Bauchschmerzen können ein Warnzeichen sein

3 Minuten

Bauchschmerzen können ein Warnzeichen sein

Gerade bei älteren Frauen kann ein Herzinfarkt ohne die konkreten Symptome wie starke Brustschmerzen eintreten; Hinweise geben jedoch unspezifischere Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Die Herzexpertin Prof. Christiane Tiefenbacher erklärt, bei welchen potentiellen Herzinfarkt-Symptomen Frauen aufmerksam sein sollten und was im Notfall zu beachten ist.

Laut Statistischem Bundesamt sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland nach wie vor die führende Todesursache bei Frauen. Im Jahr 2016 verstarben 185.867 Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, davon 20.539 an einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt). „Viele Herzinfarkt-Todesfälle bei Frauen ließen sich vermeiden, würden die Herzinfarkt-Symptome richtig gedeutet – und so wertvolle Zeit gewonnen“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefärztin der Kardiologie am Marien-Hospital Wesel.

Zeit ist Herzmuskel: Beim Herzinfarkt zählt jede Minute

Für Frauen wie für Männer gilt: Zögern sie bei Herzinfarkt oder akuten Brustschmerzen zu lange mit dem Notruf 112, riskieren sie ihr Leben. In dieser Verzögerung liegt die Gefahr, dass der Patient plötzlich Herzkammerflimmern bekommt, ohnmächtig wird und in wenigen Minuten am Plötzlichen Herztod versterben kann. Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder auch langfristig eine Herzschwäche. Beim Herzinfarkt zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.

Frauen rufen später den Notarzt als Männer

Bei über 65-jährigen Frauen vergehen bis zu viereinhalb Stunden, bis sie in der Notaufnahme sind. Bei jüngeren Frauen dauert es durchschnittlich zweieinhalb Stunden. Im Vergleich: Bei über 65-jährigen Männern sind es rund dreieinhalb Stunden, bei jüngeren Männern gut drei Stunden, wie die von der Deutschen Herzstiftung geförderte „MEDEA-Studie“ des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Kooperation mit dem HelmholtzZentrum München und der Technischen Universität München zeigt.

Herzinfarkt-Symptome: „Vernichtungsschmerz“ fehlt bei älteren Frauen oft

Es gibt mehrere Ursachen für diese enorme Verzögerungszeit bei Frauen. Zum einen leben ältere Frauen oft alleine und haben im Notfall niemanden, der ihnen bei einem Herzinfarkt Hilfe holt. Zum anderen erkennen sie den Herzinfarkt häufig nicht als solchen. Die Herzinfarkt-Symptome sind vor allem bei älteren Frauen oft unspezifisch. Bei ihnen tritt seltener ein starker Schmerz im Brustkorb (Vernichtungsschmerz) auf.

Anzeichen für einen Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt lässt sich durch folgende typische Alarmzeichen erkennen:

  • Was: Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten.
  • Wo: im Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein. Manchmal auch nur im Rücken (zwischen den Schulterblättern) oder Oberbauch (Verwechslung mit „Magenschmerzen“ möglich). Die Schmerzen können in die Arme, den Hals oder den Oberbauch ausstrahlen.
  • Wie: Die Schmerzen sind flächenhaft und werden als brennend und drückend mit Engegefühl in der Brust beschrieben.

„Das Fehlen von Brustschmerzen ist ein Alterseffekt, der auch bei Männern zu finden ist. Je älter die Herzinfarkt-Betroffenen sind, desto weniger Brustschmerz nehmen sie wahr. Ältere Herzinfarkt-Patientinnen empfinden häufiger eher ein Druck- oder Engegefühl in der Brust“, erklärt Prof. Tiefenbacher. Begleitet ist dieses häufig von Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch, Rückenschmerzen, Kurzatmigkeit und Müdigkeit.

