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DDG-Präsidentin Professor Julia Szendrödi: Umgang auf Augenhöhe mit Patientinnen und Patienten
12 Minuten
Mit den Menschen arbeiten, für sie da sein und forschen: Das ist Professor Dr. med. Julia Szendrödi wichtig. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen und Organisationen versucht die Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), vieles dafür auf den Weg zu bringen. Und auch beim direkten Umgang mit Menschen mit Diabetes ist es ihr wichtig, stets auf Augenhöhe zu agieren.
Im Interview: Prof. Dr. med. Julia Szendrödi
Einer gegen den anderen, das wollte Prof. Dr. med. Julia Szendrödi nicht. Und so wurde sie nicht Richterin oder Anwältin wie die meisten ihrer Vorfahren, sondern Ärztin. Ihr Vater hatte sich auch schon für einen sozialen Beruf entscheiden, er war Psychologe. „Bei ihm habe ich auch diese respektvolle Art mitbekommen, auf Augenhöhe mit den Patienten umzugehen“, erinnert sich die Diabetologin.

Spannender Stoffwechsel führt in die Diabetologie
Als sie nach ihrem Medizin-Studium in den Beruf einstieg, stand erst einmal Grundlagenforschung auf dem Plan. Sie aber wollte Forschung und klinische Tätigkeit verbinden, mit Menschen arbeiten. Dabei entdeckte sie, dass der Stoffwechsel der Menschen sehr spannend ist und genau diese Möglichkeit bot, die sie suchte. Ihr damaliger Chef in Wien, Prof. Dr. Michael Roden, forschte und arbeitete bereits in der Diabetologie – Julia Szendrödi folgte diesem Weg.
Wunsch, etwas zurückzugeben
Mit Prof. Roden ging die dann nach Düsseldorf ins Deutsche Diabetes-Zentrum. So entstanden auch die ersten Kontakte mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): „Die Deutsche Diabetes Gesellschaft kümmert sich wahnsinnig gut um den Nachwuchs. Das heißt, wenn man frisch im Feld ist, kann man hier gut andocken“, erinnert sie sich an ihre ersten Jahre in Deutschland. „Ich habe von Anfang an so viel bekommen von der DDG. dass auch der Wunsch da war, etwas zurückzugeben.“ Aktuell ist sie deren Präsidentin und engagiert sich mit dem gesamten Team und vielen weiteren Aktiven für die Menschen mit Diabetes und ihre gute Versorgung. Durch ihre Familie, die ihr gut beim Regenerieren hilft, kann sie auch gut immer wieder neue und hilfreiche Blickwinkel einnehmen.
Diabetes-Anker (DA): Frau Professor Szendrödi, was war Ihr Antrieb, so tief in die Diabetologie einzutauchen?
Prof. Dr. Julia Szendrödi: Zunächst habe ich Medizin studiert in Wien und hatte dann meine erste Stelle in der Grundlagenforschung. Das war damals so in Wien, dass man nicht direkt in die Klinik einsteigen konnte, weil es damals – man glaubt es gar nicht – nicht so viele Stellen gab. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht in der Grundlagenforschung, aber es war doch sehr abstrakt.
Ich habe mich dann umgesehen nach einer Stelle, wo ich immer noch wissenschaftlich arbeiten konnte, aber wo klar war, dass das etwas zu tun hat mit Menschen und meine Forschung darauf abzielt, Menschen zu helfen. Bei diesem Schritt von der Grundlagenforschung in die klinische Forschung war der Stoffwechsel etwas, das sehr spannend war für mich.
Denn es gibt viele Fragen aus der Grundlagenforschung, die man noch nicht beantwortet hat, die aber auch übergreifen in Problemfelder, die in der Diabetologie eine wichtige Rolle spielen. Zum Beispiel: Wie passt sich der Körper an verschiedene Nährstoffe an? Was passiert mit dem Körper, wenn er überernährt wird, wenn ein Diabetes sich einstellt? Wie läuft die Interorgan-Kommunikation, also wie verteilen sich Nährstoffe zwischen den verschiedenen Organen?
