Auf hoher See, Teil 3: Die ersten zwei Wochen an Bord

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Auf hoher See, Teil 3: Die ersten zwei Wochen an Bord

Ein Sechser im Lotto: Ich habe auf dem Containerschiff die „Owner’s Cabin“ und damit die größte Kabine mit Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer inklusive Arbeitsecke auf dem obersten G-Deck bekommen – mit Blick in Fahrtrichtung über die Container auf dem Vorderdeck hinweg! Am wichtigsten war mir allerdings der Kühlschrank, in dem ich als Allererstes beim „Einzug“ einen Großteil meines Insulins verstaut habe. Einen kleineren Vorrat habe ich zunächst in der Frio-Kühltasche gelassen – bis ich dem Kühlschrank und der 24-Stunden-Elektrizität an Bord getraut habe.

Copyright: Susanne Löw

Beim ersten Ablegen in Valparaíso morgens um 7.30 Uhr war ich aber natürlich auf der etwa 45 Meter über Meeresspiegel gelegenen Brücke. Also ganz oben, um die perfekte Sicht zu haben auf die kräftigen Schlepper, die uns aus dem Hafen zogen und schoben, auf die Crew-Mitglieder in Uniform und auf den Lotsen, der beim Manövrieren half und der anschließend über ein Boot, das uns begleitete, von Bord ging, um zurück nach Valparaíso zu fahren. Ein irres Erlebnis!

Essen auf dem B-Deck

Ein Erlebnis, das sich so oder ähnlich in den nächsten zwei Wochen alle paar Tage wiederholen sollte: in Callao in Peru, in Buenaventura in Kolumbien, in Manzanillo in Panama, in Cartagena in Kolumbien und in Caucedo in der Dominikanischen Republik. Und das doch jedes Mal anders war: Mal kamen wir nachts an, mal morgens. Einmal wurde 24 Stunden lang ent- und beladen, dann wieder nur 12 Stunden lang. Jeder Lotse war anders – genau wie jeder Hafen.

Die einzige Regelmäßigkeit an Bord waren die Mahlzeiten im „Messroom“ auf dem B-Deck: Frühstück um 7.30 Uhr (das habe ich schnell aufgegeben, sobald ich wusste, wo es auch noch später Kaffee, Obst und Toastbrot gibt), Mittagessen um 12 Uhr, Abendessen um 18 Uhr.

Das reichhaltige Essen war lecker und erstaunlich abwechslungsreich (Bananen-Pancakes, Auberginensalat, gefüllte Paprika, Polenta mit Wurzelgemüse…) – und die Konstanz der Boli gefiel auch meinem Blutzucker, der genauso stabil und ruhig verlief wie in den ersten beiden Wochen der Seegang. Seekrankheit trotz des „Rollens“ (der seitlichen Bewegung des Schiffs)? Fehlanzeige!

Copyright: Susanne Löw

In Callao, Manzanillo, Cartagena und Caucedo konnte ich jeweils für ein paar Stunden von Bord gehen. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn zum einen muss die „Port Authority“ ihr Go erteilen, zum anderen muss das in den Zeitplan passen. Wenn ein Containerschiff ablegt, legt es ab – und wartet nicht auf einen verspäteten Passagier, auch wenn der Diabetiker ist und sein Insulin an Bord hat. Folglich hatte ich immer eine „Notration“ an Land dabei, um im Fall der Fälle auch so ein paar Tage zu überbrücken.

„Oh wie schön ist Panama!“

Ein Highlight der ersten 14 Tage auf dem Containerschiff war die Durchquerung des Panama-Kanals, die einen ganzen Tag lang dauerte. Schon am Vorabend hatten wir vor Panama City geankert, um in den Morgenstunden zeitgleich mit der aufgehenden Sonne die Passage zu beginnen – ein Startschuss für spannende Momente: Millimeterarbeit beim Manövrieren durch diverse Schleusen, mehrere Lotsen, die sich über den Tag abwechselten, eine stundenlange Fahrt entlang von Dschungelgrün, Touristen an den Ufern beim Kanalein- und -ausgang, die uns mit ihren Ferngläsern beobachteten und das Schiff fotografierten (lustiges Gefühl, denen von der Brücke aus zuzuwinken).

Und nun? Nun haben wir in Caucedo in der Dominikanischen Republik abgelegt, vor uns liegt die Atlantiküberquerung. Zehn Tage lang werden wir nur den Horizont sehen.


Die weiteren Teile über die Reise auf dem Containerschiff gibt es hier:

Auf hoher See, Teil 1: Planen und Packen

Auf hoher See, Teil 2: Boarding mit überraschender Begegnung

Auf hoher See, Teil 4: Kein Land in Sicht und Ankunft in Europa

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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