Die wichtigsten medizinischen Werte bei Diabetes

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Die wichtigsten medizinischen Werte bei Diabetes | Foto: Azizun – stock.adobe.com
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Die wichtigsten medizinischen Werte bei Diabetes

Blutzuckerwerte und der HbA1c-Wert sind wichtig – aber nicht nur. Deshalb wurden bei Frau W. beim großen Jahres-Check auch noch viele andere Werte ermittelt und besprochen. Hier finden Sie Grenz- und Zielwerte für Blutzucker, Kreatinin, Mikroalbuminurie, Cholesterin, Schilddrüsenhormon…

Blutzucker-Stoffwechselwerte

Blutzucker nüchtern

normal60 – 110 mg/dl bzw. 3,3 – 6,1 mmol/lDer „Graubereich“ bedarf bei noch nicht bekanntem Diabetes einer weiteren Abklärung durch eine andere Methode, z.B. durch einen „Zucker­belastungs­test“ (OGT).
„Graubereich“110 – 126 mg/dl bzw. 6,1 – 7,0 mmol/l
Diabetes>126 mg/dl bzw. > 7,0 mmol/l

Blutzucker-Zielwerte

Bei bekanntem Diabetes unter einer medikamentösen Therapie, auch unter Insulin, liegen die Zielwerte für den Blutzucker bei:

bei „jüngeren“ Menschen, ohne
Unterzuckerungen
80 – 120 mg/dl bzw. 4,4 – 6,7 mmol/l
bei „älteren“ Menschen kann man
etwas höhere Werte akzeptieren
100 – 150 mg/dl bzw. 5,6 – 8,3 mmol/l
  • Wichtig: individuelle Therapieziele! Oberste Maxime ist das Vermeiden von Unterzuckerungen.
  • Blutzuckerwerte nach dem Essen sollten grundsätzlich nicht über 150 – 160 mg/dl bzw. 8,3 – 8,9 mmol/l liegen, je nach Therapieziel kann man aber Werte bis zu 180 – 200 mg/dl bzw. 10,0 – 11,1 mmol/l akzeptieren.

Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c)

normal4,8 – 5,6 %Der „Graubereich“ bedarf auch hier bei noch nicht bekanntem Diabetes einer weiteren Abklärung eventuell zu hoher Blutzuckerwerte durch eine andere Methode, z.B. durch einen „Zucker­belastungs­test“ (OGT).
„Graubereich“5,6 – 6,5 %
Diabetesab 6,5 %

HbA1c-Zielwerte bei bekanntem Diabetes

bei „jüngeren“ Menschen, ohne
Unterzuckerungen
<7 %Wichtig auch im Bezug auf den Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c): individuelle Therapieziele!
bei „älteren“ Menschen<7,5 %

Nierenwerte

Kreatinin

Der bekannteste Nierenwert ist das Kreatinin (gemessen im Serum), das ein Maß für die Entgiftungsleistung der Niere darstellt. Allerdings steigt dieser Wert erst an, wenn schon ein nicht unerheblicher Teil des gesamten Nierengewebes nicht mehr verfügbar ist. Deshalb kann der Kreatinin-Wert in den ersten Stadien der chronischen Nierenschädigung durchaus noch im Normbereich sein.

Kreatinin-Normalwert

für Männer0,6 – 1,2mg/dl
für Frauen 0,5 – 1,1 mg/dl

Im Laufe des Lebens nimmt die Leistung aller Organe ab, also auch die der Nieren. Das bedeutet, dass die Nierenwerte im Laufe des Lebens ohnehin langsam, aber sicher ansteigen.

Die glomeruläre Filtrationsrate

In Bezug auf die Entgiftungsleistung der Nieren gibt es einen zuverlässigeren Wert als das Kreatinin, der aber etwas komplizierter zu ermitteln ist: die glomeruläre Filtrationsrate (GFR: ml/min/1,73 m²).

Normalwert der glomerulären Filtrationsrate (GFR):>90 ml/min

Durch dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte und/oder auch schlecht eingestellte Blutdruckwerte kommt es zu einer beschleunigten Entwicklung der Nierenschädigung. Deswegen schauen Ärzte und Diabetesbetreuerinnen so strikt auf eine gute und an den Therapiezielen orientierte Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks.

Mikroalbuminurie

Die Mikroalbuminurie (MAU in mg/l) ist ein Marker für die Frühschädigung der Nieren. Diese Untersuchung soll routinemäßig mindestens einmal pro Jahr stattfinden. Weil man auch unter bestimmten Rahmenbedingungen geringste Eiweißmengen im Urin haben kann, sollen bei Diabetikern dazu drei Morgenurine von drei unterschiedlichen Tagen untersucht werden. Eine Mikroalbuminurie ist dann also Zeichen einer beginnenden Nierenschädigung, ohne dass die GFR schon eingeschränkt ist.

normal>30 mg/l
Mikroalbuminurie30 – 300 mg/l
Makroalbuminurie>300 mg/l

Weitere wichtige Werte bei Diabetes

Blutdruck

Der Blutdruck (RR) sollte bei allen Menschen gut eingestellt sein! Bei Menschen mit Diabetes sollte aber besonderes Augenmerk auf eine gute Einstellung gelegt werden, da ja mit dem Diabetes schon ein wichtiger und bedeutsamer Risikofaktor für das Auftreten von schlimmeren Erkrankungen – Herzinfarkten und Schlaganfällen – vorliegt.

