Fußgesundheit: Jede Wunde gilt sofort als chronisch

2 Minuten

© adragan - AdobeStock
Fußgesundheit: Jede Wunde gilt sofort als chronisch

Viele der rund 40.000 Amputationen bei Diabetikern jährlich in Deutschland gehen auf das Konto einer zu spät erkannten und mangelhaft behandelten diabetischen Nervenstörung an den Füßen. Ein Großteil ließe sich verhindern. Dies berichtete eine Aufklärungsinitiative auf dem „Diabetes Kongress 2019“.

Nervenschäden gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten Diabetes-Folgeerkrankungen. Auf dem „Diabetes Kongress“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin berichteten Experten auf einer Pressekonferenz der Nationalen Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?“ über aktuelle Erkenntnisse, wie Diabetiker Nervenschäden aufhalten und sich vor Folgekomplikationen schützen können.

Alarmierendes Ergebnis

In den vergangenen fünf Jahren wurden im Rahmen der Aufklärungsinitiative 1.850 Menschen mit und ohne Diabetes in 47 Städten untersucht. Kernmerkmale der durch zertifizierte Fußpfleger durchgeführten Untersuchungen für eine Neuropathie waren Druck-, Temperatur- und Vibrationsempfinden an den Füßen.

Alarmierendes Ergebnis: Bei jedem zweiten Teilnehmer wurde eine Neuropathie nachgewiesen. 70 Prozent der Betroffenen wussten nicht, dass sie eine Nervenschädigung haben. Bei 60 Prozent äußerte diese sich einzig durch Brennen oder Schmerzen in den Füßen. Mehr noch: Ein Viertel der Untersuchten spürte lediglich ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle; mit einer diabetischen Neuropathie wurden die vermeintlich harmlosen Anzeichen weder von Betroffenen noch von deren Ärzten früh genug wahrgenommen und behandelt.

„Selbst bei einem noch nicht diagnostizierten Diabetes kann bereits eine Neuropathie bestehen“, so Prof. Dr. Dan Ziegler, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Diabetes und Nervensystem der DDG und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Aufklärungsinitiative. Deshalb gilt laut Ziegler jede Wunde an den Füßen bei Menschen mit Prädiabetes und Diabetes ab dem ersten Tag als chronisch und sollte sofort sehr ernst genommen werden.

Auch das Herz leidet

Der Diabetologe sagte, dass erste Warnsignale an Füßen auch ein Hinweis auf Nervenschädigungen am Herz sein können. Jeder fünfte Dia­betiker sei betroffen, wodurch das Risiko für einen „stummen“ (schmerzlosen) Herzinfarkt steige. Je früher Symptome behandelt werden, desto effektiver lassen sich Nervenschäden aufhalten: „Deshalb ist es wichtig, dass jeder Patient aktiv mitarbeitet“, so PD Dr. Ovidiu Alin Stirban, Chefarzt an der Nürnberger Schön-Klinik.

Stirban empfahl eine optimale Einstellung des Blutzuckers sowie Nichtrauchen, wenig Alkoholkonsum, Bewegung, gesunde Ernährung und einen gesunden Abbau von Übergewicht. Begleitend empfahl er, bei bestehendem Mangel an Vitamin B1 die Nahrungsergänzung in Form der Vitaminvorstufe Benfotiamin. Ein Mangel an Vitamin B1 könne Neuropathien begünstigen oder verschlimmern.

Wenn Schmerzen das Leben beeinträchtigen, kann zusätzlich eine Schmerzbehandlung erwogen werden: „Allerdings hat sie keinen Einfluss auf das Voranschreiten der Nervenschäden“, so Stirban. Seine wichtige Botschaft für Menschen mit Dia­be­tes und Prädiabetes lautete: „Seien Sie gut zu sich und gehen achtsam mit ihrem Körper um. Achten Sie auf minimale Veränderungen, auch wenn Sie nicht sofort etwas spüren.“ Hören Sie auf Ihre Füße.


von Kirsten Metternich von Wolff
Diätassistentin DKL und DGE, Redaktion Essen und Trinken,
Hildeboldstraße 5, 50226 Frechen-Königsdorf, Tel.: 0 22 34/91 65 41,
E-Mail: info@metternich24.de

Website: www.metternich24.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (9) Seite 15

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte
Sommer auf dem Grill: Aprikosen und Nektarinen werden mit Zitronensaft und Rosmarin aromatisiert, mit Camembert überbacken und in nur 20 Minuten servierfertig. Mit Nährwerten pro Portion eignet sich das Dessert auch für die diabetesbewusste Küche.
Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg
Samira Firoziboyaghchi wuchs im Iran auf und bekam als junge Frau Typ-1-Diabetes. Inzwischen lebt sie in Deutschland. Ihr Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg. Auch deshalb hat sie das Kinderbuch „Mira und der blaue Drache“ geschrieben, dass Kindern mit Diabetes Mut machen und Stärke geben soll.
Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg | Foto: privat

8 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände