Einfach mal ’ne Pause, das wär’s

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Einfach mal ’ne Pause, das wär’s

Beim alltäglichen Diabetes-Management geht gerne einmal etwas schief: Teststreifen, die nicht richtig funktionieren, abgeknickte Schläuche bei der Insulinpumpe oder – wie in Tines aktuellem Fall – Sensoren-Setzhilfen, die am Oberarm hängen bleiben. Wünscht sich da nicht jeder Mal eine Pause…

Letztens war es mal wieder so weit: Sensorwechsel stand an. Ich ging zu meinem Diabetesschränkchen, nahm einen der großen weißen Kartons mit den Sensoren für mein kontinuierliches Glukose-Messsystem heraus, öffnete ihn und griff mir eine Einzelpackung mit einem Sensor. Damit setzte ich mich aufs Bett. Ich nahm den alten Sensor ab, wobei: Abnehmen beschreibt es eigentlich nicht so gut – das Pflaster klebte immer noch außerordentlich, und so musste ich wirklich ganze Arbeit leisten, um ihn inklusive Pflaster von meinem Oberarm zu lösen.

Ich entfernte den Transmitter vom alten Sensor, legte ihn neben mich. Als nächstes desinfizierte ich die neue Setzstelle mit einem Desinfektionstuch und griff wieder nach der Sensorpackung. Mit einem Ruck öffnete ich sie und schnappte mir die Setzhilfe, die darin lag und den neuen Sensor bereits in sich trug. Irgendwie cool, aber sie sieht aus wie ein kleiner unpraktischer Handstaubsauger, dachte ich.

Ich entfernte die Aufkleber und das Sicherheitsplastik, setzte die Setzhilfe an die vorbereitete Setzstelle und drückte den Knopf, den Auslöser, der mit einem metallischen Klacken den Sensor an der Setzstelle, an mir, anbrachte. Wie immer zog ich danach leicht an der Setzhilfe, um sie zu lösen. Nur, und das war irritierend, dieses Mal blieb sie hängen.

„Ich atmete tief ein und aus …“

Einfach mal hängen bleiben, einfach mal ’ne Pause machen, dachte ich. Ich atmete tief ein und aus. Muss ich jetzt den Sensor abreißen? Oder für die nächsten Tage mit einer Setzhilfe am Arm herumlaufen? Das ist doch alles ohne Sinn! Dann erinnerte ich mich, von diesem Szenario bereits mehrfach im Internet gelesen zu haben, und ich realisierte, was hier passiert war. Nicht total schlimm gerade, aber dennoch störend. Irgendwie ein Satz, der auf viele Dinge im Leben mit Diabetes zutreffen kann. Ich schaute den unpraktischen Handstaubsauger an, der an meinem Körper klemmte und für den ich gleichzeitig auch sehr dankbar bin, und wackelte ein wenig, um ihn in Bewegung zu bringen.

Dann erinnerte ich mich daran, dass Klopfen wohl helfen soll, die Setzhilfe vom Sensor zu lösen: Also griff ich nach dem dicken Buch mit Hardcover, welches auf meinem Nachttisch lag. Ich schlug ein paar Mal kräftig mit dem Buch gegen die Setzhilfe. Nichts passierte. Noch ein paar Mal, kräftiger. Und erst, als ich wirklich sehr genervt war, löste sich die Setzhilfe – und der neue Sensor kam ans Licht, das Pflaster drumherum noch ganz weiß und das Plastik am Sensor noch glänzend. Ohne zu zögern, setzte ich den Transmitter ein und dachte:

Einfach mal ’ne Pause machen können, einfach mal hängen bleiben, das wär’s gerade.

Eure Tine

Martina „Tine“ Trommer lebt seit Jahren in der Hauptstadt, bloggt seit ihrer Diabetesdiagnose 2013 unter icaneateverything.com sowie auf der Blood Sugar Lounge und schreibt regelmäßig in ihrer Diabetes-Journal-Kolumne „diabetes and the city“ über ihr Leben mit Diabetes in Berlin.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (5) Seite 40

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