- Behandlung
Bei hohem Blutdruck Kochsalz ersetzen
3 Minuten
Bevor zum Senken eines erhöhten Blutdrucks Medikamente verordnet werden, versucht man immer, den Blutdruck durch Gewichts-Abnahme, mehr Bewegung, weniger Alkohol, Stress-Abbau und die Aufgabe des Rauchens zu vermindern. Empfohlen wird auch, weniger Kochsalz zu sich zu nehmen. Neu ist, dass der Ersatz von Kochsalz (NaCl) durch Kalium-Chlorid (KCl) äußerst wirkungsvoll sein kann.
Mit etwa 80 % stellt der Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) eine der häufigsten Begleit-Erkrankungen des Diabetes mellitus Typ 2 dar und erhöht unter anderem das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nieren-Erkrankungen deutlich. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Diabetes gibt für die Behandlung des Bluthochdrucks einen Orientierungs-Wert von 140/90 mmHg (sprich: Millimeter Quecksilbersäule oder Millimeter Hg) an. Dieser Wert soll jedoch mit jedem einzelnen Patienten diskutiert und individuell vereinbart werden. Dabei sind zu berücksichtigen die Verträglichkeit der Medikamente, das Alter und weitere Begleit-Erkrankungen.
Die Behandlung des Bluthochdrucks besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen: der nicht medikamentösen und der medikamentösen Therapie. Die Behandlung ohne Medikamente sollte die Grundlage bilden und vor jeder medikamentösen Therapie besprochen werden bzw. diese begleiten. Liegt der obere (systolische) Blutdruckwert über 160 mmHg, muss mit Medikamenten begonnen werden. Das Ziel der Therapie ist, das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse zu senken. Die Blutdruckwerte stellen hierbei einen Anhaltspunkt oder Orientierungs-Wert für dieses Risiko dar.
Schulung ist wichtig
Es gibt in Deutschland spezielle Schulungs-Programme für Menschen mit Hypertonie, die unter anderem über die Möglichkeiten der Blutdruck-Therapie ohne Medikamente aufklären, wie das Behandlungs- und Schulungsprogramm für Patienten mit Hypertonie aus dem Deutschen Ärzteverlag. Das Buch, das die Patienten im Rahmen dieses Schulungs-Programms erhalten, ist auch im Kirchheim-Verlag zu beziehen.
Die nicht medikamentösen Maßnahmen zum Senken des Blutdrucks, die im Behandlungs- und Schulungsprogramm besprochen werden, sind im Wesentlichen:
- die Selbstmessung des Blutdrucks,
- Kalorien-reduzierte Kost zur Gewichts-Abnahme,
- körperliche Bewegung,
- Reduktion der Aufnahme von Kochsalz,
- Vermeiden von Rauchen, Stress und Alkohol.
Je intensiver, desto größere Effekte
Sehr wichtige Maßnahmen sind, Gewicht abzunehmen, die Aufnahme von Kochsalz zu reduzieren und sich mehr zu bewegen. Mit diesen Maßnahmen, die den Lebens-Stil beeinflussen, kann man den oberen (systolischen) Blutdruck im Durchschnitt um 5 mmHg und den unteren (diastolischen) Blutdruck um etwa 3 mmHg senken. Die Effekte sind umso größer, je intensiver die jeweilige Maßnahme erfolgt. Bisher konnte jedoch durch keine dieser Maßnahmen eine Reduktion von Herz-Kreislauf-Ereignissen oder Todesfällen nachgewiesen werden.