„Ich dachte mir, diese Verbindung aus Klinik und Forschung, die ist toll, und beschloss, mir das ein paar Jahre anzuschauen, und ging mit nach Deutschland ans Deutsche Diabetes-Zentrum und auch wieder in die Uniklinik.“
Das hat mich sehr fasziniert und war dann auch mein erster Kontakt mit Patienten, die sich für diese klinisch-experimentelle Forschung zur Verfügung gestellt haben. Denen habe ich auch schon immer sehr viel darüber erzählt, was ich herausfinden möchte und wie sie dazu beitragen. Ich habe ihnen auch immer erzählt, was herausgekommen ist. Das war sehr eindrucksvoll für mich, zu sehen, dass die meisten das mit sehr viel Engagement und Neugier betrieben haben. Das war mein Start in die Diabetologie, damals noch in Wien.
Mein damaliger Chef, Professor Michael Roden, sagte dann nach ein paar Jahren, nachdem ich in die klinische Ausbildung übergegangen war, er geht nach Düsseldorf und übernimmt das Deutsche Diabetes-Zentrum. Er fragte mich, ob ich mitgehen würde. Ich dachte mir, diese Verbindung aus Klinik und Forschung, die ist toll, und beschloss, mir das ein paar Jahre anzuschauen, und ging mit nach Deutschland ans Deutsche Diabetes-Zentrum und auch wieder in die Uniklinik. So konnte ich weiterhin diese beiden Bereiche verbinden.
DA: War für Sie schon als Kind klar, dass sie Ärztin werden möchten?
Prof. Szendrödi: Gar nicht. Eigentlich komme ich aus einer Anwalts-Familie, die urspünglich aus Budapest stammt. Viele dachten, ich werde in die Fußstapfen der letzten Generationen eintreten – in Budapest waren alle Richter und Anwälte. Ich habe mir das auch überlegt, aber ich habe immer schon sehr viel Empathie gehabt und konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass ich eine Seite vertrete und mich dann gegen die andere Seite stelle. Die Empathie und der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, das war schon ein Antrieb.
Mein Vater, der inzwischen in Wien lebte und mit einer Wienerin verheiratet war, war Psychologe – er war also schon ausgeschert in einen sozialen Beruf. Ich habe dann noch geschwankt zwischen Psychologie und Medizin und habe erst einmal beides angefangen, zwei Jahre parallel. Nach zwei Jahren habe ich mich aber ganz auf die Medizin fokussiert. Da gab es auch die Verbindung zwischen sozialem Beruf und naturwissenschaftlichem Interesse. Das war für mich einfach eine tolle Möglichkeit, alles, was mich interessiert, zu verbinden.
DA: Sie haben als Stationen schon Wien und Düsseldorf erwähnt, Sie sind aber jetzt in Heidelberg. Gab es dazwischen weitere Stationen?
Prof. Szendrödi: Nein, ich war ungefähr 12, 13 Jahre in Düsseldorf. Dort habe ich mich immer tiefer in die Diabetologie reingearbeitet und habe das verwirklicht, was mein Traum war: mit Menschen arbeiten. Dadurch, dass mein Vater Psychologe war und immer viel erzählt hat über seine Arbeit mit den Menschen, habe ich den Wunsch mitbekommen, Menschen zu helfen, die eine chronische Erkrankung haben, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Bei ihm habe ich auch diese respektvolle Art mitbekommen, auf Augenhöhe mit den Patienten umzugehen.
Das hat sich ja in der Medizin in den letzten Jahren glücklicherweise auch sehr geändert, wo früher dogmatische Leitlinien galten und dem Patienten, der Patientin verordnet wurde, was sie zu tun haben. Das ist auch etwas, was mir in der Präsidentschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft wichtig ist: dass wir gut kommunizieren mit den Patienten, sie auch in der Versorgung vernetzen, die Menschen bewegen und in der Prävention stärken.
DA: Gab es neben Ihrem Vater für Sie besondere Menschen auf diesem Weg, die für Sie wichtig und richtunggebend waren?
