Diabetisches Fußsyndrom: Geeignete Schuhe zum Vorbeugen und Behandeln

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Diabetisches Fußsyndrom: Geeignete Schuhe zum Vorbeugen und Behandeln | Foto: StudioLaMagica – stock.adobe.com
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Diabetisches Fußsyndrom: Geeignete Schuhe zum Vorbeugen und Behandeln

Wer wegen einer Schädigung der Nerven in den Füßen nicht mehr spürt, wenn er sich verletzt oder zum Beispiel durch Reibung eine Wunde entsteht, sollte die Füße schützen. Für ein Diabetisches Fußsyndrom bieten orthopädietechnische Unternehmen daher unterschiedliche Hilfsmittel zum Vorbeugen und Behandeln an. Manchmal reichen auch bereits Schuhe mit besonderen Eigenschaften aus einem Schuhgeschäft.

Liegt eine Polyneuropathie (PNP) bei Menschen mit Diabetes vor, bei der das Empfinden gestört ist, kann ein Diabetisches Fußsyndrom (DFS) entstehen. Auslöser für eine Wunde können ein plötzlich auf den Fuß einwirkendes Trauma sein oder häufigere kleinere Traumata auf die gleiche Stelle. Diese immer wieder auf den Fuß einwirkende Kraft entsteht durch biomechanische Probleme.

Das kann z.B. ein steifes Großzehen-Grundgelenk sein, wodurch an der Unterseite ein erhöhter Druck entsteht, oder Knochen-Vorsprünge. Häufig sind auch nicht passende Schuhe die Ursache. Eine begleitende gestörte Durchblutung sorgt dann dafür, dass die Wunde nur verzögert oder nicht abheilen kann.

Bei der Einteilung der Menschen, die mit Schuhen und entlastenden Hilfsmitteln zu versorgen sind, in Risikogruppen gelten folgende Fragen: Haben sie aktuell eine Wunde? Haben sie keine Wunde: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für eine solche Wunde?

Hilfsmittel für die Füße

  1. Bei einer Neuropathie ist das Risiko für Fußwunden erhöht.
  2. Um Wunden zu verhindern, sind spezielle Sohlen und Schuhe, konfektioniert oder individuell angefertigt, hilfreich.
  3. Damit entsprechende Hilfsmittel auch eingesetzt werden, sind Schulung und Aufklärung dazu notwendig.

Hilfsmittel individuell auswählen

Um Menschen mit Diabetes und DFS individuell versorgen zu können, gibt es unterschiedliche Hilfsmittel und Methoden:

Weichpolstersohlen

  • Eine Weichpolstersohle ist eine Einlage aus weichem Material mit vorgegebener Dicke und Druck-Reduktion im Ballenbereich. Man modelliert sie nicht an die Kontur der Fußsohle an.

Weichpolstereinlagen

  • Die Weichpolstereinlage wird an die Fußsohle anmodelliert. Als Modell dient ein Ausgusspräparat eines Trittschaums oder ein mit Scanner hergestelltes Modell. Die Einlagen-Rohlinge werden bearbeitet und an das Modell angeformt oder aus einem Kunststoff-Rohling gefräst.

Diabetes-adaptierte Fußbettung (DAF)

  • Das Grundprinzip der Diabetes-adaptierten Fußbettung (DAF) besteht in der Druck-Reduktion gefährdeter Regionen durch kleinflächige Druck-Verteilung und großflächige Druck-Umverteilung. Dies wird durch weiches, möglichst dauerelastisches Polstermaterial und durch das Anmodellieren der Fußbettung an noch vermehrt belastbare Regionen des Fußes erreicht. Die Druck-Entlastung wird durch die Kombination verschiedener Materialschichten verstärkt. Die Daten für das Fertigen dieser Fußbettungen werden aus den zwei- und dreidimensionalen Abdrücken der Füße mit Blaupause und Trittschaum oder mit speziellen Scannern und dem elektronischen Messen der Drücke gewonnen.

Konfektionsschuhe

  • Konfektionsschuhe sind konfektioniert hergestellt und ohne besondere Standards. Bequemschuhe sind im Vorfußbereich meist breiter angefertigt und berücksichtigen die natürliche Fußform deutlich besser.

