- Behandlung
Die Haut – Spiegel des Inneren
5 Minuten

Die Haut kann als Spiegel unseres Inneren und als Grenze zu diesem betrachtet werden. Sie ist dadurch ein besonderes Organ, das stets Aufmerksamkeit verlangt und verdient – gerade, wenn man Diabetes hat.
Die Haut des Menschen bedeckt eine Fläche von 1,5 bis 2 m² und hat ein Gewicht von 3,5 bis 10 kg! Beim Erwachsenen ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. An allen Körperöffnungen (Mund, After, Augenhöhlen etc.) geht die Haut als äußere Oberfläche in die Schleimhaut als innere Oberfläche über.
Die Haut hat wichtige Aufgaben:
- Schutz vor unkontrolliertem Verlust körpereigener Substanzen und vor schädlichen Einflüssen von außen (wie Kälte, Hitze, Verletzungen),
- Aufnahme von Sinneseindrücken von der Außenwelt (wie Schmerz, Temperatur, was gefährlich ist für Diabetiker mit Neuropathie, wenn diese Eindrücke nicht mehr aufgenommen werden können),
- Speicher- und Stoffwechselfunktionen (z. B. Vitamin-D-Bildung, Fettspeicherung),
- Immunabwehr (die Haut enthält Abwehrzellen, die Bakterien, Viren und andere Erreger bekämpfen können),
- Regulation von Wasserhaushalt und Körpertemperatur (z. B. durch Schweißbildung),
- Kommunikation zwischen Menschen (z. B. jemand errötet vor Scham oder Erregung oder er wird “blass vor Neid” oder Schreck).
Das Fallbeispiel
Beate M. hat seit Monaten schon rötlich-braune Flecken an den Schienbeinkanten beider Unterschenkel. Die Flecken nahmen an Größe zu, juckten aber nicht, noch verursachten sie Schmerzen. Ihre Nachbarin, Frau B., hat ihr zum Hautarzt-Besuch geraten – denn sie selbst hatte einen Hautkrebs (Melanom) im Frühstadium.
Frau M. erfuhr beim Hautarzt, dass es sich um eine “harmlose” Necrobiosis lipoidica handelt, eine Therapie sei nicht erforderlich – möglich wäre aber eine Therapie mit Kortisonspritzen oder mit Laser. Zu beidem hatte Frau M. keine Lust; regelmäßig werden diese Veränderungen nun vom Hautarzt beobachtet – bisher verändern sie sich kaum.
So ist die Haut aufgebaut
Die Haut besteht aus drei Schichten:
- Oberhaut (Epidermis, äußerste Schicht),
- Lederhaut (Dermis),
- Unterhaut (Subkutis).
Alle drei Hautschichten bilden funktional eine Einheit – anatomisch bilden Ober- und Lederhaut die Haut (Kutis). Besonders im Zusammenhang mit der vermehrten Hornhautbildung beim diabetischen Fuß zu nennen sind die äußersten Hauptzellen der Oberhaut (Keratinozyten), die sich in Hornzellen umwandeln können und den Hornstoff Keratin bilden.
Die klinisch bösartigste Hautkrebsform – das maligne Melanom – entwickelt sich dagegen in der Basal- und Stachelzellschicht (den beiden untersten Schichten der Epidermis) sowie in den Haarfollikeln. Das in der Epidermis produzierte Pigment Melanin schützt die Haut vor schädlichem UV-Licht.
Die Hautfarbe eines Menschen …
… wird bestimmt durch die Menge an Melanin in den Melanozyten der Oberhaut. Nicht die Anzahl der Melanozyten, sondern deren Gehalt an Melanin macht den Unterschied zwischen z. B. Europäern und Afrikanern – Säuglinge sind oft blass, da sie weniger Pigment in der Haut haben. Altersflecken dagegen entstehen durch eine unregelmäßige Pigmentproduktion meist an Händen, Unterarmen und Unterschenkeln.
Die Hautfarbe wird bestimmt durch
- Melanin (Pigment in der Oberhaut)
- Karotin (Pigment in Lederhaut- und Unterhaut)
- Blutkapillaren der Lederhaut (z. B. bei guter Durchblutung fällt eine rosige Farbe auf)
- Ablagerung weiterer Pigmente (Bilirubin bei Lebererkrankungen, Tätowierungen)
Diabetes und Hauterkrankungen
Im Zusammenhang mit dem Diabetes gibt es einige typische Erkrankungen bzw. auch Hautveränderungen, die durch eine Optimierung der Blutzuckereinstellung teils positiv beeinflusst oder sogar zurückgebildet werden können. Deshalb ist ihre Zuordnung zu einer Diabetes-Erkrankung sinnvoll, manchmal sogar wegweisend.
Schätzungsweise 30 bis 70 Prozent aller Diabetiker entwickeln im Laufe ihres Lebens Hautveränderungen. Ursächlich werden verschiedene Mechanismen diskutiert, z. B.:
- Gesteigerter oxidativer Stress (durch den hohen Zucker und durch die Produktion von “AGEs”, also Zucker-Eiweiß-Verbindungen, kommt es zu entwicklungsfördernden Reaktionen).
- An der Haut kommt es zu einem Elastizitätsverlust der Blutgefäße, darüber hinaus zu Schäden der Nerven (sensomotorische Neuropathie, verminderte Schweißbildung der Haut, autonome Neuropathie etc.).
Häufig betrifft es die Haut in vier verschiedenen Formen:
- allgemeine Veränderungen der Haut infolge des Diabetes mellitus,
- gehäufte Hautinfektionen,
- typische Hautveränderungen im Zusammenhang mit dem Diabetes,
- Hautveränderungen durch die Diabetes-Therapie.
Im Rahmen des Diabetes kann es zu Schäden der kleinen und großen Blutgefäße kommen (Mikro- und Makroangiopathie), der Nerven (Neuropathie) und auch des Bindegewebes.
Zeichen diabetischer Makroangiopathie sind:
- Hauttrockenheit,
- Hautatrophie (Haut wird dünner), vor allem an den Vorfußballen und Fersen,
- Nagelstörungen,
- Haarverlust.
Oft besteht ein vermehrtes Schwitzen bei gleichzeitig verminderter Talgproduktion mit trockener Haut (besonders an den Füßen) – vermehrter Juckreiz ist oft die Folge. Manchmal besteht auch nur ein Juckreiz ohne erkennbare Hautveränderungen. Durch das Kratzen kommt es oft zweitrangig zu entzündlichen Hautveränderungen.
Kommen Neuropathie und Durchblutungsstörungen (Ischämie) zusammen vor, dann ist die Wundheilung z. B. beim diabetischen Fuß erschwert oder unmöglich. Intensive und tägliche Hautpflege sind dann noch mehr als sonst unbedingt erforderlich!
Mehr Hautinfektionen bei hohem Blutzuckerlangzeitwert
Hautinfektionen kommen bei Diabetikern häufiger vor – sie haben in der Haut selbst einen Glukosegehalt von 35 bis 65 Prozent der Blutkonzentration und sind damit prädestiniert für Infektionen. Je höher die Blutzuckerwerte regelmäßig sind (hoher HbA1c-Wert), umso häufiger sind Infektionen, besonders bei zusätzlicher Störung der Schweißsekretion und Nerven- und Durchblutungsstörungen mit reduzierter Immunantwort der Haut.
Pilzinfektionen können am ganzen Körper vorkommen
Infektionen mit Hefepilzen (Candida) kommen am ganzen Körper vor (z. B. in Hautfalten unter der Brust, Leisten, aber auch am Penis und an der Scheide). Pilzinfektionen sind häufiger bei Therapie mit SGLT-2-Hemmern. Neben den Hefepilzen kommen auch andere Pilzinfektionen an der Haut vor, besonders auch an den Zehennägeln (siehe diabetischer Fuß).
Bakterielle Hautinfektionen …
… sind Zeichen einer allgemeinen Schwächung der Immunabwehr. Insbesondere Staphylokokken und Streptokokken können die Haut oft in Form einer starken Rötung (Erysipel) betreffen, häufig an den Unterschenkeln, manchmal auch im Gesicht. Hautinfektionen bei Diabetikern sollten gezielt behandelt und die Haut gut gepflegt werden.
Spezifische Hautveränderungen bei Diabetes
Verschiedene Hautveränderungen sind typisch bei Menschen, die Diabetes haben, sie können bereits Jahre vor Auftreten eines Diabetes mellitus vorhanden sein:
Die diabetische Dermopathie ist sehr häufig, im höheren Alter sind bis zu 70 Prozent der Diabetiker betroffen. Meist findet man rote Flecken, manchmal mit Verdünnung der Haut, Knötchenbildung und Verfärbung an den Unterschenkeln. Zusätzlich kann die Behaarung verlorengehen. Manchmal kommt diese Erkrankung auch bei Nichtdiabetikern vor – eine spezielle Behandlung ist nicht erforderlich.
Das diabetische Sklerödem ist eine Bindegewebsveränderung mit nichteindrückbarer Haut und Hautverdickung.
Die Necrobiosis lipoidica tritt am Schienbein mit rötlich-braunen Flecken und scharf begrenzten Rändern auf – allerdings nur bei etwa 1 Prozent aller Diabetiker.
Etwa 30 Prozent der Betroffenen haben zeitweise offene Wunden – nach Abheilung sind diese Stellen ohne Haare und Talgdrüsen, so dass diese Hautareale besonders gefährdet sind. Eine Therapie mit Kortison ist manchmal erfolgreich.
Weitere Erkrankungen sind die Acanthosis nigricans und die Bullosis diabeticorum, bei der sich Blasen in der Haut bilden – besonders in den Achselhöhlen.
Eine Hauterkrankung, die relativ häufig im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen und bestimmten Formen der Blutarmut (Anämie), Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), aber auch beim Diabetes vorkommt, ist die Vitiligo. Die Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist eine ungefährliche und schmerzlose, wegen der Hautverfärbung psychisch aber oft sehr belastende Erkrankung. Ihre Ursachen sind wohl vielfältig: Autoimmunphänomen, oxidativer Stress etc. Der Verlauf der Erkrankung ist nicht voraussehbar, es gibt aber durchaus erfolgversprechende Behandlungsmethoden.
Typische Hautprobleme bei Diabetes
- vermehrte Hornhautbildung
- verminderte Schweißbildung
- Juckreiz
- Hauttrockenheit
- Hautatrophie (dünnerwerdende Haut)
- Nagelstörungen
- Haarverlust
- Hautinfektionen (durch Pilze, Bakterien)
- diabetische Dermopathie
- diabetisches Sklerödem
- Necrobiosis lipoidica
- Acanthosis nigricans
- Bullosis diabeticorum
- Vitiligo
- Lipohypertrophien
Hautveränderungen aufgrund der Diabetestherapie
Allergische Hautreaktionen gibt es selten unter Medikamenten zur Diabetestherapie, den oralen Antidiabetika. Unter Insulintherapie kann es zu Hautveränderungen kommen, aber extrem selten – manchmal an der Einspritzstelle, früher unter zinkverzögerten Insulinen, heute gelegentlich durch Inkretin-Analoga verursacht (z. B. Bydureon, Byetta, Victoza), die ja auch gespritzt werden.
Häufiger und auch “kosmetisch beeindruckender” sind die Lipohypertrophien – sie findet man öfter rechts und links vom Bauchnabel oder am Oberschenkel – nach jahrelanger Injektion ohne Wechsel der Injektionsareale und nicht selten mit mehrfacher Verwendung einer Injektionskanüle.
Zusammenfassung
Hautveränderungen kommen bei Diabetikern und Nichtdiabetikern häufig vor. Manche treten im Zusammenhang mit einer schlechten Blutzuckereinstellung und den dadurch verursachten Diabetes-Folgeerkrankungen auf, manche im Zusammenhang mit der Therapie.
Einige Hautveränderungen (z. B. ein Erysipel) sollten stets konsequent und fachgerecht behandelt werden, andere Veränderungen haben nur kosmetischen Wert.Die Haut als Spiegel unseres Inneren und Grenze zum Inneren ist jedoch ein besonderes Organ, das stets Aufmerksamkeit verlangt und verdient.
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (10) Seite 32-35
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uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
@calvin240
Ich hätte eine Frage zum
Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute- calvin240 antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
Habe ich angenommen, schreibe mir gerne eine Nachricht
Liebe Grüße
123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]