Prof. Szendrödi: Vom Führungsstil her hat mich Veronika Sexl sehr geprägt. Sie war damals am Pharmakologischen Institut, wo ich beruflich gestartet hatte in der Grundlagenforschung. Ihr hatte ich erzählt, dass ich gern mehr in die Klinik hineinwachsen würde. Sie empfahl mir dann Professor Roden, als jemand, der spannende Forschung macht, klinisch-experimentell, und der auch Frauen fördert.
Bei Veronika Sexl habe ich mir auch ein bisschen abgeschaut, wie ich mir vorstelle, dass man mit Mitarbeitern umgeht. Wie man sich kümmert, dass Menschen sich auch in ihrer Karriere gut entwickeln können. Sie hat mich sehr geprägt – und dann natürlich Professor Roden, der mein Mentor war mit dem Start in der klinischen Forschung und in der Klinik. Mit ihm habe ich die meiste Zeit meiner beruflichen Tätigkeit verbracht und bin mit ihm immer noch eng befreundet.
DA: Sie sind für Ihre Arbeit in der Diabetologie bereits vielfach ausgezeichnet worden. Wofür konkret waren die Auszeichnungen?
Prof. Szendrödi: Insbesondere für die mechanistischen Fragestellungen bei der Entstehung von Komplikationen des Diabetes, insbesondere für die Fettleber-Erkrankung, die jetzt MASLD heißt, also „Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Leber-Erkrankung“.
Da ging es insbesondere darum, wie Nährstoffe verwertet werden, den Energiestoffwechsel, die Mitochondrien-Funktion, also wie diese Krankheiten entstehen und wie man die Präzisionsmedizin anwenden kann, um Menschen zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko haben, früh schwere Komplikationen zu entwickeln, und welche Mechanismen das antreibt. Es ging vor allem um die Rolle der Mitochondrien beim Entstehen von Komplikationen, nicht nur in der Leber, sondern auch in Muskel und Herz vor allem.
„Ich habe von Anfang an so viel bekommen von der DDG, dass auch der Wunsch da war, etwas zurückzugeben und mich zu vernetzen mit den anderen, die in der DDG tätig sind.“
DA: Verstehe. Sie haben vorhin schon kurz die Deutsche Diabetes Gesellschaft erwähnt. Warum haben Sie begonnen, sich in der Deutschen Diabetes Gesellschaft zu engagieren?
Prof. Szendrödi: Das war eigentlich ein Selbstläufer. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft kümmert sich wahnsinnig gut um den Nachwuchs. Das heißt, wenn man frisch im Feld ist, kann man hier gut andocken. Man hat hier die Möglichkeit, außerhalb der eigenen Abteilung und der eigenen Uniklinik andere Mentoren kennenzulernen, sich zu vernetzen mit den anderen jungen Diabetologen und Diabetologinnen und Vorträge zu halten. Man kann Projekte einreichen, kleiner und niederschwellig, wird gefördert.
Natürlich sind die Tagungen immer super spannend, super organisiert. Das war jedes Jahr ein Highlight, also zweimal im Jahr: im Mai immer in Berlin und im Herbst in den anderen Städten. Ich habe von Anfang an so viel bekommen von der DDG, dass auch der Wunsch da war, etwas zurückzugeben und mich zu vernetzen mit den anderen, die in der DDG tätig sind.
DA: Wann war Ihr erster Kontakt in die DDG?
Prof. Szendrödi: So 2008, 2009.
DA: Konnten Sie sich zu Beginn Ihres Engagements schon vorstellen, dass Sie irgendwann einmal Präsidentin der DDG sein würden?
Prof. Szendrödi: Bis zu dem Tag, an dem ich angerufen und gefragt wurde, war das überhaupt nicht in meinem Kopf. Ich wusste auch nicht, dass das so läuft: dass man sich einfach überlegt, wer passen könnte. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, hatte dann noch Zeit, mich damit auseinanderzusetzen, was das Amt bedeuten würde, und fand dann, dass man das eigentlich gar nicht ablehnen kann. Daher wollte ich es gern annehmen, obwohl es natürlich eine sehr große Verantwortung ist, die man trägt, und mir klar ist, dass das eine sehr wichtige Rolle ist.
DA: Wie haben Sie sich erkundigt, welche Aufgaben da zu bewältigen sind? Und welche Aufgaben sind es jetzt?
Prof. Szendrödi: Mit Professor Andreas Fritsche, der jetzt Past-Präsident ist, habe ich mich ausführlich unterhalten, und auch mit Professor Andreas Neu, der damals Past-Präsident war. Gesprochen habe ich auch mit Barbara Bitzer, der Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Die haben mich alle ausführlich informiert, schonungslos, haben mir aber auch vermittelt, dass das ein großes Team ist, in das man reinwächst, und dass man diese Aufgaben gemeinsam bewältigt. Im Endeffekt ist es, dass man sich im Team überlegt, was Themen sind, die man in Angriff nehmen möchte und muss.
Natürlich kommt manches aus der Aktualität, wie beispielsweise die Gesundheitsreform. Das sind Themen, die man dann begleiten muss und wo man gesundheitspolitisch auch einen Auftrag hat. Und es gibt andere Themen, die man selber auch fokussiert und dann angehen kann, wie eben jetzt bei uns, dass wir sagen: Prävention stärken, Versorgung vernetzen und Menschen bewegen. Das ist gerade der Leitgedanke, Menschen zu bewegen, ihre Gesundheit selbstwirksam zu gestalten. Das sind Themen, wo man im Schulterschluss mit diabetesDE – das ist ja die Vertretung der Patienten- und Patientinnen-Stimme – einfach sehr viel bewegen und die DDG auch als Plattform nutzen kann.
DA: Sie haben es eben schon ein bisschen anklingen lassen: Die Diabetologie befindet sich aktuell in schwierigem Fahrwasser. Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Fachgesellschaft, der Diabetologie auch politisch wieder die Wichtigkeit zukommen zu lassen, die das Fach haben müsste? Denn der Diabetes, vorrangig der Typ-2-Diabetes, ist ja eine Volkskrankheit.
Prof. Szendrödi: Ja, er ist eine Volkskrankheit und betrifft wahrscheinlich ungefähr 10 Prozent der Menschen in Deutschland. Und das, was die Schwierigkeit, aber auch die Stärke der Diabetologie ist: Sie ist ein Querschnittsthema. Der Diabetes betrifft eben viele Organe, ich habe es erwähnt: das Herz, die Niere, die Leber. Da sind viele internistische Disziplinen betroffen, aber auch die Neurologie und viele andere.
Und die Diabetologie hat hier eine koordinierende, integrierende Stimme, die sie wahrnimmt und wo wir gemeinsam interdisziplinär die Versorgung weiterentwickeln. Also auch Fachgesellschaften aus der Gynäkologie, der Pädiatrie, der Chirurgie hinsichtlich der bariatrischen Chirurgie – das sind sehr viele Fachdisziplinen, wo wir gemeinsam an Leitlinien arbeiten, diese gemeinsam weiterentwickeln. Und die Interdisziplinarität ist sehr wichtig. Aber es ist auch wichtig, dass wir als Diabetologen da die Führungsrolle übernehmen und sagen, in welche Richtung es gehen muss.
„Ich glaube, das ist auch sehr wichtig, dass wir der Politik vermitteln, dass sie das nicht für uns tun, also für die Fachgesellschaften, sondern für die Menschen mit den Erkrankungen oder die, die diese Erkrankungen gar nicht erst entwickeln. “
DA: Erreichen Sie damit auch die Politiker oder ist das dann eher im interärztlichen Dialog?
Prof. Szendrödi: Ich glaube schon, dass wir da die Politik sehr gut erreichen, insbesondere weil ja auch das Thema Prävention in Deutschland jetzt immer wichtiger wird. Das wurde hier lange unterschätzt. Und jetzt wird langsam verstanden, wie wichtig es ist. Und dass Prävention nicht heißt, dass man das Gießkannenprinzip überall ansetzt, sondern dass es sehr wichtig ist, Menschen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Diabetes und diabetischen Komplikationen zu identifizieren und sie dann gezielter Prävention zuzuführen.
