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Diabetes bleibt selten allein
3 Minuten

Wer schon viele Jahre Diabetes hat, bei dem können sich Phasen mit nicht optimalen Zuckerwerten häufen. Wer Typ-2-Diabetes hat, wurde meist später im Leben geschult und nicht so intensiv wie Menschen mit Typ-1-Diabetes. Letztere haben oft schon früh gelernt, wie man gesünder lebt. Diabetesdauer, hohe Glukosespiegel, Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen beschleunigen das Risiko, dass kleine und große Arterien geschädigt werden. Diabetisches Fußsyndrom, Augen-, Nieren- und Nervenerkrankungen können folgen. Die Nervenschädigung kann dazu führen, dass Symptome für den Herzinfarkt nicht rechtzeitig erkannt werden.
Gleich von mehreren Infarkten in seiner Krankengeschichte überrascht wurde der 62-jährige Andreas M. aus dem Kreis Lippe. Der Ostwestfale bekam vor fünf Jahrzehnten Typ-1-Diabetes, als er im Jugendalter war. „Die dicken Kanülen haben mich gegruselt. Die Spritzen damals wurden noch ausgekocht, der Blutzucker einmal die Woche gemessen. Und das Essen ging nur zu festen Zeiten, egal ob man Hunger hatte oder nicht“, erinnert er sich an die Zeit.
Zielwerte bei DiabetikernBehandlungsziele werden immer individuell festgelegt – sie sind abhängig von Alter und Krankheitsbild | ||
| Blutzucker | präprandial (nüchtern) postprandial (nach dem Essen) HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) | < 100 mg/dl (5,6 mmol/l) < 140 mg/dl (7,8 mmol/l) < 7,0 % (53 mmol/mol) |
| BMI (Body-Mass-Index) | Frauen Männer | 19 – 24 kg/m² 20 – 25 kg/m² |
| Bauchumfang | Frauen Männer | < 88 cm < 102 cm |
| Blutfette/Triglyzeride | < 150 mg/dl | |
| LDL-Cholesterin | herzkranke Diabetiker Zustand nach Herzinfarkt | < 100 mg/dl < 70 mg/dl < 55 mg/dl |
| Blutdruck | bei Nephropathie | systolisch/diastolisch < 140/85 mmHg < 130/80 mmHg |
Quelle: Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker)
Da sei es heute mit Insulinpumpen oder Glukosesensoren, die den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe messen können, komfortabler. Andreas M. nutzt beides, Pumpe und Sensor. Die Vorteile, z. B. weniger Hypoglykämien zu haben, würden überwiegen. Doch die Zuckereinstellung der ersten Jahre mit Typ-1-Diabetes habe sich gerächt.
Nieren: geringe Filterleistung
Durch die Nephropathie wurden auch die Nierenwerte von Andreas M. zunehmend schlechter. Hinzu kam, dass die eingesetzten Blutdrucksenker trotz mehrfacher Anpassung lange ihr Ziel verfehlten. Der Blutdruck blieb über Jahre hoch. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) lag bei knapp 30 ml pro Minute.
Sinkt die GFR unter 60 ml/min, ist das ein Hinweis, dass die Nieren Schadstoffe, die normalerweise über den Urin ausgeschieden werden, nicht mehr richtig filtern können. Fällt die GFR unter 15 ml/min, bleibt die Nierenersatztherapie (Dialyse).
Dialyse droht
Bei Andreas M. bestand die Gefahr, dass seine Nieren vollständig versagen (terminale Niereninsuffizienz). Er folgte deshalb dem Vorschlag seines Nephrologen, mit Transplantation von Niere und Pankreas der Dialysepflicht zu entgehen. Die Freiheit ohne Insulinspritzen und ohne Dialyse währte ein Jahr.
Aufgrund eines Tumors bei der Spender-Bauchspeicheldrüse mussten beide Organe in einer Not-Operation wieder entfernt werden. Von den Tumorzellen des Spenders blieb nichts zurück. Die Dialyse im Anschluss sei körperlich eine Tortur gewesen. „Dreimal die Woche, fünf Stunden lang Blutwäsche, das ist eine starke Umstellung im Alltag.“ Man muss auf Kalium und Phosphat achten, die tägliche Trinkmenge ist auf einen Liter begrenzt.
