Blutdrucksenker nicht aus Angst vor COVID-19 absetzen!

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© Steve Buissinne | Pixabay
Blutdrucksenker nicht aus Angst vor COVID-19 absetzen!

Viele Patient*innen sind verunsichert: Spekulationen zufolge könnten Blutdrucksenker anfälliger für Coronavirus-Infektionen machen. Doch die European Society of Hypertension (Europäische Bluthochdruck-Gesellschaft) widerspricht: Es gibt bislang keinen Beweis, dass blutdrucksenkende Medikamente mit einem höheren Infektionsrisiko einhergehen. Daher gibt es auch keinen Grund, diese Medikamente aus Angst vor COVID-19 abzusetzen – so die Kernaussage einer Stellungnahme der europäischen Fachgesellschaft. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) schließt sich dieser Empfehlung an.

Wie sollten sich Patient*innen mit Bluthochdruck also konkret verhalten? Hier die Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga (DHL):

Was sollten Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck beherzigen?
  1. Sich vor der Virusinfektion möglichst gut zu schützen, ist das Gebot der Stunde, und zwar insbesondere für alle älteren Menschen.
  2. Es gibt bislang keinen Beweis, dass blutdrucksenkende Medikamente mit einem höheren Infektionsrisiko einhergehen. Daher gibt es auch keinen Grund, diese Medikamente aus Angst vor COVID-19 abzusetzen.
  3. Selbst, wenn eine COVID-19-Erkrankung vorliegt, gibt es keinen zwingenden Grund, die Medikamente abzusetzen oder umzustellen.

»„Selbst, wenn Menschen mit Bluthochdruck an COVID-19 erkranken, ist das nach derzeitigem Stand der Forschung kein Argument, die Blutdrucksenker abzusetzen, schon gar nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Zu diesem Schluss kommt auch unsere europäische Fachgesellschaft“«
Professor Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Bei Verunsicherung empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga (DHL), den behandelnden Arzt anzurufen – keinesfalls sollte die Medikamenteneinnahme ohne Wissen des Arztes verändert werden. Auskunft erhalten Patientinnen und Patienten darüber hinaus bei der DHL-Telefonsprechstunde jeden Mittwoch, 18-20 Uhr, unter der Telefonnummer 06221/588 55 55. Mehr darüber erfahren Sie unter diesem Link.

Warum sind blutdrucksenkende Medikamente in Verdacht geraten?

Das SARS-CoV2-Virus (Coronavirus) nutzt zum Eintritt in die Zellen das Enzym ACE2. Dieses wird von Zellen der Lunge produziert, wo es auf der Zelloberfläche präsentiert wird und als „Eintrittspforte“ für das Virus dienen kann. Dieser krankheitsauslösende Mechanismus von Sars-Cov-2 hat viele Patienten mit Bluthochdruck verunsichert, denn die blutdrucksenkende Therapie kann zu einer leichten Erhöhung von ACE2 führen – und mehr „Eintrittspforten“, so die Befürchtung, könnten Betroffene anfälliger für die Infektion mit dem neuartigen Virus machen.

Dieses Risiko stuft die europäische Bluthochdruckgesellschaft (European Society of Hypertension/ESH) jedoch als sehr gering ein und rät Bluthochdruckpatientinnen und -patienten, weiterhin ihre blutdrucksenkenden Medikamente wie verschrieben einzunehmen.

Zwar baut ACE2 Blutdruckhormone des Renin-Angiotensin-Systems ab, welche von dem verwandten Enzym ACE gebildet werden und gängige Blutdrucksenker, wie ACE-Hemmer und die sogenannten Sartane, blockieren die Blutdruckhormoneffekte, was in Studien zu einer leichten Erhöhung des ACE2 geführt hat.

Kein Beweis für höheres Infektionsrisiko

Doch: Es gibt bislang keinen Beweis, dass blutdrucksenkende Medikamente mit einem höheren Infektionsrisiko einhergehen. Daher gibt es auch keinen Grund, diese Medikamente aus Angst vor COVID-19 abzusetzen. Die ESH empfiehlt Patienten mit Bluthochdruck stattdessen, die gleichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen wie andere Menschen der gleichen Altersklasse (und gleichem Risikoprofil durch Begleiterkrankungen).

Sich gut zu schützen ist wichtig – besonders für Ältere

Sich vor der Virusinfektion möglichst gut zu schützen, ist das Gebot der Stunde, und zwar insbesondere für alle älteren Menschen, die in der Regel auch eine höhere Krankheitslast als jüngere Menschen, also mehr Begleiterkrankungen, aufweisen. Es ist bekannt, dass eine COVID-19-Erkrankung besonders bei älteren Menschen schwerere Verläufe nehmen kann.

Datenauswertungen, die zeigen, dass ein Großteil der Coronavirus-infizierten Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten, Bluthochdruck hatten, sorgen immer wieder für Aufregung. Bei der Interpretation solcher Daten ist aber Vorsicht geboten: Auch in der gesunden Allgemeinbevölkerung hat jeder Zweite im Alter von über 60 Jahren Bluthochdruck, in höheren Altersstufen liegt dieser Anteil noch höher. Somit ist es nicht verwunderlich, dass unter COVID-19-Patienten mit sehr schweren Verläufen, auch jenen, die an der Virusinfektion versterben, der Anteil an Bluthochdruck entsprechend hoch ist. Schließlich waren laut Angaben des Robert Koch-Instituts 86% der Menschen, die in Deutschland am derzeit grassierenden Coronavirus verstarben, 70 Jahre oder älter.

„Der stärkste Risikofaktor für eine schweren COVID-19-Verlauf sind das Alter und die Zahl der Begleiterkrankungen, dazu zählt auch Bluthochdruck. Aber wie sehr Bluthochdruck allein für sich betrachtet das Risiko erhöht, kritisch zu erkranken, ist derzeit nicht bezifferbar“, erklärt Professor Florian Limbourg, Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga. „Es liegt aber auf der Hand, dass Menschen mit gut eingestelltem Blutdruck ein geringeres Risiko haben, schwer an COVID-19 zu erkranken, als Menschen, bei denen eine über Jahre eine unbehandelte Bluthochdruckerkrankung bereits zu Organschädigungen geführt hat. Letztlich sollte auch das Patienten bestärken, in dieser Situation keinen Abbruch der Blutdrucktherapie zu erwägen.“

„Selbst, wenn Menschen mit Bluthochdruck an COVID-19 erkranken, ist das nach derzeitigem Stand der Forschung kein Argument, die Blutdrucksenker abzusetzen, schon gar nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Zu diesem Schluss kommt auch unsere europäische Fachgesellschaft“, ergänzt Professor Ulrich Wenzel, Hamburg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Die Stellungnahme der ESH können Sie hier im englischen Original nachlesen und hier in der deutschen Übersetzung.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga (DHL)

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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