Schmerzen im Oberbauch: Frauen vermuten oftmals eine Magenverstimmung

Da die Beschwerden in der Brust bei älteren Frauen weniger intensiv ausgeprägt sind, rücken die unspezifischen Herzinfarkt-Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen in den Vordergrund. „Diese werden von den betroffenen Frauen nicht selten fälschlicherweise als harmlose Magenverstimmung gedeutet. Der lebensrettende Anruf bei der Rettungsstelle bleibt dann aus – oder findet erst verspätet statt“, weiß Prof. Tiefenbacher.

Die Kardiologin rät Frauen, bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungsdienst unter der 112 zu rufen. Ältere Frauen haben zudem die Möglichkeit, sich einem Hausnotrufsystem anzuschließen, wie es der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz und andere anbieten.

Diabetes und Bluthochdruck erhöhen Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

Die meisten Frauen erleiden einen Herzinfarkt etwa zehn Jahre nach der Menopause. Bis zu den Wechseljahren sind die Herzkranzgefäße durch die Geschlechtshormone (Östrogene) relativ gut geschützt. Jedoch können auch Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren gefährdet sein, besonders wenn sie rauchen.

Neben Rauchen gehören Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress zu den Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Die genannten Einflussgrößen begünstigen die Koronare Herzkrankheit (KHK).

Koronare Herzkrankheit geht Herzinfarkt voraus

Bei der Koronaren Herzkrankheit handelt es sich um eine Herzkranzgefäßerkrankung, bei der sich die Herzkranzgefäße verengen, die das Herz mit Blut versorgen. Verstopfen die Ablagerungen aus Fett und Kalk (Plaques) ein Gefäß komplett, ist ein Herzinfarkt die Folge. Die KHK geht dem Herzinfarkt fast immer voraus.

„Der beste Schutz vor dem Herzinfarkt ist und bleibt ein gesunder Lebensstil“, betont Prof. Tiefenbacher. „Darüber hinaus sollten Frauen regelmäßig ihr Herz checken lassen und die dafür vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Wird die Koronare Herzkrankheit frühzeitig erkannt und behandelt, kann einem Herzinfarkt vorgebeugt werden.“

Lese-Tipps und Online-Risikotest:
Was Frauen über ihr Herz wissen sollten, erläutert der aktualisierte Sonderdruck der Deutschen Herzstiftung „Was ist bei Frauen anders? Koronare Herzkrankheit“. Dieser kann kostenfrei telefonisch unter 069 955128-400 oder per E-Mail bestellung@herzstiftung.de
(Stichwort: Frauen und Herzinfarkt) angefordert werden.

Einen Überblick über die Herzinfarkt-Symptome hat die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Website zusammengestellt.

Das eigene Herzinfarktrisiko können Interessierte mit dem Online-Test „Herzinfarkt: Sind Sie gefährdet?“ auf der Website der Deutschen Herzstiftung ermitteln.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener eine leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eine neue Metaanalyse zeigt deutliche Versorgungsunterschiede mit möglichen Folgen für Therapieerfolg und Lebenserwartung.
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetes-Versorgung | Foto: Orapun – stock.adobe.com

2 Minuten

Rezept für Grünkohl-Hack-Pfanne mit Kichererbsen

Herzhaft, nährstoffreich und in nur 30 Minuten zubereitet: Dieses Rezept für Grünkohl-Hack-Pfanne mit Kichererbsen kombiniert viel Eiweiß, Ballaststoffe und frische Zutaten zu einem alltagstauglichen Gericht. Ideal für alle, die schnell, gesund und lecker kochen wollen.
Rezept für Grünkohl-Hack-Pfanne mit Kichererbsen | Foto: Bernhard und Gabi Kölsch / MedTriX

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • jasminj postete ein Update vor 5 Stunden, 31 Minuten

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 4 Tagen, 2 Stunden

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

  • ps0208 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Dia-Newbies vor 5 Tagen, 19 Stunden

    Hallo, ich bin 33 Jahre alt und hab letztes Jahr die Diagnose Diabetes Typ 2 bekommen. Aktuell nehme ich Metformin 1000mg 3 x täglich. Bewegung war mir schon immer wichtig und nach der Diagnose habe ich auch die Ernährung umgestellt

Verbände