Herzinfarkt ohne Vorwarnung
Den ersten Herzinfarkt hatte Andreas M., als er fast 50 war. Er fühlte einen Druck auf der Brust, ging zum Arzt: Hinterwandinfarkt, Herzkatheter, Stent. Einen Tag zuvor habe er nichts gespürt: „Kein Schwitzen, keine Luftnot. Das ist das Problem bei langer Diabetesdauer. Du merkst nicht, wenn der Motor eine Macke hat.“
Sein zweiter Infarkt kam drei Jahre später ohne Vorwarnung bei einem Gesundheitstag in einer Klinik, den er mit seiner Frau besuchte. „Auf einmal, wie ein Blitz aus heiterem Himmel bekam ich Schmerzen in der Brust. Richtig fiese Schmerzen. Es wurde eng in der Brust, wie ein Schraubstock, der mich umklammert.“ Seine Frau berichtete im Nachgang, dass die Aufregung groß war und jemand „schwere Hypo“ schrie.
Herzinfarkt-Anzeichen
Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können sich bei Frauen und Männern unterscheiden.
Frauen berichten oft über:
- Kurzatmigkeit/Atemnot
- Schweißausbrüche
- Rückenschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Schmerzen im Oberbauch
- Ziehen in den Armen
- unerklärliche Müdigkeit
- Depressionen
Männer berichten oft über:
- Angstschweiß mit kalter, fahler Haut
- massives Engegefühl
- heftigen Druck oder sehr starkes Einschnürungsgefühl im Herzbereich
- starkes Brennen in der Brust
- Übelkeit
- Erbrechen
- Atemnot
- Schmerzen im Oberbauch
Mit der Notversorgung sei dann aber alles schnell gegangen: Ein Infarkt im Krankenhaus, besser könne es nicht laufen. Und wieder wurden Stents eingesetzt. Nach dem Eingriff erfolgte ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik. Ein halbes Jahr später musste seine Frau erneut den Notarzt rufen. Diesmal gab es für Andreas M. statt Stent drei Bypässe. Mit dem Herzen liefe es seitdem.
Spenderorgan: erneute Chance
Einige Zeit später habe es dann mit dem linken Fuß Probleme gegeben: „Kaum laufen, den angefertigten Schuh tragen, die Wunde am Zeh heilte ab, obwohl es ewig dauerte“, ist Andreas M. froh. Dankbar ist er auch dafür, vor zwei Jahren noch einmal eine neue Niere erhalten zu haben –obwohl ihm bei der Nachricht, dass ein Spenderorgan zur Verfügung stehe, etwas mulmig war.
Bereut hat er die Entscheidung zur Transplantation bislang nicht. Sein Leben habe an Qualität gewonnen. „Ohne Dialyse ist der Alltag viel leichter, den Diabetes und den Blutdruck habe ich im Griff.“
Schwerpunkt: „Diabetes und die Folgen“
von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, Prof. Dr. med. Wolfgang Motz und Prof. Dr. med. Dr. h. c. E. Bernd Ringelstein Ringelstein
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe ist Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie sowie Diabetologe. Er ist Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) an der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD) in der Deutschen Diabetes-Stiftung sowie Lehrstuhlinhaber Innere Medizin/ Endokrinologie/ Diabetologie an Ruhr-Universität Bochum (RUB).
Prof. Dr. med. Wolfgang Motz ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er ist tätig als rztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg, Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg- Vorpommern und Chefarzt der Klinik für Kardiologie.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. E. Bernd Ringelstein ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er ist ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster und war Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (3) Seite 26-27
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mr postete ein Update vor 1 Tag, 11 Stunden
Hallo,
Ich bin neu hier.
Seit gut zwei Jahren Typ 1 Diabetikerin.
Ich würde mich gerne austauschenmulti postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.
olivers postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliver- gunnar83 antwortete vor 4 Tagen, 17 Stunden
Hey Oliver, kannst mich gerne mal anschreiben. Viele Grüße
Gunnar - olivers antwortete vor 4 Tagen, 13 Stunden
@gunnar83: hallo, aktuell im Frankfurter Raum. Wir können aber gerne mal ein Treffen organisieren, zwecks Austausch.
Viele Grüße
Oliver - brandt antwortete vor 2 Tagen, 12 Stunden
Hallo Oliver, auch ich bin Typ 3c und würde mich gern mit dir ein wenig per Mail mit dir austauschen, wenn du magst. Bin vor 15 Jahren mit Kausch-Whipple auf “Verdacht” operiert worden – war aber kein Krebs, sondern “nur” eine Pankreatitis (AIP), also eine Fehldiagnose (hätte keiner OP bedurft, also kein Diabetes als Folge).



