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Tennis-Profi Zverev bei den French Open: erst Insulin-Diskussion – nun Halbfinale
6 Minuten
Tennis-Profi Alexander Zverev (26) hat Typ-1-Diabetes seit seinem 4. Lebensjahr. Im Jahr 2022 ging der Olympiasieger damit erstmals an die Öffentlichkeit. Bei den French Open in Paris ist ihm nun mitgeteilt worden, dass die Zeiten seiner Insulin-Injektion während eines Matches als Toilettenpausen gelten – bei anderen Turnieren gibt sich Zverev, falls erforderlich, sein Insulin beim Seitenwechsel. Wir vom Diabetes-Anker haben auch Stimmen dazu eingeholt.
+++ Updates vom 7. Juni 2023 +++
9:30 Uhr: Am Dienstagabend äußerten sich die French-Open-Organisatoren gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zur Causa: Alexander Zverev dürfe sich nun doch während des kompletten Turniers auf dem Platz Insulin verabreichen und sollte er dazu dennoch in die Kabine gehen, werde dies nicht als Toilettenpause gewertet.
20:00 Uhr: Das Tennis-Märchen geht weiter: Alexander Zverev steht im Halbfinale der French Open! Der deutsche Tennis-Profi setzte sich am Mittwochnachmittag in vier umkämpften Sätzen (6:4, 3:6, 6:3, 6:4) und nach fast dreieinhalb Stunden gegen seinen Kontrahenten Tomas Martin Etcheverry durch.
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— Roland-Garros (@rolandgarros) June 7, 2023
Zu Eurosport sagte er, der Argentinier sei bislang der beste Spieler gewesen, gegen den er in diesem Jahr bei den French Open angetreten ist. „Er spielt unglaubliches Tennis. Ich bin froh, dass ich es geschafft habe.“ Bis zum Viertelfinalmatch gegen Zverev hatte Etcheverry keinen Satz verloren.
Halbfinalgegener von Zverev wird entweder der Däne Holger Rune oder Casper Ruud aus Norwegen sein. Im Falle des Finaleinzugs wäre er erst der vierte Deutsche, dem dies in der 127. Auflage des Turniers gelingen würde. Zuletzt zog 1996 Michael Stich im Stade Roland Garros ins Endspiel ein.
Letztes Jahr erreichte Zverev ebenfalls das Halbfinale der French Open, musste jedoch bei knappem Spielstand (6:7, 6:6) gegen den French-Open-Rekordsieger Rafael Nadal verletzungsbedingt abbrechen. Im darauf folgenden Finale holte Nadal sich seinen 14. Titel beim Grand-Slam-Turnier. Zverev musste hingegen im Anschluss an das letztjährige Halbfinale wegen des zugezogenen mehrfachen Bänderrisses im Sprunggelenk rund sieben Monate pausieren.
23:30 Uhr: Der Halbfinalgegner steht fest: Alexander Zverev wird am Freitag (9. Juni 2023) auf den Norweger Casper Ruuds treffen.
+++ Updates vom 8. Juni 2023 +++
00:10 Uhr: Nachdem die Unklarheiten rund um Alexander Zverevs Insulininjektionen während eines Matches nun seitens der French-Open-Organisatoren ausgeräumt sind (siehe Update vom 6. Juni 2023, 9:30 Uhr), sei für ihn die Sache für den restlichen Turnierverlauf somit geklärt, wie das ARD-Portal sportschau.de mit der dpa als Quelle berichtet. Der 26-Jährige wünscht sich jedoch nun eine baldige dauerhafte und für alle großen Turniere geltende Lösung. „Das war die Entscheidung für diese Woche und dann werden sie wegen Wimbledon erneut entscheiden. Ich glaube, dass die Lösung permanent werden wird, es muss nur eine Entscheidung getroffen werden.”
Wie Zverev im ursprünglichen Beitrag (siehe unten) berichtete, habe es bei anderen Turnieren keine Probleme gegeben wegen Injektionen, die er sich während Matchpausen per Insulinpen setzt. In unseren Experten-Statements (siehe ebenfalls unten) gibt es zudem mehr Infos zu den medizinischen Faktoren des Insulinbedarfs beim Sport und speziell im Hochleistungssport.
+++ Updates vom 9. Juni 2023 +++
23:40 Uhr: Leider hat es für Alexander Zverev im Halbfinale nicht gereicht: Gegen seinen Opponenten Casper Ruud aus Norwegen musste er sich in drei Sätzen (3:6, 4:6, 0:6) geschlagen geben. Trotzdem ist das Comeback des Tennisspielers mit Typ-1-Diabetes nach mehrmonatiger Verletzungspause bei den French Open imposant und sein erfolgreicher Auftritt beschert ihm eine um vier Plätze verbesserten Rang in der Weltrangliste auf Position 23.
+++ Ursprünglicher Beitrag vom 6. Juni 2023, 15:30 Uhr +++
Beim Sender Eurosport sagte der gebürtige Hamburger Zverev gestern in Paris: „Auf der ATP-Tour mache ich es auf der Bank. Hier darf ich es nicht auf dem Platz machen und muss jedesmal nach außerhalb laufen.“ Ihm wurde einerseits mitgeteilt, seine Unterbrechungen gelten als Toilettenpause. Darauf habe er gesagt: „Leute, es kann sein, dass ich vier, fünfmal vom Platz laufen muss.“
Auch interessant:
➤ Kampagne gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Diabetes
Auf der späten Pressekonferenz gestern sagte Zverev weiter: „Ich habe nur zwei Toilettenpausen. Das heißt, dass mir eine gewisse Sache nicht erlaubt ist, die notwendig für mein Leben ist.“ Er forderte von den Offiziellen eine klare Struktur, „dann ist das doch gar kein Problem.“
„Unangebracht“, „Zverev ist zu danken“, „Doppelfehler“: das sagt die Diabetes-Szene zur Insulin-Diskussion bei den French Open
Wir vom Diabetes-Anker haben heute kurz entschlossen einige Menschen aus der Diabetes-Szene mach ihrer Meinung zu diesem Sachverhalt befragt. Diese hier antworteten direkt, weitere Statements werden wir ergänzen:
Statement von Daniel Schnelting

