Aufgeschmissen ohne Basiswissen

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Aufgeschmissen ohne Basiswissen

Auch beim Diabetesmanagement machen wir uns immer abhängiger von Technik. Doch was ist, wenn diese mal versagt? Wer kann denn noch Kanülen ohne Setzhilfe anbringen? Oder Insulin mit einer richtigen Spritze verabreichen? Daher findet Jana Einser, dass jeder die Basistechniken seiner Therapie beherrschen sollte.

„Unabhängig bleiben“: So hieß neulich die Überschrift einer Kolumne in unserer Tageszeitung. Es ging in dem Artikel darum, dass junge Menschen heute direkt mit vielen technischen Hilfsmitteln wie Navigationsgeräten oder der Google-Suche aufwachsen – und so nicht mehr mit einem Atlas zur Orientierung oder einem Duden oder Lexikon als Nachschlagewerke umgehen können.

Prompt schoss mir meine Abhängigkeit von diversen Diabetesutensilien in den Kopf.

Was tun, wenn die Technik mal versagt?

Na gut, mein CGM-System muss ich regelmäßig mit einer herkömmlichen Blutzuckermessung kalibrieren – diesen Vorgang muss ich also auf jeden Fall beherrschen. So ist die Abhängigkeit vom CGM-System nicht absolut, und ich kann meinen Diabetes auch mit Blutzuckermessungen managen.

Für meine Insulinpumpe muss ich mir alle paar Tage eine neue Kanüle legen. Ich tue es per Hand, aber viele benutzen hierfür eine Setzhilfe. Könnten sie dennoch eine Kanüle per Hand setzen – geschweige denn sich eine Spritze mit Insulin geben?

Und wer, der nicht wie ich schon lange genug mit Diabetes lebt, hat noch gelernt, Insulin mit einer echten Spritze – also nicht mit einem Insulinpen! – aufzuziehen und sich damit sein Insulin zu geben? Das aber sollte aus meiner Sicht auch heute jeder Diabetiker können – man kann immer unerwartet in eine Situation ohne funktionierende Technik kommen.

„Dank“ Bolusrechner: Faktoren nicht mehr im Kopf

Wie die anderen Technologien erleichtert mir auch der Bolusrechner meine Therapie. Aber er birgt eine große Gefahr, der – wie ich zugeben muss – auch ich ausgeliefert bin. Alle Faktoren für die Kohlenhydrataufnahme und die Glukosekorrektur sind hier eingespeichert – meine Faktoren habe ich dadurch nicht mehr im Kopf. Fiele aber der Bolusrechner aus, könnte ich wenigstens aufgrund jahrelanger Vorerfahrung meine Faktoren ermitteln und so passende Insulindosen berechnen und spritzen.

Und wenn dann noch mein Blutzuckermessgerät, das ich bei Ausfall des CGM-Systems verwenden würde, ausfiele, wäre ich mit den entsprechenden Teststreifen auch noch in der Lage, per Farbumschlag auf den Teststreifen meine Blutzuckerwerte zu ermitteln. Ich finde, der technische Fortschritt ist absolut wichtig – aber wer die Basistechniken nicht beherrscht, kann irgendwann aufgeschmissen sein!



von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (7) Seite 92

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