Da haben wir auch eine sehr gute Kooperation mit DANK, also der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten. Da sind auch viele Fachgesellschaften, die ich vorhin genannt habe, mit im Boot und wir formulieren gemeinsam gesundheitspolitische Forderungen und sind da auch sehr stark im Schulterschluss eben mit der Patienten-Stimme. Ich glaube, das ist auch sehr wichtig, dass wir der Politik vermitteln, dass sie das nicht für uns tun, also für die Fachgesellschaften, sondern für die Menschen mit den Erkrankungen oder die, die diese Erkrankungen gar nicht erst entwickeln.
Und dass es hier wirklich Maßnahmen gibt, die in anderen Ländern schon sehr erfolgreich und effizient und auch kostensparend umgesetzt werden. Dass man da das Rad auch nicht neu erfinden muss und dass sie das für die Bevölkerung in Deutschland machen müssen. Die sind ja auch gleichzeitig ihre Wähler. Ich glaube, das kommt mittlerweile auch gut an.
DA: Sie haben beschrieben, wie viele Aufgaben in der Präsidentschaft liegen. Wie viel Zeit bleibt Ihnen daneben für Ihre klinischen Aufgaben und Ihre Forschung, also Ihren eigentlichen Broterwerb?
Prof. Szendrödi: Das ist der Dreiklang, das geht im Grunde alles Hand in Hand. Viele Themen, die mich in der Präsidentschaft interessieren, die interessieren mich auch innerhalb der eigenen Klinik. Das ist auch schön, wenn man solche Themen dann gemeinsam mit dem Team in der Klinik anstößt und auch auf der Ebene der DDG in Angriff nehmen kann.
Ich habe ein super Team innerhalb meiner Klinik – ich bin jetzt vier, bald fünf Jahre in Heidelberg – und wir haben schon einige Schwerpunkte aufgebaut. Das macht richtig Spaß. Und von der Forschung her haben wir auch das Team des DZD, also Deutsches Zentrum für Diabetesforschung. Das sind Diabetes-Einrichtungen, Forschungs-Einrichtungen in ganz Deutschland, wo wir auch gemeinsame Themen haben.
Da gibt es auch eine super Kooperation zwischen der DDG und dem DZD und man kann auch gesundheitspolitisch sehr gut zusammenarbeiten. Da ist es mittlerweile sehr wichtig geworden, dass man Patienten einbezieht in die Forschung und nicht nur im Elfenbeinturm forscht, sondern dass man sich das wirklich ganzheitlich überlegt, auch was die Patienten denken, was wichtig wäre, was wichtige Schwerpunkte sind. So geht das alles Hand in Hand. Das ist nicht so stark getrennt, wie man das von außen glaubt.
DA: Das klingt sehr gut. Dennoch ist Ihr Terminkalender dadurch sehr voll. Bleibt da noch Zeit für andere Dinge, auch zum Abschalten und Entspannen?
Prof. Szendrödi: Ja, gezwungenermaßen. Ich habe Kinder und das ist gut. Viele denken, das ist eigentlich Stress, aber ich muss ja nach Hause und muss mich dann auch gleich hinsetzen und, ich weiß nicht, Abend essen oder fürs Diktat üben, spielen, im Winter Tischtennis im Keller, oder Wichtelbriefe schreiben. Das holt einen von einer Minute auf die andere einfach raus und es ist auch eine sehr gute Abwechslung.
Denn, Sie haben es vorhin erwähnt, die Diabetologie ist nicht in einer einfachen Zeit, wir haben einen riesigen wirtschaftlichen Druck. Die Gesundheitsreform, die muss ausgestaltet werden. Da macht man sich natürlich große Sorgen. Aber wenn man dann einfach die Realitäten switcht und in einer anderen Thematik ist, hilft das, zu regenerieren, den Kopf freizubekommen und Sorgen zu vergessen. Und es hilft, die Themen, die einen in der DDG beschäftigen, aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Wenn wir zum Beispiel gesundheitspolitisch fordern, mit DANK zusammen, dass wir eine Zuckersteuer brauchen, mehr Bewegung in den Schulen, ein Werbeverbot für ungesunde Nahrung, um Kinder zu schützen, dann ist das etwas, was ich selber auch erlebe als Mutter, als jemand, der selber einkaufen geht und versucht, die Kinder zu erziehen zu einer gesunden Ernährung und auch Bewegung in den Alltag zu integrieren.