Kalium-Chlorid hilft bei Hypertonie
Wichtige Neuigkeiten gibt es nun zum Thema Kochsalz. 2021 erschien in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine eine in China durchgeführte Studie. In ihr wurde untersucht, ob der Ersatz von Kochsalz durch ein Gemisch aus 75 % Natrium-Chlorid (NaCl) und 25 % Kalium-Chlorid (KCl) neben dem Senken des Blutdrucks auch zu weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen und Todesfällen führen kann. 20 995 Teilnehmende mit Bluthochdruck und einem mittleren Alter von 65,4 Jahren wurden zufällig in eine Kontroll-Gruppe und eine Interventions-Gruppe eingeteilt. Die Teilnehmenden der Kontroll-Gruppe sollten ihren Salzkonsum nicht verändern und weiterhin normales Speisesalz verwenden. Die Teilnehmenden der Interventions-Gruppe erhielten einen Salz-Ersatz mit weniger NaCl, der KCl enthielt, und sollten zum Würzen, Kochen und Konservieren von Lebensmitteln ausschließlich diesen benutzen.
Ziel: weniger Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Ereignisse
Über einen Studien-Zeitraum von knapp fünf Jahren erfolgten alle sechs Monate Studien-Untersuchungen. Das Haupt-Ziel der Studie war es, die Häufigkeit des Auftretens von Schlaganfällen zu reduzieren. Außerdem untersuchte man, ob schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (wie nicht tödliche Schlaganfälle, nicht tödliche akute Herz-Erkrankungen, Tod wegen anderer Gefäß-Erkrankungen) sowie die Sterblichkeit jeglicher Ursache günstig beeinflusst wurden.
Nach knapp fünf Studien-Jahren traten in der Interventions-Gruppe etwa 30 Schlaganfälle pro 1000 Personen pro Jahr auf und damit weniger als in der Kontroll-Gruppe, die normales Speisesalz benutzte. Dort traten 34 Schlaganfälle pro 1000 Personen pro Jahr auf. Außerdem traten in der Gruppe, die den Kochsalz-Ersatz einsetzte, etwa 50 schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse pro 1000 Personen pro Jahr auf, in der Kontroll-Gruppe hingegen 57 Herz-Kreislauf-Ereignisse. 4172 Studien-Teilnehmende starben innerhalb der Studien-Dauer. Knapp 40 Todes-Fälle pro 1000 Personen pro Jahr waren es in der Interventions-Gruppe, in der Kontroll-Gruppe mehr mit etwa 45 Todes-Fällen.
Bezüglich Nebenwirkungen zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Der Unterschied im systolischen Blutdruck war jedoch mit 3,34 mmHg weniger in der Interventions-Gruppe im Vergleich zur Kontroll-Gruppe nicht sehr groß, diastolisch gab es keinen Unterschied.
Kochsalz-Ersatz reduziert vorzeitiges Sterben
Damit stellt der Kochsalz-Ersatz die erste nicht medikamentöse Möglichkeit in der Therapie des Bluthochdrucks dar, welche in einer wissenschaftlichen Studie Herz-Kreislauf-Ereignisse und vorzeitigen Tod verringern konnte. Die Ergebnisse der in China durchgeführten Studie haben bei vielen Forschern Interesse geweckt und es sind weitere Untersuchungen zu diesem Thema zu erwarten.
Vor Entscheidung für Kochsalz-Ersatz den Arzt fragen
Nebenwirkungen treten bei der Gabe des Kochsalz-Ersatzes kaum auf. Auch in Deutschland werden entsprechende Präparate angeboten. Wer den Kochsalz-Ersatz verwenden möchte, sollte allerdings vorher unbedingt mit seinem Arzt sprechen – denn bei bestimmten Erkrankungen bzw. Medikamenten kann es zu erheblichen Nebenwirkungen kommen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Erkrankungen der Nieren und bei einer Behandlung der Hypertonie mit Medikamenten, die mit einer Erhöhung des Kalium-Spiegels einhergehen können.
- Bei hohem Blutdruck Kochsalz ersetzen
- NVL: Systematisch entwickelte Hilfen
- Den einen Typ-2-Diabetes gibt es nicht!?
- Typ-2-Diabetes: Beginn mit Verzögerungsinsulin zur Nacht
Autorin:
|
|
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (5) Seite 20-21
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
5 Minuten
- Bewegung
4 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 4 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