Ohne Insulin können wir Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht leben, daher ist das Verhalten der Offiziellen unangebracht. In meiner Karriere als Leichtathlet habe ich durch mehr Transparenz bei der Insulininjektion für Aufklärung gesorgt und positive Resonanz bekommen, selbst von meinen Wettbewerbern.
Heute nutze ich selbst einen Omnipod (Insulinpumpe), dadurch entfällt diese Thematik und die Therapieeinstellung gerade beim Sport und auch im Wettkampf ist deutlich einfacher, da kein langwirksames Insulin im Körper aktiv ist. Dadurch ist man viel flexibler.
Ich wünsche Alexander ein gutes Turnier und stabile Blutzuckerwerte 😉💪🏻
Statement von Prof. Andreas Fritsche

Zunächst ist bemerkenswert, wie über das Insulinspritzen berichtet wird: „Deutschlands Bester jagt sich eine Insulinspritze in den Bauch“ (Quelle: rtl.de
Auch der Spiegel betont, dass sich „Zverev SELBST [Hervorhebung vom Kommentator] eine Insulinspritze verabreicht“. Die Veranstalter bringen Insulinspritzen mit Doping in Zusammenhang, und die Spritze muss auf der Toilette verabreicht werden, wie bei Drogen.
Es also offensichtlich, dass Insulinspritzen bei Typ-1-Diabetes immer noch nicht als etwas völlig Normales in der Gesellschaft angekommen ist: Muss man sich ein Leben lang SELBST in den Körper jagen, und hat etwas Doping/Drogenmäßiges an sich.
Es ist Herrn Zverev zu danken, dass er das thematisiert hat. Das Insulinspritzen kann er jetzt öffentlich machen. Man kann aber auch die Patienten verstehen, die das weiterhin heimlich machen.
Zum Medizinischen: Da er ja hochkonzentrierte Kalorien aufnehmen muss, um Energie nach Aufbrauchen seiner Glykogenvorräte in einem langen Match zur Verfügung zu haben, muss er auch Insulin zuführen, um den Zucker in die Zellen zu bekommen. Dies in kleinen, repetitiven Dosen mit schnellwirksamem Insulin zu machen, ist in einem Match, das einen unvorhersehbaren Verlauf und Länge hat, besser, als das mit Basalinsulin zu machen.
Statement von Prof. Bernhard Kulzer

