Das Diabetes-COVID-19-Register aus Österreich

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Das Diabetes-COVID-19-Register aus Österreich

Als Heike einen Termin in der österreichischen Stoffwechselambulanz hatte, hatte sie die Möglichkeit, ein Gespräch mit Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser, der Präsidentin der ÖDG, der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, über die Corona-Pandemie zu führen.

Ich habe einen Termin in der Stoffwechselambulanz zur Routinekontrolle meines Blutzuckers. Beim Eingang in die Klinik setze ich meine FFP2-Maske auf und fülle ein Formular aus, in dem ich meine Gesundheitsdaten angebe. Mit dem Aufzug fahre ich in die erste Etage. Vor dem Eingang warte ich vor zwei anderen Diabetikern, die ebenfalls auf ihre Stoffwechselkontrolle warten.

Da tritt eine sportliche Frau mittleren Alters und halblangen, schwarzen Haaren mit weißem Kittel auf den Gang. Ich erkenne sie sofort von früheren Therapiegesprächen. Es ist die Diabetes-Expertin Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser. Seit 2020 ist sie die neue Präsidentin der ÖDG, der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, und seit 2012 stellvertretende Leiterin der Inneren Medizin I der Klinik Innsbruck. Ich frage, ob sie Zeit für ein Gespräch hat. Leider nein, denn sie muss weiter zu einer anderen Besprechung. Ich bin etwas enttäuscht, denn ich hatte einige Fragen vorbereitet. Denn Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser arbeitet auch am österreichischen Diabetes-COVID-19-Register mit.

Ich gehe als Nächstes zur Blutabnahme, wo mein HbA1c und andere Blutwerte wie das Cholesterin bestimmt werden. Nach drei Stunden komme ich wieder zu meiner Befundbesprechung in die Klinik. Ich werde aufgerufen und gehe zum Besprechungszimmer. Was für eine Überraschung: Da sitzt die Diabetes-Expertin vor mir und erwartet mich. Ich freue mich, denn jetzt kann ich mit meinen Fragen zum Diabetes-Covid-19-Register starten. Vorab schon einmal dafür ein riesiges Dankeschön!

Was ist ein medizinisches Register?

Mir war unklar, was ein medizinisches Register ist. Ich habe im Internet nachrecherchiert und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland, vfa, beschreibt ein medizinisches Register wie folgt: „Ein medizinisches Register ist eine systematische, anonymisierte bzw. pseudonymisierte Daten-Sammlung für eine bestimmte Erkrankung. Im Rahmen von Registern werden Daten und Informationen zu Krankheitsverläufen, zur Therapie und/oder zur Diagnose aus dem Behandlungsalltag untersucht und zusammengestellt. Ziel ist die Möglichkeit der statistischen Auswertung.“ (https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/abcgesundheitspolitik/register-schnell-erklaert.html)

Aber wozu braucht es ein Diabetes-COVID-19-Register?

Diese Frage beantwortete mir Frau Professor Kaser: „Das österreichische Diabetes-COVID-19-Register untersucht bei DiabetikerInnen, die aufgrund von COVID-19 einen stationären Aufenthalt in der Klinik haben, die Auswirkungen des COVID-19-Virus auf ihren Diabetes. An der Studie nehmen neun große Krankenhäuser und Universitätskliniken in sechs Bundesländern aus Österreich teil.“

Und gibt es bereits Ergebnisse?

„Aufgrund der Heterogenität von Diabetes-Erkrankungen ist es mit der aktuellen Datenlage allerdings sehr schwierig zu sagen, welche Patientin und welcher Patient ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf hat … Wir wissen, dass Menschen mit Diabetes generell ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf bei Infektionskrankheiten aufweisen. Was den aktuellen Fall der SARS-CoV-2-Infektion betrifft, fehlen aber noch viele wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem ist die Fragestellung, welche Folgeerkrankungen des Diabetes in welchem Ausmaß Einfluss auf das Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen haben, noch nicht ausreichend untersucht.“ (https://www.medmedia.at/diabetes-forum/das-oesterreichische-diabetes-covid-19-register/)

Quelle: ÖDG Salzburg Congress, 20191122, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser meinte in unserem Gespräch: „Besonders gefährdet sind all jene Diabetiker, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Niere oder der Lunge bereits vorbelastet sind.“ Im COVID-19-Register gibt es Hinweise darauf, dass auch das Geschlecht des Diabetikers, das Lebensalter des Diabetikers oder sein Diabetestyp eine entscheidende Rolle spielen (vergleiche Diabetes-COVID-19-Register).

Gehören Diabetiker zur Risikogruppe für COVID-19 oder nicht?

Genauso heterogen oder verschieden sich ein Diabetes entwickeln kann, genauso spaltet sich momentan auch die öffentliche Meinung zum Thema Diabetes und COVID-19. Die differente Bewertung des Diabetes verunsichert durch den Einfluss diverser Medien wie Presse, Fernsehen oder Internet.

In der österreichischen Kronenzeitung wird beispielsweise betont, dass Diabetiker zu einer besonders gefährdeten Gruppe gehören:

„Menschen mit Zuckerkrankheit müssen Priorität haben. Die Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums bestätigen klar die Notwendigkeit einer raschen Verfügbarkeit der COVID-19-Impfung für diese Patientengruppe, da bei ihnen mit  erhöhtem Risiko für schwere Verläufe der Erkrankung zu rechnen ist.“ (https://www.krone.at/2316452)

Meine Hausärztin schaute sich letztlich mein HbA1c von 6,8% an und meinte, dass ich mit meinem HbA1c nicht zur Risikogruppe gehöre. Und sie hat nach der Gesetzeslage in Österreich Recht. Nur jene Risikogruppen werden zeitiger geimpft (und damit vor COVID-19 geschützt), die einen Diabetes mellitus mit folgenden Risiko-Merkmalen haben:

a) Typ-1-Diabetes mit regelmäßig erhöhtem HbA1c > 7,5%,

b) Typ-2-Diabetes mit regelmäßig erhöhtem HbA1c > 8,5%,

c) Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mit Endorganschäden.

(Bundesgesetzblatt der Republik Österreich vom 7. Mai 2020 zur COVID-19-Risikogruppe-Verordnung bei DiabetikerInnen, https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/II/2020/203)

Wie geht es euch im Lockdown?

Die COVID-19-Pandemie mit ihren umfangreichen Beschränkungen spaltet aktuell die Gesellschaft auch im Gesundheitsbereich. Da geht es um Testungen, Impfungen und Vorsorge. Auch den Bereich des Diabetes betrifft das. Das zeigt mir die Meinung der Presse und meiner Hausärztin. Und genau deshalb sollten wir gemeinsam und jeder selbst besonders gut auf seinen Diabetes achten. Die Vernetzung in der Blood Sugar Lounge ist ein guter Schritt auf diesem Weg. Was sind eure Erfahrungen mit dem Diabetes und der COVID-19 Pandemie?


Die psychische Belastung durch die Coronapandemie: ein Thema für die Forschung – Kathy hat sich mit der psychischen Belastung durch die Pandemie beschäftigt!


von Heike Wolf

Heike war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Hier findet ihr alle Beiträge aus dieser Zeit:

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße