- Behandlung
Dauerhaft in Sorge ums Herz
4 Minuten

Wer Diabetes hat, der hat ein hohes Risiko, am Herzen zu erkranken. Mit schlecht eingestelltem Glukosestoffwechsel ist die Prognose für das Herz deutlich schlechter. Süßes Blut ist dickflüssiger, es neigt eher zum Verklumpen. Dadurch wächst die Gefahr, dass Gerinnsel entstehen: Diese können dazu führen, dass lebenswichtige Organe nicht mehr gut mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Hinzu kommt, dass die großen Zuckermengen im Blut die Muskelzellen angreifen, auch im Herzmuskel. So kann das Herz nicht die Energie bereitstellen, die nötig wäre, um langfristig intakt zu bleiben.
Vor sieben Jahren nach Tunesien ausgewandert, hat Volker J. seinen Wohnsitz inzwischen wieder nach Deutschland verlegt. Eigentlich kam er nur zweimal jährlich für vier Wochen in die Heimat, um seine Kinder zu sehen, zum Arzt zu gehen und Formalitäten zu regeln: „Mein Lebenstraum, in einem Land mit mehr Sonne alt zu werden, ist vor zwei Jahren geplatzt. Die Krankheit hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert der 56-jährige Textilfabrikant.
Sechs Jahre nach dem Herzinfarkt wurde sein Diabetes erkannt. Leicht erhöhte Zuckerwerte habe es schon monatelang vor der Diagnose gegeben: „Mit Bewegung und Ernährung war das in den Griff zu bekommen, nur mein Blutdruck musste mit Tabletten behandelt werden.“
Späte Diagnose
Dass die Herzerkrankung vor dem Diabetes festgestellt wird, ist nicht selten. Der Blick auf den Zuckerstoffwechsel bei Herzpatienten wird mitunter vergessen. Dabei gibt es Studien, die belegen, dass fast die Hälfte der Patienten, die ambulant beim Kardiologen behandelt werden, an Diabetes erkrankt ist. Bis zu 30 % der Herzpatienten in der kardiologischen Praxis zeigen auch Vorstufen zur Erkrankung, Prädiabetes genannt.
Bei Volker J. wird der Typ-2-Diabetes therapiert, seit er 2016 während eines Deutschland-Besuchs mit Werten über 600 mg/dl (33,3 mmol/l) in der Klinik behandelt werden musste. Sein Durst und der ständige Gang zur Toilette hatten schon Wochen zuvor auf die entgleisten Zuckerwerte hingewiesen. Weniger deutlich waren die Anzeichen, die sein Herz betreffen. Der Infarkt kündigte sich 2010 mit krampfartigen Bauchschmerzen und Schweißausbrüchen an.
„Auf Drängen meiner Freundin rief ich den Arzt an, der mich mit den Worten, es sei bestimmt nur eine Magenverstimmung, versuchte, zu beruhigen. Mein Zustand besserte sich nicht. Ich bekam schlecht Luft, zwei Tage später bin ich in die Notaufnahme gefahren“, schildert der Westfale die Situation. Nach EKG und Blutuntersuchungen in der Klinik wurde die Diagnose Herzinfarkt bestätigt.
Jede Minute zählt
Ein Herzinfarkt entsteht, wenn sich Herzkranzgefäße verschließen. Dann werden Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, das Gewebe stirbt ab. Schlimmstenfalls drohen Kreislaufstillstand und Herztod, wenn Bereiche des Herzens betroffen sind, in denen das Schlagen des Herzens gesteuert wird. Volker J. hatte Glück: Obwohl er schon 48 Stunden lang Infarkt-Symptome hatte, konnte er die Klinik noch rechtzeitig erreichen.
Doch abwarten wie er sollte man nicht – jede Minute zählt! Bei Verdacht auf Infarkt muss sofort gehandelt werden. Das bedeutet: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig die Notrufnummer 112 wählen. Sonst steigt das Risiko, dass lebenswichtige Zeit verloren geht.
Volker J.: viele verengte Gefäße
Bei Volker J. stellten die Ärzte eine komplexe Schädigung des Herzens fest. Das Gewebe war durch viele verengte Gefäße und einen großen Vorderwandinfarkt großräumig von der Blutversorgung abgeschnitten. Die Herzleistung lag bei nur 30 %. Die Kardiologen führten Ballonkatheter in die verschlossenen Gefäße, um sie zu weiten, und setzten zur Stabilisation kleine Metallstützen (Stents) in die Gefäße ein.
Die Ballon-Dilatation mit Einsetzen eines oder mehrerer Stents ist ein gängiges Verfahren, um verschlossene Gefäße wieder zu öffnen und die Versorgung mit Blut zu sichern. Das feine Drahtgeflecht aus Metall beim Stent sieht aus wie ein Gitter und hat einen Durchmesser von etwa 2 bis 4 Millimeter. Meist sind solche Gefäßstützen der aktuellen Generation mit Medikamenten beschichtet, um Narbenbildung und Zellwachstum im Blutgefäß zu verhindern.