Spezialschuhe bei Diabetischem Fußsyndrom

  • Spezialschuhe bei Diabetischem Fußsyndrom sind konfektioniert, sollen aber noch breiter sein als Bequemschuhe. Die meisten Schuh-Hersteller bieten diese Schuhe auch im Mehrweitensystem an. Bei Auslieferung liegt in diesen Schuhen immer eine Weichpolstersohle. Außerdem haben alle im Hilfsmittelverzeichnis gelisteten Schuhtypen eine Sohlen-Versteifung und eine Abroll-Sohle. Die Sohlen-Versteifung macht ein Einknicken des Schuhs unmöglich und sorgt über eine größere belastete Fläche der Fußsohle für eine Druck-Reduktion. Damit man damit laufen kann, braucht der Schuh eine Abroll-Sohle, bei der der Sohlen-Abschnitt unter dem Vorfuß eine kugelige Form hat mit einem Scheitelpunkt unter den Mittelfußköpfchen.

Orthopädische Maßschuhe (OMS)

  • Orthopädische Maßschuhe (OMS) werden über einen individuellen Sonderleisten gebaut. Ein OMS enthält immer ein Diabetes-adaptiertes Fußbett. Dies kann aber deutlich dicker angefertigt werden als im Spezialschuh für Diabetes. Der Leisten kann nach Gipsabdruck oder durch Scanner-Verfahren gebaut werden. Über den Leisten und der Fußbettung werden der Schuhboden und der Schaft gebaut und diese Bauteile miteinander verbunden. Zuletzt wird die Laufsohle angebracht.

Schuhzurichtungen

  • Bei einer Schuhzurichtung nimmt der orthopädische Schuhmacher Änderungen an einem vorhandenen Schuh vor, z. B. eine Sohlen-Versteifung, Einarbeiten einer Rolle oder Verbreitern eines Schuhs.

Innenschuh-Druckmessung

  • Mit der Messung mit einer Folie in einer Standard-Sandale, einer Innenschuh-Druckmessung, erhält man die Druck-Verteilung beim Gehen unter der Fußsohle ohne Polsterung. Diese Daten kann man für die Konstruktion der Fußbettung nutzen. Noch wichtiger ist, dass diese Systeme zur Qualitäts-Sicherung benutzt werden können und seit Neuestem die Krankenkassen dieses auch fordern. Nach Fertigstellung der Fußbettung oder des OMS werden diese Folien in den Schuh eingelegt und die Patientin bzw. der Patient geht eine Strecke von etwa 10 bis 15 Metern. Damit kann man erkennen, ob die Druckwerte ausreichend reduziert wurden oder Anpassungen erforderlich sind.

Kappen

  • Weitere Elemente eines OMS sind Kappen. Diese werden zwischen Oberleder und Futter eingearbeitet und dienen der Stabilisierung. Die Vorderkappe soll der Zehenbox ihre Form geben und diese erhalten. Die Hinterkappe führt die Ferse und sorgt dafür, dass der Fuß nicht seitlich abrutscht. Knöchelkappen verhindern ein seitliches Abknicken im Sprunggelenk. Arthrodesenkappen minimieren die Beweglichkeit der Gelenke und dienen der Ruhigstellung.

Brandsohle

  • Die Brandsohle liegt unter der Bettung und gibt dem Schuhboden letztlich die Form.

Mehrere Fallbeispiele, welche Hilfsmittel und Schuhe wann bei Patienten aus den verschiedenen DFS-Risikogruppen zum Einsatz kommen sowie dazugehörige Abbildungen, finden Sie im BeitragSpezielle Schuhe und Sohlen beim Diabetischen Fußsyndrom: Welcher Patient wird wie versorgt?

Schulung beim Ausliefern der Schuhe

Spätestens beim Ausliefern der Schuhe muss eine Schulung und Aufklärung der Patientin bzw. des Patienten stattfinden. Schon beim ersten Anziehen der Schuhe kommt oft die Anmerkung, die Schuhe seien viel zu groß. Dann wird nochmals der Zusammenhang zwischen Sensibilitäts-Verlust und der fehlenden korrekten Wahrnehmung der Füße und der Schuhe erklärt.

Auch über das langsame Einlaufen der Schuhe und vor allem über das Trageverhalten muss gesprochen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der optimierte und überprüfte Schuh wirkungslos bleibt, weil er nicht getragen wird.


von Dr. Karl Zink

Dr. Karl Zink ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Er ist tätig als Oberarzt an der Diabetes-Klinik in Bad Mergentheim und dort für den Bereich Diabetisches Fußsyndrom zuständig.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 74 (5) Seite 14-15

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