Ich finde das sehr bereichernd, dass man sozusagen hin- und herspringt zwischen diesen Rollen und nicht Scheuklappen hat und einen einseitigen Blick bekommt, sondern dass man immer wieder neue Perspektiven einnimmt.
„Aber das ist schon eine sehr hohe Priorität für mich, dass ich wirklich darauf achte, dass ich mich austobe, auch körperlich, und dass ich mittlerweile, weil ich jetzt auch schon älter werde, darauf achte, dass ich Krafttraining betreibe. Ich sage das immer meinen Patienten, aber mache das auch selber.“
DA: Spannend! Wenn Sie aber einfach mal richtig viel Zeit nur für sich selbst hätten, also unabhängig von Beruf, Ehrenamt, Familie, was würden Sie dann gern tun?
Prof. Szendrödi: Was ich auf jeden Fall immer versuche einzubauen, ist körperliches Training. Das ist sehr wichtig für mich. Abgesehen davon, dass ich viel arbeite und oft zu wenig schlafe, versuche ich, den Schlaf zumindest am Wochenende nachzuholen.
Aber das ist schon eine sehr hohe Priorität für mich, dass ich wirklich darauf achte, dass ich mich austobe, auch körperlich, und dass ich mittlerweile, weil ich jetzt auch schon älter werde, darauf achte, dass ich Krafttraining betreibe. Ich sage das immer meinen Patienten, aber mache das auch selber. Oft ist wenig Zeit, aber dann mache ich das einfach in der Früh. Ich habe ein paar Tools zu Hause, ein Standfahrrad und Gewichte.
Und da bin ich nicht allein. Viele meiner ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die auch Direktorinnen und Direktoren sind, wir erzählen uns das gegenseitig und geben uns Tipps. Und die meisten, die das umsetzen, machen das in den frühen Morgenstunden. Und das ist auch die Zeit, wo man einfach ein bisschen Zeit für sich hat, bevor der Tag über einen hereinbricht. Man geht dann auch mit einem besseren Gefühl in den Tag, wenn man weiß, man hat für sich selber und für den eigenen Körper schon etwas getan. Das hilft, finde ich, auch für die mentale Gesundheit.
Und ich lese am Abend immer den Kindern vor. Die Bücher werden immer interessanter, muss ich sagen. Und dann auch noch für sich selber ein paar Seiten zu lesen, auch wenn wenig Zeit ist, das finde ich immer sehr bereichernd.
DA: Das klingt gut! Eine Frage noch zum Abschluss: Gibt es etwas, was Sie Menschen mit Diabetes noch unbedingt mit auf den Weg geben möchten?
Prof. Szendrödi: Mir ist wichtig, dass die Patienten mit Diabetes wissen, dass sie den Diabetes haben, aber in erster Linie Menschen sind. Deswegen sagen wir nicht mehr Diabetiker, sondern Menschen mit Diabetes, so, wie Sie es auch selber richtig gesagt haben. Und dass wir uns bemühen, im Gespräch zu sein.
Der wirtschaftliche Druck, der gibt es oft nicht her, dass wir so viel mit den Menschen reden, wie wir das gern wollen. Aber wir wollen hören, wie es ihnen geht mit Diabetes und wollen im Gespräch sein und wollen zusammen den Korridor ausloten, was jemand erreichen kann mit der Diabetestherapie.
Und mir ist wichtig: Wir wollen die Leitlinien noch patientengerechter formulieren, sodass Menschen mit Diabetes selber wissen, was ihr Risiko ist, eine Komplikation zu entwickeln, und was sie daran optimieren können. Das heißt, wir wollen die Selbstwirksamkeit verbessern, sodass die Menschen von diesen Leitlinien am meisten profitieren und ein gutes Leben mit Diabetes führen. Und ich glaube, der Erhalt der Lebensqualität und, diese zu optimieren, das ist am allerwichtigsten.
DA: Ganz herzlichen Dank, Frau Professor Szendrödi!
Interview: Dr. med. Katrin Kraatz
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moira postete ein Update vor 2 Tagen, 2 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