Nach einer Stent-Implantation ist es notwendig, über einen begrenzten Zeitraum blutverdünnende Medikamente einzunehmen. Damit soll verhindert werden, dass Narbengewebe entsteht, denn Narbengewebe kann erneut zu Gefäßverengungen, den Re-Stenosen, führen. Die Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten ist auch nach einer Bypass-Operation erforderlich – einem Eingriff, den im Regelfall der Herzchirurg vornimmt. Hierbei wird eine Arterie oder Vene als Art Gefäßersatz zum Überbrücken der Gefäßengstelle befestigt.
Schwaches Herz
Zur Bypass-Operation entschied man sich bei Volker J. zwei Jahre nachdem ihm die Stents implantiert worden waren. Die Herzleistung war weiterhin eingeschränkt. „Vor allem bei Kälte hatte ich Probleme. Ich war schlapp und schnell außer Atem“, schildert der Fabrikant die Beschwerden. Keine 100 Meter habe er laufen können, ohne sich hinsetzen oder ausruhen zu müssen. Nach der Operation zurück in Tunesien sei ihm alles leichter gefallen, auch das Spazieren am Strand.
Der Diabetes habe ihm keine Sorgen gemacht. In der Klinik sei er von Metformin auf Insulin umgestellt worden, damit liefen die Werte besser. Zwei Jahre danach setzten die Ärzte aufgrund der Herzschwäche ein Gliflozin ein: Der SGLT-2-Hemmer soll vor Komplikationen schützen. Wirklich überzeugen kann das den Unternehmer, den die ständige Sorge begleitet, nicht. Er habe das Gefühl, dass sich sein Zustand von Jahr zu Jahr verschlimmere.
Falsche Erregungsherde
Ein schwaches Herz, eine Herzinsuffizienz, entwickelt sich meist durch abgestorbenes Muskelgewebe infolge verengter und verschlossener Gefäße, die zum Herzinfarkt führen. Auch Rhythmusstörungen, Bluthochdruck oder erkrankte Herzklappen können Gründe sein, dass die Herzleistung schwächer wird. Durch koronare Herzkrankheit und Infarktnarben können falsche Erregungsherde entstehen, die zu Rhythmusstörungen führen.
Meist lässt sich eine erhöhte Herzfrequenz heute gut mit Medikamenten behandeln, damit das Herz wieder in den normalen Takt mit 60 bis 90 Schlägen pro Minute kommt. Lebensbedrohlich kann es werden, wenn das Herz so schnell rast (Tachykardie), dass es nicht mehr in der Lage ist, sauerstoffreiches Blut effizient durch den Körper zu pumpen. Die Herzfrequenz liegt dann bei mehr als 100 Schlägen pro Minute, in extremen Fällen sogar bei bis zu 400 Schlägen pro Minute.
„Die Herzprobleme und die Nähe zur Familie waren der Anlass, nach Deutschland zurückzukehren“, stellt Volker J. klar. Sein Herz pumpt mittlerweile so schlecht, dass er auf ein künstliches Unterstützungssystem angewiesen ist. Er müsse deshalb regelmäßig zur Kontrolle in die Herzinsuffizienz-Ambulanz und warte sehnsüchtig darauf, dass er transplantiert werde. Bei der Dringlichkeit stehe er aber nicht an erster Stelle auf der Klinikliste.
Schwerpunkt: „Diabetes und die Folgen“
von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, Prof. Dr. med. Wolfgang Motz und Prof. Dr. med. Dr. h. c. E. Bernd Ringelstein Ringelstein
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe ist Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie sowie Diabetologe. Er ist Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) an der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD) in der Deutschen Diabetes-Stiftung sowie Lehrstuhlinhaber Innere Medizin/ Endokrinologie/ Diabetologie an Ruhr-Universität Bochum (RUB).
Prof. Dr. med. Wolfgang Motz ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er ist tätig als rztlicher Direktor des Klinikums Karlsburg, Herz- und Diabeteszentrum Mecklenburg- Vorpommern und Chefarzt der Klinik für Kardiologie.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. E. Bernd Ringelstein ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er ist ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster und war Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (3) Seite 22-25
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mr postete ein Update vor 1 Tag, 11 Stunden
Hallo,
Ich bin neu hier.
Seit gut zwei Jahren Typ 1 Diabetikerin.
Ich würde mich gerne austauschenmulti postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.
olivers postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliver- gunnar83 antwortete vor 4 Tagen, 18 Stunden
Hey Oliver, kannst mich gerne mal anschreiben. Viele Grüße
Gunnar - olivers antwortete vor 4 Tagen, 14 Stunden
@gunnar83: hallo, aktuell im Frankfurter Raum. Wir können aber gerne mal ein Treffen organisieren, zwecks Austausch.
Viele Grüße
Oliver - brandt antwortete vor 2 Tagen, 12 Stunden
Hallo Oliver, auch ich bin Typ 3c und würde mich gern mit dir ein wenig per Mail mit dir austauschen, wenn du magst. Bin vor 15 Jahren mit Kausch-Whipple auf “Verdacht” operiert worden – war aber kein Krebs, sondern “nur” eine Pankreatitis (AIP), also eine Fehldiagnose (hätte keiner OP bedurft, also kein Diabetes als Folge).