Normalwerte:<140/80 mmHg
bei Nierenschädigung:<130/70 mmHg

Body-Mass-Index

Das Körpergewicht bzw. der Body-Mass-Index (BMI, kg/m²) ist natürlich für alle Menschen, insbesondere aber auch für Diabetiker, von großer Bedeutung:

KategorieBMI (kg/m²)Körpergewicht
starkes Untergewicht<16,0Untergewicht
mäßiges Untergewicht16,0 – <17,0
leichtes Untergewicht17,0 – <18,5
Normalgewicht18,5 – <25,0Normalgewicht
Präadipositas25,0 – <30,0Übergewicht
Adipositas Grad I30,0 – <35,0Adipositas
Adipositas Grad II35,0 – <40,0
Adipositas Grad III≥40,0

Vibrationsempfinden

Das Vibrationsempfinden im Stimmgabeltestwird ebenfalls regelmäßig zum Aufdecken eines durch Diabetes entstandenen Nervenschadens untersucht. Da die am weitesten in der Peripherie befindlichen Nervenfasern als Erste betroffen werden, untersucht man das Vibrationsempfinden an den Füßen (Großzehe, Knochenvorsprünge am Mittelfuß, Innenknöchel). Im Alter nimmt das Vibrationsempfinden regelhaft langsam ab.

Normal sind “6/8” bis “8/8” auf einer an der Stimmgabel angebrachten Skala.

Schilddrüsenwerte

Auch die Schilddrüsenwerte spielen für Diabetiker eine wichtige Rolle, da zu hohe oder zu niedrige Werte sich auf den Blutzuckerspiegel auswirken können. Dabei unterscheidet man mehrere Werte, die der Arzt zur Beurteilung der intakten oder gestörten Schilddrüsenfunktion benötigt.

Normalwerte für Schilddrüsenstimulierendes Hormon (TSH) und Schilddrüsenhormon (T₃ und T₄)
TSH0,4 – 4,5 µU/ml (Mikroeinheiten pro Mililiter)
T₃ gesamt0,5 – 2,05 µg/l (Mikrogramm pro Liter)
T₄ gesamt43 – 111 ng/ml (Nanogramm pro Mililiter)
Diese Werte gelten auch, wenn man Medikamente einnimmt, die die Schilddrüsenwerte beeinflussen oder die Schilldrüsenhormone sogar ergänzen oder ersetzen.

Blutfettwerte (Cholesterin und Triglyzeride)

Erhöhte Blutfette (Cholesterin und Triglyzeride) sind wie Diabetes und zu hoher Blutdruck Risikofaktoren für schwere Gefäßerkrankungen; deswegen spielen auch sie eine wichtige Rolle für Menschen, die Diabetes haben. Erhöhte Blutfette werden im Zweifelsfall medikamentös behandelt, wenn andere Behandlungen (z. B. Ernährungsumstellung und viel Bewegung) nicht ausreichend effektiv sind.

Beim Cholesterin wird zwischen “gutem” (HDL-Cholesterin) und “schlechtem” (LDL-Cholesterin) unterschieden.

Cholesterin-Normalwerte
Cholesterin (gesamt)140 – 200 mg/dl
HDL-Cholesterin>40 – 50 mg/dl
LDL-Cholesterin<150 mg/dl
Triglyzeride60 – 180 mg/dl

Als grobe Empfehlung kann man allen Menschen, insbesondere aber Menschen mit Diabetes oder mit anderen Risikofaktoren, empfehlen, dass sie ein möglichst hohes HDL-Cholesterin (&gt; 40 mg/dl) haben sollen, da dieses die Blutgefäße vor vorzeitiger Alterung (Arteriosklerose) schützt.

Demzufolge soll das LDL-Cholesterin bei Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren möglichst unter 100 mg/dl (in manchen Fällen noch darunter) liegen und gehalten werden. Auch für die Zielwerte einer wirksamen Behandlung zu hoher Blutfette sind oft individuelle Verabredungen zwischen Arzt und Patient notwendig.


von Dr. Nikolaus Scheper

Dr. Nikolaus Scheper ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologie mit Schwerpunkt Folgeerkrankungen und Komorbiditäten des Diabetes. Er führt eine diabetologische Schwerpunktpraxis in Marl und war lange Zeit Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen (BVND).

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (7) Seite 22-25

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße