobei ich auch zugeben muss, vielleicht haben mein Algorithmus und ich uns einfach davon entfernt und es findet noch genauso statt und ich kriege es nicht mehr so mit, aber es gab eine Phase, da haben Menschen mit Diabetes gerade in den sozialen Medien sehr viel geteilt, wie gut es bei ihnen läuft und dass es eigentlich immer nur eine gerade Linie ist.
Es gab einfach irgendwann so das Gefühl von „gute Diabetiker, schlechte Diabetiker“, damals so in diesem Wortlaut – da waren wir noch entfernt davon „Menschen mit Diabetes“ zu sagen – und man das Gefühl vermittelt bekommen hat: Was mache ich falsch? Bin ich nicht diszipliniert genug? Da ist so ein Druck entstanden, so ein Vergleichsdruck oder ein Leistungsdruck sogar, aber tatsächlich bekomme ich das so jetzt nicht mehr so mit.
Man merkt, dass sich die Community sehr gewandelt hat. Ich glaube, ich bin in einer Zwischenwelt von es gab Menschen vor mir, die die größten Diabetes-Blogs ins Leben gerufen haben und ganz, ganz wichtige Wege geebnet haben. Dann gab es die Zeit, in der ich meinen Blog aktiv betrieben habe, in der es einfach Menschen gab, die das genauso gemacht haben wie ich. Und dann kam eben diese Social-Media-Bubble immer mehr dazu und Diabetes-Influencer. Es ist anders als früher, aber ich würde es nicht als Problem sehen, aber die Community hat sich auf jeden Fall in eine neue Richtung weiterentwickelt.
DA: Welchen Rat würdest du anderen geben, wenn genau dieses auf sie einprasselt, nämlich „guter und schlechter Diabetiker“?
Katharina Weirauch: Prinzipiell glaube ich, dass jeder Mensch mit Diabetes sein Bestes tut. Ich würde jetzt mal Menschen, die gerade mitten in der Pubertät stecken, ausschließen, weil ich glaube, da ist einfach so vieles los, da geht es hauptsächlich darum, irgendwie unbeschadet durch diese Zeit zu kommen, also auch gerade mit dem Blick auf den Diabetes.
Ansonsten ist es ein Rat von: „Stress dich nicht mehr, als es sein muss. Geh zu deinem Diabetes-Team, hör denen zu, besprich mit denen deine Sorgen. Lass natürlich regelmäßig deine Werte checken. Und wenn das Diabetes-Team sagt, das geht so nicht mehr, natürlich muss man dann danach handeln.“ Aber ich glaube, es ist wichtiger, seine mentale Gesundheit oben zu halten, als rund um die Uhr eine hundertprozentige Time in Range zu haben.
„Ich habe so viel Bock auf das Leben und so viel Freude am Leben, dass ich schon versuche, aus den meisten Situationen einfach das Beste zu machen.“
DA: Sehr guter Ratschlag. Ich weiß ja, dass du nicht nur Diabetes hast. Welche weiteren Erkrankungen begleiten dich?
Katharina Weirauch: Ich habe seit vielen Jahren Depressionen. Ich habe vor gar nicht so langer Zeit, es ist jetzt ein knappes Jahr her, erfahren, dass ich auch eine Angststörung habe oder hatte, was mir gar nicht bewusst war. Als ich das damals Freundinnen erzählt habe, haben die gesagt: „Ja klar, das ist doch offensichtlich.“ Bei mir spielt auf jeden Fall die Psyche eine ganz, ganz große Rolle.
Ansonsten gibt es die immer mal wieder schwankende Diagnose Multiple Sklerose, die im Moment nicht mehr so im Vordergrund steht. Tatsächlich ist es in meinem Blog immer noch präsent, dass dieses Thema eine Rolle spielt. Es ist eine komplizierte Story, aber es ist irgendwas zwischen klinisch isolierten Symptomen und MS. Je nachdem, welchen Arzt man fragt, gibt jeder eine andere Antwort, weil es bei der MS, ich glaube, acht Kriterien sind, die man erfüllen muss – und ich erfülle sieben. Mein Liquor ist aber klar und es gibt den einen Teil der Ärzte, die sagen, es gibt eine MS mit klarem Liquor, und es gibt Ärzte, die sagen, wenn man klaren Liquor hat, ist es keine MS. Irgendwo dazwischen befinde ich mich.
DA: Wie weit beeinflussen diese weiteren Erkrankungen dein Leben? Es beschäftigt dich, klar, weil die Diagnose so unklar ist. Aber was ist das Hauptgewicht in deinem Leben? Ist das die Depression, ist es der Diabetes, ist es die fragliche MS?
Katharina Weirauch: Letztendlich ist es wahrscheinlich die Kombination aus allem. Ich glaube, das macht es immer am schwierigsten. Wenn ich mich einem Gedankenspiel hingebe, wenn ich eine Sache davon abwählen könnte oder ich die Chance hätte, dass eins von heute auf morgen verschwindet, dann wäre es auf jeden Fall der Diabetes, weil der einfach rund um die Uhr Aufmerksamkeit braucht und auch die kurzfristigsten Folgen hat. Wenn ich mich nicht kümmere, wenn ich kein Insulin spritze oder mich um keine Hypo kümmere oder was auch immer, hat das die dramatischsten Folgen in kürzester Zeit.
Und es geht einfach unfassbar viel Denkleistung am Tag in diese Krankheit. Wenn man aber von einer anderen Warte denkt: Wahrscheinlich könnte ich mit allem besser umgehen, wenn die Depression nicht da wäre. Ja, das ist nicht einfach zu ordnen.
DA: Das klingt anstrengend oder schwierig für dich, aber du machst, wenn man dich trifft, immer einen sehr lustigen Eindruck. Ist das richtig?
Katharina Weirauch: Ja, ich gebe mein Bestes. Es ist tatsächlich aber auch dieses klischeehafte Ding: Mein Humor kommt aus meinem Trauma. Ich bin da einfach irgendwann umgeschwenkt und habe versucht, das alles so zu verarbeiten. Aber ich glaube, je nach Phase und je nach Stärke der Depression schwankt das natürlich auch. Wahrscheinlich ist es auch, dass ich, wenn es mir so schlecht geht, das Haus nicht verlasse und Termine absage. Deswegen erleben mich auch die wenigsten Menschen so, wenn es wirklich unspaßig mit mir ist.
Ansonsten habe ich aber so viel Bock auf das Leben und so viel Freude am Leben, dass ich schon versuche, aus den meisten Situationen einfach das Beste zu machen. Und ich habe einfach gerne Spaß. Wenn ich da irgendwie beitragen kann, bin ich froh.
DA: Das war das perfekte Schlusswort. Super, Katharina, danke!
Interview: Dr. med. Katrin Kraatz
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moira postete ein Update vor 2 Wochen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen, 14 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 2 Tagen, 13 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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