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Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt: #17 | Augen auf bei der Jobwahl?
4 Minuten
Wusstest Du, dass es Berufe gibt, die man aufgrund von Diabetes und somit einer möglichen Unterzuckerung nicht ausüben darf? Im Normalfall beschränkt sich das auf Menschen, die eine Insulintherapie machen. Und dennoch – ist so was mit dem Stand der heutigen Medizin und Möglichkeiten überhaupt noch zeitgemäß?

Nach meiner Diagnose sammelte ich mein Wissen u. a. über Fachzeitschriften. Oftmals gab es hier Artikel über junge Frauen und Männer, die bspw. bei der Polizei oder generell im Sicherheitsdienst, arbeiteten. Als ich das erste Mal so einen Artikel las, dachte ich mir „Was ist so ungewöhnlich daran, dass ein Mensch mit Diabetes bei der Polizei arbeitet? Bei über 11 Mio. Diabetikern in Deutschland ist sowas doch abzusehen, oder?“ Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich niemals gedacht, dass ein Leben mit einer Diabetes-Erkrankung für manche Berufe ein Verbot bzw. eine Einschränkung bedeuten könnte. Doch warum ist das eigentlich so?
Menschen mit Diabetes, die ohne schwerwiegende Folgeerkrankungen oder einer Insulintherapie leben, können eigentlich so gut wie jeden Beruf frei wählen. Kritisch wird es erst bei den Tätigkeiten, wo z. B. durch eine Unterzuckerung andere Menschen gefährdet werden können. Dazu gehören Berufe, die z. B. Menschen befördern (Bus, Taxi, Zug, Flugzeug), überwachen (Straßen-, Bahn- und Luftverkehr) oder beschützen (Polizei, Bundeswehr). Aber auch bei einigen Handwerksberufen gibt es Einschränkungen (z. B. Tätigkeiten an schweren oder gefährlichen Maschinen oder auch da, wo eine Sturzgefahr droht). Nicht für alle Berufe in den oben genannten Bereichen gibt es klar definierte Gesetze, wer darin arbeiten darf und wer nicht.1 Was für Menschen mit Diabetes bedeutet: Es gibt Hoffnung!
Die Medizin ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass unter bestimmten Voraussetzung die Ausübung kritischer Berufe dennoch, wenn aktuell auch nur im Einzelfall, möglich ist. Die Voraussetzungen werden natürlich individuell festgelegt. Doch u. a. könnte eine Maßnahme sein, dass Betroffene Schulungen besuchen müssen oder mithilfe von Sensoren, Pumpen oder Looping-Systemen eine Unterzuckerung frühzeitig erkennen und behandeln können. Doch ich denke, die Bereitschaft für Einzelfälle ist stark vom jeweiligen Arbeitgeber abhängig.
Stell Dir folgendes Szenario vor: Du arbeitest in Deinem absoluten Traumjob und bekommst die Diagnose „Diabetes mit Insulintherapie“. Du teilst Deinem Arbeitgeber die neuen Umstände mit, woraufhin er die Fortsetzung Deines Beschäftigungsverhältnisses in Frage stellt. Wie würdest Du reagieren? Schon beim Schreiben dieses Szenarios war mein erster Instinkt, die Erkrankung für mich zu behalten. Doch das wäre ziemlich egoistisch, oder? Denn selbst wenn die Wahrscheinlichkeit unter 0,1 % wäre, dass ich andere durch eine mögliche Unterzuckerung gefährden könnte, würde ich dieses Risiko niemals durch ein Verschweigen meiner Erkrankung in Kauf nehmen.
Und sind wir mal ehrlich, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das oben genannte Szenario so wirklich eintrifft? Da muss der Chef schon ein wirklicher A*sch sein, oder? Meines Erachtens ist der Schlüssel zum Erfolg eine offene und transparente Kommunikation mit dem Arbeitgeber sowie eine gemeinsame Lösungsfindung. Das Ziel sollte immer sein, dass am Ende beide Seiten happy sind. Naja, zumindest annähernd…

Doch bleiben wir kurz bei dem Thema „Transparenz gegenüber dem Arbeitgeber“. Wie sieht es eigentlich bei den Berufen aus, bei denen keine Gefährdung von anderen Menschen durch den Diabetes ausgeht? Ist man als Arbeitnehmer dazu verpflichtet, seine Erkrankung mitzuteilen? Hier kommt ein ganz klares „Nein“. Doch aus eigenem Interesse sollten Menschen mit Diabetes, welche eine Insulintherapie durchführen, sich einer/-m Lieblingskolleg:in anvertrauen.2
Es kann leider immer mal der Fall der Fälle (= Unterzuckerung) eintreten, und im worst case wäre es doch super, wenn man jemanden hätte, der weiß was zu tun ist, oder? Vor allem dann, wenn man sich in dem Moment vielleicht selbst nicht mehr helfen kann. Hinzukommend kann es natürlich immer mal passieren, dass der Sensor oder die Pumpe bei einer unvorteilhaften Bewegung zum Vorschein kommt. Und auch wenn viele Nicht-Diabetiker die genannten Geräte nicht auf Anhieb erkennen können, so muss man dennoch damit rechnen, dass die Neugier der Kolleg:innen groß sein könnte.
Aber vielleicht ist das auch alles einfacher gesagt als getan. Da ich keine Insulintherapie mache, beruhen meine Aussagen nur auf meiner eigenen Meinung. Doch vielleicht hast Du eine solche Situation aufgrund Deines Diabetes schon mal erlebt und möchtest Deine Erfahrungen mit uns teilen. Nutze hierfür gerne die untenstehende Kommentarfunktion!
Meine persönliche Erfahrung mit Diabetes in der Arbeitswelt folgt im nächsten Beitrag.
Quellen:
1 https://www.diabetes-news.de/wissen/diabetes-und-soziales/berufswahl-und-arbeitsplatz
2 https://www.diabetes-online.de/a/goldene-regeln-im-job-1770228
Caros Kolumne
Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt

Hallo, mein Name ist Caro! Ich wurde als 27-Jährige mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Erfahrt in meiner Kolumne „Hin und zurück – bis ans Ende der Dia-Welt“ alles über meine außergewöhnliche Reise als junge Frau mit Diabetes. Viel Spaß beim Lesen!
von Caro
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
