- Behandlung
Füße bei Diabetes schützen, Zweitmeinung einholen und Amputation verhindern
4 Minuten
Im Falle der Diagnose zur Amputation haben gesetzlich Versicherte mit Diabetes-Folgen, die die Füße betreffen (Diabetisches Fußsyndrom), seit 2021 einen Rechtsanspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung: Besteht statt einer Amputation eine andere Behandlungsoption? Der Rechtsanspruch ist laut Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG noch nicht hinreichend bekannt, es wird nach wie vor zu viel amputiert. Deswegen startet nun die Kampagne „Amputation – nein danke!“.
Seit 2021 ist nach einem G-BA-Beschluss der Eingriff Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom (DFS) aufgenommen in die Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren (Veröffentlichung im Bundesanzeiger: Mai 2021). „Es ist kein Gesetz. Der G-BA kann keine Gesetze machen. Er kann Richtlinien erarbeiten, die dann Gesetzes-charakter haben“, so Gefäßchirurg Dr. Frank Schönenberg aus Berlin während der Diabetes Herbsttagung von DDG und DGA. „Aktuell hat die Zweitmeinungskampagne, die ja nicht nur den Diabetischen Fuß betrifft, als realistischen Hintergrund, dass man eine Gefahr einer Indikationsausweitung sieht“, sagt Schönenberg – in dem Sinn: „Es wird zu viel amputiert.“
Dr. Michael Eckhard (Bad Nauheim, Gießen), Sprecher der AG Diabetischer Fuß, nennt Zahlen: „Insgesamt haben wir jedes Jahr in Deutschland 250.000 Neuerkrankungen am Diabetischen Fußsyndrom.“ Hinzu kommen diejenigen, die noch an aktiven Fußproblemen der letzten Jahre laborieren: „Insgesamt zu behandeln haben wir jedes Jahr um die 600.000 Patienten.“ Amputiert werde in der Größenordnung von 40.000 im Jahr. „Durch eine frühzeitige strukturierte Behandlung verhindern lassen sich – das ist tatsächlich nur eine Schätzung: etwa 70 bis 80 Prozent“, sagt Dr. Eckhard.
„Amputation nein danke!“: Zweit zum Schutz der Füße bei Diabetes
Während der Tagung stellte seine Arbeitsgemeinschaft die Kampagne „Amputation – nein danke!“ vor, „eine dringend erforderliche Kampagne!“ Diese richtet sich laut Dr. Eckhard zuerst an von einer Amputation bedrohte Menschen mit Diabetes selbst und an deren familiäres Umfeld – mit der Frage, wenn es um die anstehende Amputation geht: „Ist das die einzige Alternative? Oder gibt es andere Möglichkeiten? Und wenn ja: Wo und wie finde ich die?“ Stichwort Zweitmeiner: Ziel sei es, dass der Zweitmeiner die medizinische Notwendigkeit des empfohlenen Eingriffs prüft und seine Einschätzung erläutert. Es könne dann sein, dass er die ursprüngliche Empfehlung zum Eingriff teilt, eine andere Behandlung empfiehlt oder von Maßnahmen abrät.
➤ zum Portal „Amputation – nein danke!“
In zweiter Linie adressiert die Kampagne hausärztlich oder diabetologisch tätige sowie andere Behandelnde, die sich mit der Versorgung von Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom befassen. Und deren Patientinnen und Patienten von einer Amputation bedroht sind: Auch sie finden auf der Kampagnenseite www.amputation-nein-danke.de wichtige Informationen zum Zweitmeinungsverfahren, die dabei helfen können, den schwerwiegenden Eingriff zu verhindern.
„Die Kampagne richtet sich auch an unsere Krankenversicherungen und an unsere Gesundheitspolitik“, sagt Sprecher Dr. Michael Eckhard. „Denn was nutzen uns die besten Absichten auf Behandlerseite, wenn das, was sinnvoll und gut wäre hinsichtlich Extremitäten-Erhalt, sich schlecht finanziell darstellt? Und wenn es sich wirtschaftlich gesehen am Ende für ein Krankenhaus eher lohnt, ein Bein frühzeitig zu amputieren, als Maßnahmen einzubringen, den Fuß zu erhalten?“ Die Aufnahme der Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom in die Zweitmeinungsrichtlinie „erfreut uns als AG Diabetischer Fuß, das war schon lange unser Anliegen, schon seit Gründung der AG 1993!“
Unerlässlich vor einer Amputation wegen des Diabetischen Fußsyndroms: die Zweitmeinung
„Ihr gutes Recht: Zweitmeinungsverfahren“, heißt es auf der Website – dort kann man sich darüber informieren, wie das Einholen einer zweiten Meinung abläuft und welche Rechte man hat. Unter „Aktuelles & Multimedia“ gibt es Podcasts und Videos von Experten sowie aktuelle Meldungen. Wichtig sind die Hinweise, dass der Arzt oder die Ärztin, der bzw. die die Indikation für eine Operation stellt („Erstmeiner“), verpflichtet ist, auf den Anspruch auf eine zweite Meinung hinzuweisen. Dies soll bestenfalls einige Tage vor dem geplanten Eingriff erfolgen, damit Patienten*innen ausreichend Zeit haben, zu entscheiden, ob sie einen Experten konsultieren möchten (z.B. die von der AG Diabetischer Fuß zertifizierten Fußbehandlungseinrichtungen). Wichtig auch: „Das Zweitmeinungsverfahren ist für Patienten kein Muss, sondern ein freiwilliges Angebot.“
PD Dr. Kilian Rittig (Teltow) sagte auf der Pressekonferenz der Herbsttagung: „Wir sehen immer wieder Patienten, die eine Amputation erhalten, die aber nie einen Angiologen oder Diabetologen gesehen haben – von der Beteiligung an einem Zweitmeinungsverfahren ganz zu schweigen. Es hat in diesen Fällen oft keine Gefäßdarstellung stattgefunden. Das ist ein No-Go und nicht leitliniengerecht. Das ist etwas, was aufhören muss.“ Rittig war Präsident der Diabetes Herbsttagung und leitet eine Praxis mit Schwerpunkt Diabetologie und Gefäßmedizin.
Zweitmeinung, Vernetzung: „Halbierung der Amputationen möglich!“
Wozu Vernetzung und eine Struktur der Zweitmeinung führen können, zeigte Dr. Dirk Hochlenert im Symposium „Zweitmeinung bei DFS“: Frühe Zahlen aus 2013 (Netzwerk Diabetischer Fuß Köln und Umgebung e.V.) zeigten, dass Zweitmeiner zunächst von 22 Amputationsdiagnosen 12 bestätigt haben – „aber eben auch 10 nicht!“ so Hochlenert. Seither sind dort Zweitmeiner im Routinebetrieb eingeführt.
➤ Podcast-Folgen im Rahmen von „Amputation – nein danke!“
„Man sieht am Anfang einen starken Effekt. Das verblasst im Laufe der Zeit, weil die Meinungen sich angleichen.“ Sprich: Bestätigungen der Erstmeinung, weil sich die Meinungen durch das Netz harmonisiert hatten. Aber am Anfang, so Hochlenert, „ist die Halbierung der Amputationen möglich.“
Dr. Michael Eckhard sagte zusammenfassend zur Website: „Das wird wachsen, das ist noch nicht komplett fertig. Wir freuen uns, dass diese Seite starten kann, auf der genau diese wichtigen Informationen zusammengetragen werden.“ Auch diese Information: „Nicht in allen Fällen lässt sich eine Amputation vermeiden. In einzelnen Fällen kann eine Amputation lebensrettend sein oder in Abwägung aller Für und Wider in der individuellen Situation auch die bessere Variante.“
Was das Informationsportal bietet
Wer sich als Betroffener oder als Behandlungsteam über das Zweitmeinungsverfahren informieren möchte, findet auf amputation-nein-danke.de
- Details zum Zweitmeinungsverfahren,
- bundesweit gültige Telefonnummer für die Suche nach Zweitmeinern und Links zu zertifizierten Fußzentren,
- wichtige Hinweise für das Fachpublikum
- drei Podcasts (zu Gast: Dr. Markus Menzen, Dr. Dirk Hochlenert,
- Dr. Joachim Kersken, Diabetologen und Experten für das Diabetische Fußsyndrom) und
- ein Video mit Dr. Michael Eckhard, Sprecher der AG Diabetischer Fuß.
von Günter Nuber
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 8 Stunden
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann? -
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 1 Woche
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”
Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….