Diabetes und Diskriminierung ist ein aktuelles Thema, wie die Ankündigung des vor zwei Wochen frisch gekürten Präsidenten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Prof. Andreas Fritsche, den Kampf gegen die Diskriminierung bei Diabetes zu einem Hauptthema seiner Präsidentschaft zu machen, zeigt. Studien zeigen, dass bis zu 80 % aller Menschen berichten, diskriminierende Erfahrungen gemacht zu haben.
Wenig wird darüber berichtet, Menschen mit einem Promi-Status haben es da leichter, Gehör zu finden. So beklagt Alexander Zverev, der seit seinem vierten Lebensjahr an Typ-1- Diabetes erkrankt ist, einen diskriminierenden Umgang mit seiner Erkrankung. Insulin spritzen dürfe er nur während der sehr regulierten Toilettenbesuche – nicht aber in der Öffentlichkeit auf dem Platz. Erst 2022 machte Zverev seinen Diabetes öffentlich und begründet dies auch mit negativen Reaktionen anderer: „Ich habe mich nie mit dieser Krankheit selbst wohl gefühlt, weil in der Schule sich andere über mich und meine Geräte lustig gemacht haben“).
Umso besser, dass er jetzt seine Stimme erhebt und fordert, dass es wegen Diabetes keiner Sonderregelungen bedarf. In der Öffentlichkeit Insulin zu spritzen, den Blutzucker zu messen oder einen Glukose-Monitoring-Sensor oder eine Insulinpumpe am Körper zu tragen, sollte eigentlich im Jahr 2023 eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht: Gut, Alexander Zverev, dass Sie dieses Thema öffentlich gemacht haben!
Statement von Dr. Meinolf Behrens

Sportler mit Typ-1-Diabetes können ein Lied davon singen: Diabetesdauer, Belastungsintensität, aktives Insulin, Glukosetrend, Tageszeitpunkt, Trainingsstatus, Glykogenspeicher – um nur einige Einflussfaktoren auf den Blutzucker beim Sport zu nennen. Eine optimale mentale und physische Leistungsfähigkeit setzt optimale Blutzuckerwerte voraus. Nuancen in der Stoffwechsellage entscheiden über Sieg und Niederlage.
Alexander Zverev soll bei den French Open den Platz zum Insulinspitzen verlassen. Ein Doppelfehler auf dem Tenniscourt – medizinisch und sportlich. Oder noch treffender: grobes Foulspiel!
Alexander Zverev besiegte am Montag bei den French Open den Bulgaren Grigor Dimitrow in drei Sätzen. Am Mittwoch (7. Juni 2023) spielt er um 15 Uhr im Viertelfinale gegen den Argentinier Etcheverry. Das Turnier im Pariser Stade Roland Garros ist eines der vier berühmten Grand-Slam-Turniere.
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Übrigens: Nach seinem Diabetes-Coming-out im Jahr 2022 gründete Zverev die „Alexander Zverev Foundation – Aufschlag gegen Diabetes“, mit der er vor allem Kinder mit Typ-1-Diabetes unterstützt.
Redaktion Diabetes-Anker (gn)
(weitere Quellen: Eurosport, Spiegel online, dpa, Sportschau)
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diahexe postete ein Update vor 6 Tagen, 19 Stunden
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 6 Tagen, 19 Stunden
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747



Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.