Mögliche neue Therapie-Ansätze: Forschende decken auf, wie die innere Uhr einzelner Organe anders tickt

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Illustration einer menschlichen Silhouette in der Mitte einer zweigeteilten Uhr: Orange und Blau markieren unterschiedliche Tagesphasen, umgeben von Symbolen verschiedener Organe.
Foto: ponkrit – stock.adobe.com
Mögliche neue Therapie-Ansätze: Forschende decken auf, wie die innere Uhr einzelner Organe anders tickt

Forschende haben einen Mechanismus entschlüsselt, mit dem verschiedene Organe denselben zirkadianen Taktgeber – auch als innere Uhr bezeichnet – nutzen, um ihre jeweils eigenen Aufgaben im Tagesverlauf zu steuern. Dies könnte neue Therapie-Ansätze für Diabetes und Herzerkrankungen hervorbringen.

Nahezu jede Zelle im Körper folgt einem inneren Tagesrhythmus. Diese sogenannten zirkadianen oder inneren Uhren regeln physiologische Abläufe, Verhaltensmuster und die Anpassung an wiederkehrende Umweltreize wie Licht und Dunkelheit. Bei Säugetieren wird dieses System vor allem von den Proteinen CLOCK und BMAL1 gesteuert. Als Transkriptionsfaktoren aktivieren bestimmte Gene rhythmisch und erzeugen so wiederkehrende Muster in der Genaktivität und Proteinfunktion. Damit legen sie fest, wann welche Prozesse in einer Zelle oder einem Organ ablaufen.

Ein Taktgeber, viele Aufgaben

Die Proteine CLOCK und BMAL1 kommen im gesamten Körper vor. Offen war bislang, wie ein und derselbe molekulare Mechanismus derart unterschiedliche biologische Vorgänge in unterschiedlichen Organen steuern kann. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Chronobiologin Prof. Dr. Maria Robles und ihres Doktoranden Fatih Aygenli, beide von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), ist dieser Frage nun nachgegangen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Cell Biology veröffentlicht.

Leberzellen erfüllen im Tagesverlauf andere Aufgaben als Nierenzellen, und auch Lungenzellen folgen einem eigenen Programm. Wie das Team herausfand, entsteht diese organspezifische Steuerung dadurch, dass CLOCK und BMAL1 an der DNA mit weiteren Proteinen zusammenwirken. Welche dieser Partnerproteine in welcher Menge vorhanden und aktiv sind, unterscheidet sich je nach Gewebe und je nach Tageszeit.

Über 1.500 Proteine im Blick

Um diese Vielschichtigkeit zu erfassen, kombinierten die Forschenden eine Methode zur Isolierung von DNA-gebundenen Proteinen mit quantitativer Proteomik. Letzteres ist eine Methode zur Bestimmung der Menge und relative Änderung von Proteinen in Zellen, Geweben oder Körperflüssigkeiten. So entstand ein detailliertes Abbild aller Proteine, die in einem Gewebe gemeinsam mit BMAL1 und CLOCK an der Erbsubstanz aktiv sind.

„Mit diesem Ansatz konnten wir in den Leber-, Nieren- und Lungengeweben von Mäusen mehr als 1.500 Proteine direkt identifizieren, die über verschiedene Organe und Tageszeiten hinweg mit dem Mechanismus der zirkadianen Uhr assoziiert sind“, sagt Prof. Robles, Professorin am Institut für Medizinische Psychologie und am Biomedizinischen Centrum (BMC) der LMU.

Bekannte Faktoren mit neuer Rolle

Unter den zahlreichen kartierten Wechselwirkungen stießen die Forschenden auf drei Transkriptionsfaktoren, die bislang nicht mit der zirkadianen Steuerung in Verbindung gebracht wurden. Die Proteine PROX1, HNF1B und HOXA5 sind eigentlich für die Entwicklung von Gewebe und die Aufrechterhaltung der Zellidentität bekannt.

Prof. Robles erklärt: „Wir konnten experimentell nachweisen, dass PROX1, HNF1B und HOXA5, Schlüsseltranskriptionsfaktoren, die an der Gewebeentwicklung und der Aufrechterhaltung der Zellidentität beteiligt sind, die zirkadiane Funktion gewebespezifisch modulieren. Auf diese Weise teilen sie dem inneren Mechanismus der zirkadianen Uhr die spezifischen Funktionen mit, die zu verschiedenen Tageszeiten in Leber, Niere und Lunge reguliert werden müssen.“

Die drei Faktoren spielen demnach nicht nur bei der Embryonalentwicklung und der Gewebebildung eine Rolle. Sie helfen zudem offenbar auch dabei, die zirkadiane Uhr im Tagesverlauf an die jeweiligen Anforderungen eines Organs anzupassen. „Unsere Ergebnisse zeigen somit, dass solche organspezifischen Faktoren dem zirkadianen Uhrwerk Gewebe- und Zellidentität verleihen“, ergänzt Fatih Aygenli. Dadurch prägen sie die gewebespezifische Gen-Expression und Physiologie im Laufe des Tages.

Neue Methode für die Molekularbiologie

Die kombinierte Analysemethode, die das Münchner Team dafür weiterentwickelt hat, lässt sich nach eigenen Angaben auch auf andere Fragestellungen übertragen. Sie eigne sich, um Proteinkomplexe zu untersuchen, die direkt an das Chromatin lebender Gewebe gebunden sind. Das ist jene Struktur, in der die DNA verpackt vorliegt. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich der Ansatz breit in der Molekularbiologie einsetzen lässt, um genregulatorische Mechanismen im lebenden Organismus zu untersuchen.

Mögliche Bedeutung für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Über den methodischen Fortschritt hinaus liefert die Studie Hinweise auf einen grundlegenden Mechanismus, mit dem die zirkadiane Uhr die Identität einer Zelle und ihres Organs erkennt. Damit wird die passenden physiologischen Funktionen zeitlich gesteuert. Das könnte laut Prof. Robles erklären, warum eine gestörte innere Uhr unterschiedliche Gewebe verschieden stark beeinträchtigt und zu Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, Immun- und anderen Erkrankungen beitragen kann.

Langfristig hoffen die Forschenden, dass die Erkenntnisse zu zeitlich präziseren, organbezogenen Therapie-Ansätzen beitragen können, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Beide Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit einer gestörten oder desynchronisierten inneren Uhr. Diese entsteht, wenn der Alltag der eigenen Körperuhr entgegenläuft. Dieses Missverhältnis sei zu einem „weit verbreiteten Merkmal unseres modernen Lebensstils“ geworden,, so Prof. Robles.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

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  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?